Auch Rabenkrähen wachsen auf sattgrünen Maiwiesen.
P.S.: Ganze Krähe.

Das Blog von Till Westermayer * 2002
In einer kleinen Pause zwischen den GDL-Streiks war ich letzten Donnerstag in Stuttgart und konnte an der schön gestalteten Startschuss-Konferenz „BaWü-Labs GO!“ in der Staatliche Akademie der Bildenden Künste auf dem Killesberg teilnehmen. Baden-Württemberg fördert im Rahmen der Wissenschaft für Nachhaltigkeit (dort auch weitere Informationen) sieben „Reallabore“ – Versuche, jenseits klassischer Formate in einer engen Verbindung von Forschung und Praxis (kommunal, wirtschaftlich, zivilgesellschaftlich, …) an Lösungen für Transformationsprobleme zu arbeiten. Klingt abstrakt – konkreter geht es beispielsweise darum, den Nationalpark Schwarzwald für die Regionalentwicklung zu nutzen, an einer nachhaltigen Mobilitätskultur für Stuttgart zu arbeiten oder am ehemaligen Textilstandort Dietenheim wieder an diese Tradition anzuknüpfen. Ich verstehe den Begriff Reallabor dabei so, dass es darum geht, ein Forschungsformat für „Realexperimente“ zu entwickeln, bei dem es gelingen soll, das wissenschaftliche Wissen mit dem Wissen der Akteure vor Ort auf „Augenhöhe“ zusammenzubringen. Anders als im klassischen Interventionsparadigma geht es nicht darum, ein theoriegeleitetes Konzept in die Praxis zu transferieren (wie das misslingen kann, zeigte das Freiburg Scientific Theatre in einer bösen Farce zur Zukunft des IPCC), sondern gemeinsam mit der Praxis überhaupt erst Fragestellungen und Lösungswege zu erarbeiten. Wem dazu Modus‑2 einfällt, der liegt wohl nicht so ganz falsch.
Die sieben geförderten Projekten haben jetzt etwa drei Jahre Zeit, sich auf den Weg zu machen. Sie stehen, wie es Uwe Schneidewind in seinem Vortrag sagte, unter scharfer Beobachtung. Gelingt es, tatsächlich nachhaltige – über den Rahmen des Forschungsprojekts hinaus – Lösungen zu finden und vor Ort zu verankern? Schaffen die ForscherInnen den Spagat zwischen Projektmanagement, wissenschaftlichem Renommee und transformativer Praxis? Schneidewind wies zurecht darauf hin, dass dieser Weg von den ForscherInnen nicht nur Haltung – das Sich-Einlassen auf Neues, auf andere Wissensformen – sondern auch Mut abverlangt, denn diese Vorhaben passen ja zunächst einmal nicht wirklich zu den Hamsterrädern disziplinärer Veröffentlichungen und Bewertungen.
Ich bin jedenfalls sehr gespannt und werde den Weg der Reallabore auch weiterhin interessiert begleiten. (Und es geht weiter: Die zweite Ausschreibungsrunde mit dem Fokus „Reallabor Stadt“ läuft bereits …).
P.S.: Inzwischen liegt auch die Antwort auf einen Antrag (Drs. 15/6682), den die Fraktion GRÜNE zu diesem Thema in den Landtag von Baden-Württemberg eingebracht hat, gedruckt vor. Als PDF hier nachlesbar.
Ziemlich spontan bin ich heute doch zur Kundgebung vor unserem maroden Nachbarschafts-AKW Fessenheim mitgefahren. Mit der Entscheidung bin ich durchaus zufrieden – statt des angekündigten Regens bestes Demowetter, habe viele nette Leute getroffen, und bei den Reden gelernt, dass die aktuelle Anti-AKW-Front neben der Frage, ob Fessenheim jetzt endlich stillgelegt wird, wie es Hollande versprochen hat, insbesondere dort liegt, wo es darum geht, ob die EU Hinkley Point C subventioniert oder nicht. Kurzum: ein netter Demotag (auch wenn der Anlass, der 29. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe, alles andere als nett ist). Aus Freiburg sind fünf von Greenpeace organisierte Busse hingefahren, insgesamt waren es wohl so an die 3500 Menschen aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz jeden Alters.
Ach ja, Fotos habe ich auch gemacht – das komplette Demo-Foto-Set steht bei Flickr.
P.S.: SWR-Bericht.
Ich stelle ja ungern zwei Fotos der Woche direkt hintereinander ins Blog, diese Woche bin ich aber schlicht nicht dazu gekommen, noch anderes zu bloggen (obwohl ich sowohl zur Frage der Veränderung von Mobilität als auch zum Klassensystem in der Deutschen Bahn Ideen hätte …). Ein Grund dafür ist oben zu sehen – die grüne BAG Wissenschaft, Hochschule, Technologiepolitik tagte dieses Wochenende in Wuppertal, was gewisser Vorbereitungen bedurfte. Die beeindruckend dreidimensionale Stadt Wuppertal hatten wir uns als Sitz des Wuppertal-Instituts und als Anschauungsbeispiel für transformative Wissenschaft herausgesucht; ein Thema, über das wir lebhaft mit Prof. Dr. Uwe Schneidewind diskutierten. Inhaltlich dazu ein anderes Mal.
Nach und nach zieht grün in die Landschaft ein – hier im Wildtal nördlich von Freiburg. Ich möchte das zum Anlass nehmen, noch einmal auf den Programmprozess der baden-württembergischen Grünen hinzuweisen, der derzeit läuft. Ein bisschen was über das erste von vier Zukunftsforen in Sigmaringen habe ich bereits aufgeschrieben. Ein weiteres Forum fand vor Ostern in Mosbach statt. Es folgen – getrennt in einen öffentlichen Diskussionsteil und einen parteiöffentlichen Workshopteil – noch zwei weitere Zukunftsforen. Am 18.4. in Stuttgart (da bin ich leider verhindert), und am 25.4. in der Messe Offenburg. Parallel zu diesen Foren läuft derzeit die Erarbeitung von Bausteinen für das Wahlprogramm in Landesarbeitsgemeinschaft und Fachgruppen.
Ich möchte alle, gerade diejenigen, die unzufrieden mit dem bisher in der Landesregierung erreichten sind, dazu aufrufen, an diesen Foren teilzunehmen. Gerade die Workshops für Parteimitglieder sind ein wichtiges Element bei der Erarbeitung des Landtagswahlprogramms 2016 – und jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um in die inhaltliche Debatte einzusteigen.