Hessen bleibt spannend, aber aus links-grüner Perspektive stellt sich doch vor allem die Frage, „Wie lange will sich die Sozialdemokratie noch in einer Koalition mit den Christdemokraten quälen, wenn es doch eine Mehrheit für eine progressive Politik gibt?“. Nachdem die FDP offensichtlich nicht regieren will, frage ich mich das auch, und meine: gerade im ja doch grün gesehen sehr realpolitischen Hessen wäre rot-rot-grün ein interessantes Experiment. Von mir aus auch – vgl. Geschichte der Grünen – als Lafontaine-Cohn-Benditsche Duldung.
Kurzeintrag: zu 95 % grün
Zum Wahlkampfendspurt hat die Bundesgeschäftsstelle von Bündnis 90/Die Grünen jetzt den „Grün-o-mat“ ins Netz gestellt. 20 mehr oder weniger suggestive Fragen später weiß jede/r, wie grün (im Sinne der grünen Beschlusslage) er oder sie wirklich ist. Bei mir kommen jedenfalls 95 % heraus – keine 100 % v.a. deswegen, weil ich das konkrete Mindeslohnmodell der Bundestagsfraktion nicht so gut finde. Interessant wäre jetzt, mal die Programme anderer Parteien über die Fragen zu legen und zu schauen, wie grün SPD, CDU, FDP und LINKE inzwischen sind. Oder so.
Wer’s ausprobieren will: http://www.gruen-o-mat.de/
Kurzeintrag: Abgeordnetenevaluation (Update)
Theresia Bauer, die hochschulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag von Baden-Württemberg, war heute in Freiburg und hat in einer Veranstaltung der grünen Hochschulgruppe über 30 Jahre Kampf für die Wiedereinführung der Verfassten Studierendenschaft berichtet. War ganz interessant, hätten ruhig mehr Leute da sein können, ist aber gar nicht Thema dieses Kurzeintrags. Sondern die Tatsache, dass Theresia am Schluss ihres Beitrags einige Ideen äußerte, wie studentische Mitwirkung an der Hochschule denn noch so verbessert werden könne. Als positives Beispiel nannte sie u.a. auch spickmich.de, ein durchaus umstrittenes LehrerInnen-Bewertungsnetzwerk. Und ähnliches gibt es natürlich auch für ProfessorInnen. Kam im Publikum allerdings nicht ganz so gut an.
Bleibt trotzdem die Frage: Wer registriert (und realisiert) meinMdL.de?
Update: (15.01.2008) Zufälligerweise bin ich in einem Werbe-Kommentar bei Henning auf Trupoli gestoßen. Gibt es also auch schon. Aber abgeordnetenwatch.de finde ich konzeptionell eigentlich besser (Deliberation statt Evaluation!), um das auch mal zu sagen.
Was haben Dieter Salomon und Leonardo DiCaprio gemeinsam? (Update)
Die Frage könnte auch lauten: was verbindet Angela Merkel und den ehemaligen Sänger von Midnight Oil, Peter Garrett?
Alle finden sich auf der Liste „50 people who could save the world“, die der Guardian aufgestellt hat (gefunden bei SEED). Über Salomon (oder eigentlich über Freiburg, ganz passend zum neuen Image als „green city“) lesen wir da:
Freiburg in southern Germany is the most ecologically-aware town in Europe and possibly the rich world. The city of 250,000 people dubs itself a „solar region“ and gathers nearly as much power from the sun as is collected in all of Britain. It’s stacked with research establishments and its solar firms employ thousands of people. It is also the playground of architect Rolf Disch, who builds houses that need to be heated for only a week each year and whose cost is paid for by the electricity generated by the panels on their roofs. Salomon, 47, says that by 2010, at least 10% of all the energy consumed in Freiburg will come from renewables. To attain this, a huge area of the city centre has been turned into a pedestrian zone and there are 500km of bike paths. More than a third of all journeys are made by bike, and there are fewer than 200 parking places for cars in the centre compar ed with 5,000 for bikes. The snag? The quality of life is so good in Freiburg that too many people want to live there and it’s hard for anyone to buy a house.
Und zu Merkel heißt es u.a.:
Angela Merkel, 53, has inherited Tony Blair’s mantle as the politician forcing climate change the hardest on to the world stage, and she is a formidable advocate. The only major player left who helped hammer out the original global warming agreement at Kyoto in 1997, she is one of the very few with a grasp of what it means if humanity fails.
Warum blogge ich das? Mal unabhängig davon, ob diese Liste so Sinn ergibt (auch Björn Lomborg steht mit dabei …) – es ist auf jeden Fall ganz interessant, zu lesen, wie die Fremdwahrnehmung über Merkel, Salomon und Scheer in einer eher kritischen britischen Zeitung aussieht. Und wer demnach die wichtigsten „player“ im Spiel um die Zukunft sind.
Update: (15.01.2008) Inzwischen haben auch taz und Badische Zeitung (nur Abo) die Guardian-Liste aufgegriffen.
Netzlasteinbruch in klein
Inzwischen liegen die Netzlastdaten von RWE, EON, ENBW und Vattenfall für den 8.12. vor. Daraus lässt sich ein Diagramm erstellen, dass sich daraufhin befragen lässt, ob ein Ausschalt-Effekt der Licht-Aus!-Aktion vom 8.12. (20.00–20.05) sichtbar ist.

Aggregierte Netzlastdaten von RWE, EON, ENBW und Vattenfall für den 8.12., Vergleich: 1.12.
Es gibt in dieser Darstellung einen etwas deutlicher als in der Vorwoche und zu den Zeiten davor und danach ausfallenden Sprung zwischen der Netzlast für den Zeitraum 19:45–20:00 und der Netzlast 20:00–20:15. Wieweit dieser jedoch wirklich durch die Greenpeace-BILD-etc-Aktion zustande gekommen ist, erscheint mir ziemlich fraglich. Und eigentlich müsste mit sehr viel mehr Statistik an die Sache rangegangen werden, um eine haltbare Aussage darüber zu treffen, welcher Teil des Unterschiedes zwischen den beiden Zeitperioden sich durch andere Faktoren erklären lässt. Bei Greenpeace oder anderswo habe ich leider außer den „1000 MW“ aus der ersten Pressemitteilung keine weiteren Infos dazu gefunden.
Nebenbei gemerkt: generell ganz interessant sind diese Netzlastkurven im Zeitverlauf schon – die alltäglichen Routinen und die „normale“ Zeitverwendung (wann geschieht was) sind da ganz gut zu sehen …
Warum blogge ich das? Als Update zum schon erwähnten Vorgängereintrag.
