Das eine sind Logos. Das andere sind Claims, Slogans, Sprüche. Und unter slogans.de ist eine umfangreiche Datenbank zu finden, die Werbesprüche aus Politik und Wirtschaft sammelt. Zum Beispiel viele Slogans von (Bündnis 90/)Die Grünen. Natürlich auch für alle möglichen anderen Parteien, Firmen usw. – nett als Anregung, aber auch, um zu verhindern, im nächsten Wahlkampf aus Versehen Sprüche der CDU zu übernehmen.
Logo: Rückzug (Update)
Wie Henning berichtet, gab es zum Thema „Logo“ auf dem Bundesparteitag eine lebhafte Debatte – und dann wohl das beliebte Ausweichmanöver „Antrag zurückziehen, statt eine Niederlage zu kassieren“. Damit ist erstmal das alte Logo das neue, und das neue wird noch einmal überarbeitet (meine Progonose: „Bündnis 90“ wird 20–50% größer). Auf gruene.de steht noch das alte neue Logo, als Parteitagsdeko wohl auch (muss ein seltsames Gefühl sein), inhaltlich wird vor allem über die Kritik am Verfahren berichtet. Und jetzt die Inhalte.
Und hier noch die Presse zum Logo-Rückzug: Reuters weist darauf hin, das versucht wurde, das zurückgezogene Logo weitgehend aus der Hallendeko zu entfernen, und weist darauf hin, dass die Parteispitze bemüht war, „ihre Niederlage im Streit um das neue Parteilogo als normalen Vorgang darzustellen“. Focus beschreibt die verschiedenen Abstimmungen (unklare Mehrheit am Freitagabend, Suche nach neuem Vorgehen). Die Berliner Morgenpost berichtet von Pfiffen und Buhrufen und spricht davon, dass das Logo bei den Delegierten durchgefallen ist. Bei der Welt heißt es: „Logo-Niederlage der Parteispitze“. Das ZDF betont, dass die Wiederwahl von Reinhard Bütikofer und Claudia Roth trotz „Logostreit“ sicher sei. Ausführlich über Verfahrenskritik und die „Überraschung“ der fehlenden klaren Mehrheit für das neue Logo dank Basisunmut schreibt auch Spiegel online.
In den Details irrt allerdings entweder der Spiegel oder Claudia Roth. So heißt es zur Vorstellung des neuen Logos u.a.:
Die eigens entworfene Schrift „Gruene Syntax“ lobte Roth derweil dafür, „dass sie irritiert und nicht Mainstream ist – so wie wir“. Das Auffälligste an der Schrift ist, dass sie serifenlos ist und der Buchstabe „e“ jeweils in halben Schwung endet, was den Blick auf sich zieht.
Wer dies mit der Debatte um die Schrifttypen auf Fontblog vergleicht, stellt schnell fest: die im Logo verwendete Schrift mit den seltsamen „e„s ist eine Variation der DIN-Normschrift – die „grüne Syntax“ dagegen ist die Schrift, die für Brottexte verwendet werden soll, und die relativ unauffällig ist (einige der Logoentwürfe von mir verwenden die Syntax). Die DIN ist nur für das Logo gekauft, für die grüne Syntax dagegen gibt es eine Massenlizenz. Hier werden beide verwechselt.
In der Berichterstattung insgesamt nimmt die Logo-Debatte – glücklicherweise – allerdings nur relativ wenig Raum ein, und überlagert nicht, wie manche befürchtet hatten, die inhaltlichen Hauptthemen, etwa die geforderte neue Radikalität beim Klimaschutz oder auch die inhaltlich begründeten Absagen an schwarz-grüne Koalitionsspielereien.
Noch mehr Logos
Logoupdate
Professionelle Auseinandersetzung mit dem Logo bei Fontblog. (Danke, Henning!)
Und ein paar weitere Kommentare:
- Julia Seeliger
– Tilmann Versch
– Henning entwirft selbst
– Designtagebuch
Und nicht zu vergessen: der Leitfaden für Orts- und Kreisverbände (gezipptes PDF).
Logokritik
Bündnis 90/Die Grünen haben ab sofort ein neues Logo (warum auch immer). Erster Baucheindruck: verbesserungsbedürftig, nicht wirklich überzeugend.
So sieht’s aus:

Mein Eindruck: Ziemlich eckig und statisch für eine organische und dynamische Partei. Die Kästchenaufteilung heißt auch, dass sich die Sonnenblume einfach abknipsen lässt ((wobei das laut Designlayoutfaden strengstens verboten ist)). Die Schrift sieht aus, als wären die „e„s angeknabbert. Der Farbverlauf im linken Kasten von gelb zu grün sieht nach „PraktikantIn hat mit Effekten rumgespielt aus“.
Aus meiner Sicht war das größte Problem mit dem alten Logo die Unhandlichkeit – im Vergleich zu „SPD“, „CDU“ oder „FDP“ nahm es einfach immer viel Raum ein, was z.B. bei Fernsehgrafiken oder Wahlumfragenbebilderungen ein Problem dargestellt hat. Ansonsten war das alte Logo klar, einprägsam und eingeführt und hat durch die typischen Farben viel zur Wiedererkennbarkeit und zum Transport der Kernbotschaft „Umweltkompetenz“ beigetragen.
Das größte Problem mit dem neuen Logo: es ändert am größten Problem mit dem alten Logo nichts. Immer noch handelt es sich um eine ausufernde Logolandschaft, nicht um ein kurzes, eindeutiges Symbol. Vor der Fusion Grüne – Bündnis 90 hat die Sonnenblume alleine gereicht. Ein gutes Logo würde diesen Grad von Einprägsamkeit erreichen. Also: das neue ist nicht knapper, reduzierter, einfacher, sondern einfach nur anders kompliziert, und sieht noch dazu nicht schön aus. Und was ich mir noch überhaupt nicht vorstellen kann: wie soll das ganze in Anwendungen aussehen, bei denen nur rein einfarbig gedruckt werden kann, ohne Graustufen oder Farbabstufungen – z.B. auf Luftballons? Kasten Kasten Strich?
Nebeneffekte: sämtliches altes Wahlkampfmaterial kann (a) weggeworfen werden oder (b) trotz andersweitiger Bitten wiederverwendet werden, und führt dann zu neuer Unübersichtlichkeit.
Offiziell wird das neue Logo übrigens wie folgt begründet:
Es drückt symbolhaft die Weiterentwicklung der Grünen Partei auch in der Frage des Erscheinungsbildes aus. Dabei wurden die traditionellen und jüngeren Elemente von Bündnis 90/Die Grünen noch besser miteinander vereint und modernisiert.
Die wichtigsten Charkateristika des neuen Logos:
* Aufgeräumt: Das Logo besteht aus drei klar gegliederten Bereichen: Sonnenblume, Parteiname und Fundament, die immer gemeinsam abgebildet werden. Durch die Zwischenräume wird das Logo immer eingebettet in seinen Hintergrund und damit Teil dessen.
* Die Sonnenblume: Sie steht europaweit für die Grüne Bewegung, ist unverwechselbar, organisch und klar.
* Das blaue Fundament: Es bildet die grafische Basis des Logos und stützt das Gesamtwerk. Dabei greift es die Farbe blau auf, als grafisches Fundament, das für den Zusammenschluss zwischen „Bündnis 90“ und den „GRÜNEN“ steht.
* Die Schrift: Die klare und sachliche Schrift vermittelt Direkt- und Offenheit. Durch die nachträgliche Bearbeitung ist sie einzigartig und unverwechselbar.
Meine vier Spiegelstriche wären dagegen: langweilig – Sonnenblume nur noch Hintergrund – das blaue Fundament steht schief (Balken nur rechts) – 80er-Jahre-Computerprogramme wurden mit ganz ähnlichen modernen und innovativen Schriften beworben. Schade – wird Zeit, die Werbeagentur zu wechseln!

