Als Institution ist Kirche nicht so meins, architektonisch finde ich die Maria-Magdalena-Kirche hier im Rieselfeld aber nach wie vor extrem spannend. Beton kann auch ästhetisch sein, erst recht im Zusammenspiel mit der Umwelt eines Gebäudes – wie hier einem rosafarbenen Sonnenuntergang. Aber auch Spiegelungen des Marktgeschehens, der durch die Kirche durchscheinende blaue Himmel oder Sand und Pfützen auf dem Maria-von-Rudloff-Platz können mit der Betonarchitektur spielen.
Kurz: Together! – Vitra Design Museum
Ich habe heute die Ausstellung „Together! Die Neue Architektur der Gemeinschaft“ im Vitra Design Museum in Weil besucht. Auch wenn der Wow!-Effekt fehlte, ist’s eine gut gemachte Ausstellung zu gemeinschaftlichem Wohnen und der dazugehörigen Architektur.
Das Vitra Design Museum ist halbwegs übersichtlich; die Ausstellung ist auf vier Räume aufgeteilt: Utopie – Architekturmodelle – Innensicht – Projekte. Die Utopie fängt im 18./19. Jahrhundert mit Arbeitersiedlungen und der Phalanstère Fouriers, aber auch mit US-amerikanischen Appartment-Hotels, an. Die aufgebauten Architekturmodelle erläutern (unter Rückgriff auf Farbcodes von Le Corbusier), wie sich Privatheit und (Halb-)Öffentlichkeit in verschiedenen Bauprojekten und Entwürfen begegnen. Das Zimmer zur Innensicht simuliert gemeinschaftliches Wohnen – so ein bisschen wirkt es wie ein begehbarer Ikea-Katalog. Nett sind hier die Details, etwa die Hartz-IV-Selbstbau-Möbel im Gemeinschaftsraum, die Literaturauswahl im Bücherregal oder das sorgsam arrangierte Chaos in Emils Kinderzimmer. Im vierten Raum schließlich werden einige Projekte an Schreibtischen im Detail vorgestellt – was waren die Ideen, wie wurden sie realisiert, wo gab’s Hürden. Auch das ist nett gemacht.
Das war’s dann auch schon. Für meinen Geschmack lag der Blick etwas zu sehr auf der Architektur, und zu wenig auf der sozialen Seite der Neuen Architektur der Gemeinschaft. Das Scheitern der Utopien beispielsweise fehlte, soweit ich das wahrgenommen habe, ebenso wie eine vertiefte Auseinandersetzung mit der mit solchen Wohnprojekten immer verbundenen Frage nach öffentlich/privat, aber auch nach Inklusion und Exklusion (kommt am Rand bei den Projektschreibtischen vor, aber eben auch nur am Rand). Eine weitere Leerstelle waren aus meiner Sicht „intentional communities“. Einige der dargestellten Utopien und Projekte gehen in die Richtung, aber richtig vor kamen weder Klöster noch Ökodörfer noch Landkommunen. Und Nachhaltigkeit und Commons spielte auch nur am Rand eine Rolle. Da wäre mehr möglich gewesen.
Die Ausstellung läuft noch bis 10.9., Eintritt 11 €. Website.
Photo of the week: Architecture meets landscape II
Habe mir heute Sigmar Polke im Museum Frieder Burda und Sergej Jensen in der direkt daneben liegenden Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden angesehen – Polke hat mich, insbesondere mit den Überlagerungen gerasterter bzw. fein gezeichneter Figuren auf figurativen Stoffen als Leinwand deutlich mehr beeindruckt, auch wenn ich Jensen (Experimente mit dem Malgrund selbst und eine Art Pointillismus nach Bildschirmkunst) durchaus als eine gute Ergänzung empfand. Und das von Richard Meier entworfene Museum Frieder Burda wirkte – wie die Meier-Bauten oft – ebenfalls beeindruckend, ohne dabei zu sehr in den Vordergrund zu treten.
Kurz: Gib mir nur ein Wort

Manchmal hilft es, Dinge maximal zu minimieren, um eine Aussage über deren Kern zu finden. Beispielsweise plakatierte die FDP auf ihrem Dreikönigstreffen „Du“ (und meinte damit „Ich“). Die SPD warb vor einigen Jahren mit „Wir“. Und 2011 war der grüne Slogan in Baden-Württemberg ein so schlichtes wie passendes „Jetzt!“.
In diesem Sinn überlegte ich vor einigen Tagen, welches Wort im Kontext der anstehenden Bundestagswahl Bündnis 90/Die Grünen auf einen Punkt bringen könnte. Also ein Wort, dass das Wesen der heutigen Grünen möglichst genau beschreibt. Ich kam auf „Hoffnung“ – aber vielleicht geht es ja noch präziser.
Kurz: Der Katalog als Zeitgeistmarker
IKEA ist so ein globaler Konzern, der Möbel verkauft. Naja, eigentlich verkauft der Konzern eher ein Image als Möbel. Und das Image hat nicht unbedingt viel mit der Realität zu tun, befürchte ich.
Was für ein Image? So eine hübsche skandinavisch-aufgeräumte Kuscheligkeit, in der kleine Wohnungen kein Problem, sondern eine mit Bravour meisterbare Stilherausforderung sind, in der multikulturell zusammengesetzte Patchwork-Familien-WG-Freundeskreise an hübsch dekorierten/improvisierten Tischen sitzen, mit Kindern irgendwo zwischen niedlich und frech, gerne auch mal kopfüber. Bisschen Grünzeug, bisschen Altbau, bisschen Post-Hippie-Bürgertum, bisschen Literatur im Regal, bisschen künstlerisch wertvolles Provisorium. Noch ein Hauch Nachhaltigkeitsgefühl und eine Prise globale Fairness dazu, fertig, trifft und passt. Werbung halt.
Dass die jährlichen, weltweit ähnlichen IKEA-Kataloge genau dieses Image verkaufen – genau das macht sie ja überhaupt erst ersehnenswert, jedenfalls interessanter als all das, was irgendwelche andere Möbelhäuser sich ausdenken, um ihren Kruscht zu bepreisen. Weswegen ich es etwas schade finde, dass der diesjährige Katalog sich wohl von dem neuen „Keine Werbung“-Schild am Briefkasten hat abschrecken lassen hat. Und wenig Verständnis für irgendwelche in der ZEIT erschienenen Verrisse habe.


