Blended Participation: Grüner Mitgliederentscheid gestartet

Wäh­rend es bei der SPD „Das Wir ent­schei­det“ heißt, lau­tet das Leit­mo­tiv des am 2. Mai 2013 gestar­te­ten Mit­glie­der­ent­scheids von Bünd­nis 90/Die Grü­nen „Hier bist Du ent­schei­dend!“. Nach der Urwahl ihrer Spit­zen­kan­di­da­tIn­nen set­zen die Grü­nen damit zum zwei­ten Mal einen Betei­li­gungs­ak­zent im Vor­feld der Bun­des­tags­wahl 2013. 

In Anleh­nung an „blen­ded lear­ning“, also die Mischung von Online- und Off­line-Antei­len in Kur­sen und Semi­na­ren, kann dabei von „blen­ded par­ti­ci­pa­ti­on“ gespro­chen wer­den. Statt wie beim „Vir­tu­el­len Par­tei­tag“ allei­ne auf „online“ zu set­zen, inte­griert der Mit­glie­der­ent­scheid „klas­si­sche“ For­men der par­tei­in­ter­nen Mei­nungs­bil­dung mit Online-Aspek­ten. In den ein­zel­nen Pha­sen gibt es dabei unter­schied­li­che Akzentuierungen.

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Kurz: Wir sind (zu) viele

Das Pro­jekt „Deutsch­lands Blogger_innen“ (Update: Ver­si­on 2.0 mit Such­funk­ti­on), das in den letz­ten 24 Stun­den von Luca Ham­mer umge­setzt wur­de – eine inter­ak­ti­ve Visua­li­sie­rung der Face­book-Kon­tak­te von Blog­ge­rIn­nen – ist zunächst mal eine beein­dru­cken­de Spie­le­rei. Aber es führt auch noch ein­mal sehr ein­drück­lich vor Augen, wie vie­le Blog­ge­rIn­nen es in Deutsch­land gibt. Dar­ge­stellt ist ja nur der Teil, der sich in die dazu ange­leg­te Face­book-Grup­pe ein­ge­tra­gen hat (oder ein­ge­tra­gen wur­de), und der über­haupt bei Face­book aktiv ist. 

Mir ist auf­ge­fal­len, dass mir ein gro­ßer Teil der Blog­ge­rIn­nen über­haupt nichts sagt. Das betrifft auch eini­ge der „dicken Punk­te“, gut ver­netz­te Blog­ge­rIn­nen. (Mal abge­se­hen davon, ob Face­book-Ver­net­zun­gen viel über Inter­blog-Kom­mu­ni­ka­ti­on aus­sagt, bei mir zumin­dest läuft die eher über Twit­ter). Struk­tu­rell bie­tet sich das typi­sche Bild des power laws der Netz­werk­ge­sell­schaft: eini­ge weni­ge stark ver­netz­te, und dann schnell eine sehr gro­ße Zahl wenig ver­netz­ter Blogs. Wer möch­te, kann hier von A bis Z durchzählen.

Vie­le Blog­ge­rIn­nen – das ist erst ein­mal gut so. Ande­rer­seits heißt das auch, das nur weni­ge über klei­ne Bla­sen hin­aus wahr­ge­nom­men wer­den kön­nen. Und die Auf­merk­sam­keits­span­ne, die Zahl der Blogs, die von vie­len gele­sen wer­den kön­nen, ist natur­ge­mäß begrenzt. Hier wäre ein Ver­gleich mit klei­ne­ren Sprach­ge­mein­schaf­ten oder Län­dern span­nend: Wenn 500.000 Men­schen die Grund­ge­samt­heit bil­den, in der sich Blogs ver­net­zen und wahr­ge­nom­men wer­den, sieht das anders aus als bei etwa 100 Mio. im deut­schen Sprach­raum. Noch­mal anders ist es, wenn der Sprach­raum so groß ist, dass die rich­tig gro­ßen Blogs gut davon leben kön­nen und selbst für Spe­zi­al­the­men im Long Tail noch eine kri­ti­sche Mas­se an Blog­ge­rIn­nen und akti­ven Lese­rIn­nen erreicht wird. Bei letz­te­rem erscheint mir die Situa­ti­on im deut­schen Sprach­raum grenz­wer­tig – dafür sind wir zu weni­ge. Und für „gene­ral inte­rest“ und Blogs als Mei­nungs­ko­lum­nen dann wie­der zu vie­le. Anders gesagt: Wir sind zu vie­le, und des­we­gen müs­sen wir mehr werden!

Im Blog kommentieren und andere Zumutungen

Garden party II

Mein Arti­kel zur Zahl der bei Car­ta von Frau­en und von Män­nern geschrie­be­nen Bei­trä­ge hat ja eine hef­ti­ge Debat­te aus­ge­löst. Dazu folgt ein län­ge­rer Reflek­ti­ons­text über Blog­kom­men­ta­re, Geschlech­ter­ver­hält­nis­se und nicht zuletzt die Fra­ge, wel­chen Sinn ich in Blog­kom­men­ta­ren sehe. Mit teil­wei­se unschö­nen Beispielen.

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Kurz: Carta, mal durchgezählt (mit langen Updates)

Ich schät­ze Car­ta sehr. Laut Selbst­be­schrei­bung ist Car­ta ein „Autoren­blog für digi­ta­le Öffent­lich­keit, Poli­tik und Öko­no­mie“. Ich neh­me es eher als kura­tier­te, neue Form digi­ta­ler Öffent­lich­keit wahr denn als Blog, fast schon mehr ein Maga­zin neu­en Typs. Umso mehr freut es mich, dass eini­ge mei­ner Tex­te auch bei Car­ta erschie­nen sind. Und ich lese Car­ta eben­falls sehr gerne.

Heu­te aller­dings wun­der­te ich mich – nicht zum ers­ten Mal – über das Gefühl, in einem rei­nen Män­ner­me­di­um zu lesen. Jeder Arti­kel ist mit einem klei­nen, schwarz-wei­ßen Autoren­bild ver­se­hen, und es sind eben ganz über­wie­gend Män­ner, die einen da anbli­cken. So jeden­falls mein Gefühl. Und weil so ein Gefühl trü­gen kann, habe ich halb­wegs empi­risch ein­fach mal die letz­ten 100 Bei­trä­ge genom­men – ein Zeit­raum, der von Mit­te Febru­ar bis heu­te reicht – und durch­ge­zählt. Mei­nem sub­jek­ti­ven Emp­fin­den nach ist das kein Zeit­raum, der durch beson­de­re Män­ner­the­men gekenn­zeich­net gewe­sen wäre, Fuß­ball oder so; ich ken­ne mich da aller­dings zuge­ge­be­ner­ma­ßen nicht so beson­ders aus, was Män­ner­the­men wären. 


AutorIn­nen der zwi­schen Mit­te Febru­ar und heu­te erschie­ne­nen 100 Arti­kel in Car­ta, geord­net nach Anzahl der Arti­kel pro Autor/pro Autorin. Lese­bei­spiel: Der Autor mit den meis­ten Arti­keln hat im Unter­su­chungs­zeit­raum elf Arti­kel ver­öf­fent­licht, die Autorin mit den meis­ten Arti­keln zwei. Klei­nes Bild: Geschlech­ter­ver­tei­lung der AutorIn­nen bezo­gen auf die 100 zuletzt erschie­nen Artikel.

Jeden­falls bestä­ti­gen die Daten mein Gefühl doch recht deut­lich. 89 Pro­zent der Bei­trä­ge stamm­ten von Män­nern. Von den 53 Per­so­nen, die in die­sem Zeit­raum auf Car­ta ver­öf­fent­lich haben oder ver­öf­fent­licht wur­den, waren gera­de ein­mal sie­ben Frau­en (13% der Per­so­nen, 8/100 Bei­trä­gen). Fast alle davon sind nur mit einem ein­zi­gen Bei­trag in die­sem Zeit­raum ver­tre­ten, eine ein­zi­ge Frau mit zwei Bei­trä­gen. Das wun­dert mich dann doch, weil es natür­lich sehr viel mehr Frau­en gibt, die zu „digitale[r] Öffent­lich­keit, Poli­tik und Öko­no­mie“ lesens­wer­te Din­ge im Netz schrei­ben. War­um tau­chen die auf Car­ta kaum auf? Ich las­se das jetzt ein­fach mal so ste­hen. Viel­leicht löst es ja eine Debat­te aus.

* * *

P.S.: Vera Bun­se von Car­ta mach­te mich dar­auf auf­merk­sam, dass die­se Debat­te nicht ganz neu ist (und sie kei­ne Lust dar­auf hat, sich aktu­ell dar­an zu betei­li­gen). Was ich ein Stück weit nach­voll­zieh­bar finde.

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Netzpolitik war nie ein Three-Letter-Acronym

Little boat

Die Nach­hut­ge­fech­te im netz­po­li­ti­schen Sand­kas­ten, in denen es dar­um geht, ulti­ma­tiv zu klä­ren, wer schuld dar­an ist, dass das Leis­tungs­schutz­recht (LSR) am ver­gan­ge­nen Frei­tag im Bun­des­rat nicht gestoppt wur­de, haben auch ihr Gutes. 

Um die Span­nung hoch­zu­hal­ten, möch­te ich vor­her aller­dings erst noch­mal eini­ge Fak­ten dazu ein­schie­ben, wie das LSR ver­ab­schie­det wurde.
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