Ich kann es nicht oft genug sagen: In Kürze wird gewählt, und die Wahlentscheidung bedeutet tatsächlich etwas. Übrigens nicht nur nächstes Wochenende im Bund und in Hessen, sondern auch morgen in Bayern. Menschen aus Franken, Ober- und Niederbayern, die noch Fragen an uns Grüne haben, können die bei der Bayern-Ausgabe von Drei-Tage-Wach loswerden. Und wer sich im Bund noch unschlüssig ist, mag vielleicht etwas darüber lesen, was andere an Lügen und Gerüchten über Grün erzählen, und wie es wirklich ist, oder den grünen Steuerrechner ausprobieren. Die Devise heißt: Vom Umfrageherbst nicht bange machen lassen!
Kurz: Achterbahnfahrt
Was mir ja ein wenig Sorgen macht, auch wenn mir ein halbes Dutzend mehr oder weniger gute Gründe dafür einfallen, ist die untenstehende Kurve. Und die 10%, die die Forschungsgruppe Wahlen heute hatte, sind dort gar nicht eingepreist. Da bleibt nur: Jetzt erst recht ran an die Leute!
Datenquelle: wahlrecht.de
P.S.: Dieses Interview mit ZDFWDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn über die Unsicherheit von Umfragen kurz vor Wahlen passt ganz gut als Gegengift zu meiner Kurve oben.
Empowerment statt Angst – eine erste Einschätzung zur grünen Plakatkampagne für die Bundestagswahl 2013
Heute morgen wurden die Plakate für die grüne Kampagne zur Bundestagswahl 2013 vorgestellt. Mir gefallen sie gut, auch wenn’s natürlich einiges herumzukritteln gäbe (da fehlen Themen, vieles bleibt unkonkret, da geht’s dann doch auch um Schönheitsideale und Heteronormativität, manches Wortspiel ist arg an den Haaren herbeigezogen …).
Aber, was ich wichtig finde, und was so ein bisschen das Thema der diesjährigen grünen Kampagne zu werden scheint, das wird von diesen Plakaten ganz massiv getragen: Empowerment. Am augenfälligsten ist das „Und du?“, das in diesem Wahlkampf unser Parteilogo ersetzt. Da steckt eine ganze andere Botschaft drin als im kollektivistischen „Das Wir entscheidet“ der SPD. Wir sprechen dich, liebe Wählerin, dich, lieben Wähler, ganz individuell an, und fragen, wie du bestimmte Dinge siehst.
Und dahinter steht ja noch mehr – dahinter steht, deswegen Empowerment, eben auch die Aufforderung, selbst aktiv zu werden. Was machst du eigentlich? Der Mitgliederentscheid und die Wahl der Spitzenkandidatinnen durch die Basis passt dazu. Visuell wird das durch „normale Menschen“ auf den Plakaten getragen. Menschen wie du*, deine Kinder, deine Eltern oder Großeltern.
Diesen Ton der Kampagne finde ich gut, weil es eben nicht das „Wir regeln das schon“-Versprechen ist, sondern ein ziemlich ehrliches Dialogangebot. Und weil zwar ernste Themen angesprochen werden – unbezahlbare Mieten, prekäre Löhne, Schuldenberge, globale Ungerechtigkeit, usw. – aber die Antwort weder eine Angstkampagne ist (Botschaft: „Wenn du uns nicht wählst, wird alles schlimmer“, ich denke da an die schwarz-weiß-roten Plakate der LINKEN), noch eine SPDCDU-Kampagne a la „Mit uns wird alles gut, Kreuz her, fertig“, sondern Menschen angesprochen werden. „Und du?“ heißt auch: Ohne dich schaffen wir das nicht, diese großen Probleme zu lösen.
Mutig finde ich den weitgehenden Verzicht auf Logo und Parteiname auf den Plakaten. Das „Und du?“-Symbol enthält eine kleine Sonnenblume, auf den Plakaten sind themenbezogene URLs mit „gruene.de“ abgedruckt, aber auf den ersten Blick tritt die Partei in den Hintergrund. Auch das trifft eine Stimmung, glaube ich – und führt, hoffe ich, letztlich doch zu Wahlentscheidungen.
Mutig finde ich auch, dass wir – und das ist momentan mein Lieblingsplakat – offensiv das Thema Freiheit aufnehmen. Angriff auf die FDP, und klare Abgrenzung zur SPD. Das ist auch eine Aussage zu Bürgerrechten, letztlich auch zur Netzpolitik. Ich bin froh, in einer Partei zu sein, die es meistens gut schafft, Geschlossenheit und das Eintreten für Meinungsfreiheit und individuelle Ideen zu verbinden.
Um die Frage „Wir freuen uns auf den Wahlkampf – und du?“ zu beantworten: Ja, mit dieser Kampagne freue ich mich auf den Wahlkampf. Und wenn wir es nicht schaffen, an die Regierung zu kommen, dann ist das doch zumindest eine massenhaft plakatierte Einladung, bei uns mitzumachen. Gut so!
* Zielgruppenbezogen auf die grünen Hauptwählerinnengruppen.
Warum blogge ich das? Um meine erste Reaktion auf die Kampagne und ein paar bei Twitter andiskutierte Ideen loszuwerden.
Nach dem Mitgliederentscheid
Am Samstag habe ich mir einige Kennzahlen zum grünen Mitgliederentscheid angeschaut. Heute wurde nun das Ergebnis verkündet.
An der Urabstimmung teilgenommen hat wohl ein gutes Viertel der Mitglieder – 27 26,2 Prozent, habe ich gehört. Das sind nicht alle, aber sicherlich mehr als die „mittlere Funktionärsebene“ der Aktiven in den Landesparteien und in der Bundespartei. In Zahlen wären das bei etwa 60.000 Mitgliedern dann rund 16.200 Personen. Gerade im Vergleich mit den Zahlen zur Onlinebeteiligung finde ich das eine beachtliche Mitgliedermotivation (manche sprechen dabei auch von Gamification der politischen Beteiligung – sei’s drum).
Einige Kennzahlen zum grünen Mitgliederentscheid
An diesem Wochenende finden die Urnenwahlen in den Kreisverbänden zum grünen Mitgliederentscheid #me13 statt; schon davor haben sicherlich viele ihre Stimme per Briefwahl abgegeben. Und es konnte auf der Website diskutiert und gevotet werden.
Wie der Mitgliederentscheid ausgegangen ist, wird am 12. Juni feststehen. Einige Hinweise, wie er ausgehen könnte, gibt die Diskussion auf der Website. In absoluten Zahlen ist es vermutlich nur ein relativ kleiner Teil der grünen Mitglieder, der sich hier beteiligt hat (das habe ich nicht gezählt, ebenso wie ich keine qualitative Auswertung der Diskussion dort durchgeführt habe). Was sich aber relativ einfach zählen lässt, ist die Zahl der Argumente (Diskussionsbeiträge grüner Mitglieder zu den 58 Schlüsselprojekten), die Zahl der Kommentare zur diesen Argumenten (öffentlich) sowie die Bewertung der Argumente (durch grüne Mitglieder).
Insgesamt gibt es 58 Schlüsselprojekte. Zu diesen wurden 419 Argumente auf gruener-mitgliederentscheid.de eingestellt, zu denen es 954 Kommentare und 2819 Votes gab. Pro Projekt sind das im Schnitt 7,2 Argumente, pro Argument gab es im Schnitt 2,3 Kommentare und 6,7 Votes. Dabei wurde der Bereich „Energie und Ökologie“ deutlich intensiver diskutiert als das Themenfeld „Gerechtigkeit“ bzw. die „Moderne Gesellschaft“, wie die folgende Abbildung zeigt:
Pro Projekt gab es jeweils mindestens ein Argument, maximal 26. Bei den Kommentaren geht die Bandbreite von null Kommentaren bis zu 93 Kommentaren für ein Projekt, bei den Votes (die ja für Argumente vergeben wurden) von drei Stimmen bis zu 260 Stimmen pro Projekt. Argumente und Votes korrelieren miteinander. Die absolute Zahl der Votes – summiert über alle Argumente zu einem Projekt – dürfte, da sich hier nur grüne Mitglieder beteiligen konnten, durchaus etwas darüber aussagen, als wie relevant bestimmte Schlüsselprojekte empfunden wurden. Wenn die tatsächliche Abstimmung ähnlich ausfällt wie das Voting für gute Argumente, dann kommt dabei folgendes heraus:
„Einige Kennzahlen zum grünen Mitgliederentscheid“ weiterlesen





