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Kurz: Der lange Arm der Monarchie

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Die Queen besucht Deutschland leibhaftig, und allüberall (bis hin zu Renate-Künast-Gastbeiträgen) verbreitet sich ein eigentümliches Gefühl. Es ist, ja was – eine Mischung aus Bewunderung und Ehrfurcht, und zwischen den Zeilen und Sendeminuten schwingt bei manchen doch fast so etwas wie Sehnsucht nach der Erbmonarchie mit. Da ist jedenfalls mehr als nur Celebrity-Rummel. Und als demokratisch gewähltem Ersatzkönig fehlt Bundespräsident Gauck das gewisse Etwas.

Der lange Arm der Monarchie ist leicht zu erklären: Bevor noch irgendein Kind etwas über Parlamente erfährt, lernt es alles über weise Könige, edle Prinzessinnen, wird vielleicht sogar selbst so genannt, tapfere Ritter-Prinzen und starke Königinnen. Bis zum Alter von fünf Jahren bleibt die Feudalzeit das märchenhafte Leitmotiv der Kindheit, wird Familie und Königsfamilie in eins gesetzt. Die finsteren und blutigen Seiten werden im Märchen wie im Kinderkanal ausgeblendet*, vielmehr sind kleine Könige niedlich. Niemand imaginiert sich als Leibeigener oder als Kammermädchen.

Kein Wunder, dass das ein Schaudern durch das Land läuft, wenn eine solche Märchenfigur sich »in echt« die – respektvoll distanzierte – Ehre gibt. Archetypen werden gemacht – und das gilt auch für Könige und Königinnen.

* Ritter Trenk wäre da eine Ausnahmen

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Lesezeichen: »Among Others« und anderes

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Titel Among OthersIn den letzten Wochen habe ich ziemlich viel gelesen; auch die Weihnachtszeit etc. haben das ihre dazu beigetragen, dass ich Zeit dazu gefunden habe. Dazu gehörten unter anderem William Gibsons neuer Roman The Peripheral (teilweise recht spannend, aber irgendwie nicht ganz so großartig, wie ich das erwartet hätte), Ken MacLeods Descent (Ufos ins Schottland, oder vielleicht auch nicht), Ben Aaronvitchs Foxglove Summer (mit englischen Elfen und Einhörnern) und Ursula K. Le Guins über ihr ganzes Werk zurückschauende Kurzgeschichtensammlung The Unreal & The Real (die mir noch einmal sehr deutlich gemacht hat, warum ich LeGuin für eine herausragende Schriftstellerin halte, und ihren Stil sehr mag). Außerdem kamen mehrere tausend Seiten Peter F. Hamilton dazu, den ich bisher verpasst hatte. Andy Weirs The Martian – klassische harte Science Fiction mit einem Schuss MacGyver – musste ich an einem Stück lesen.

Der eigentliche Anlass für diesen Blogeintrag ist aber Jo Waltons Among Others, das Ende der 1970er Jahre in Wales und Südengland spielende geheime Tagebuch eines Teenagers, das bereits Anfang 2011 erschienen ist.

Morween, nach einem Unfall verkrüppelt, wird auf ein Internat geschickt. Sie ist klug und beobachtet sich selbst und ihre Umwelt ziemlich genau. Die klassische Außenseitergeschichte. Walton verwebt geschickt zwei Erzählstränge ineinander. Die Coming-of-Age-Geschichte eines Mädchens aus unübersichtlichen Familienverhältnissen, die vor ihrer Mutter weggelaufen ist, und Halt und Freundschaft findet im Science-Fiction- und Fantasy-Kanon der 1970er Jahre, und eine Geschichte über Magie, Feen und die Mutter als böse gewordende Hexe.

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Die Reproduktion der Geschlechterdifferenz im Lego-Club

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Meine Tochter ist derzeit sehr an Lego interessiert. Deswegen ärgert es mich ziemlich, dass Lego seit einiger Zeit angefangen hat, »Mädchenreihen« aufzulegen. Das Problem sind nicht die Schlösser, Schönheitssalons oder rosafarbene Legosteine, sondern die Tatsache, dass ein weitgehend geschlechtsneutrales Spielzeug jetzt entlang des Rosa-Olivgrün-Grabens vermarketet wird (und nach und nach immer stärker entsprechend ausgeformt wird).

Z. baut aus Lego-Steinen Häuser, Raumschiffe, Aliens, Schiffe und Fahrzeuge. Vor einigen Tagen haben wir ihren 7,5ten Geburtstag gefeiert (7,5, weil der eigentliche Geburtstag zwischen Weihnachten und Neujahr liegt, und es sich da so schlecht feiern lässt). Auf Z.s Wunschzettel stand auch Lego. Das habe ich diversen Eltern gesagt, ich habe auch gesagt, dass Z. an Piraten und Raumschiffen interessiert sei.

Bekommen hat sie eine Kutsche und ein rosafarbenes Cabrio aus der Mädchenserie (und ein kleines Raumschiff von den Großeltern). Mit allen drei Geschenken war sie durchaus zufrieden. Kutsche und Cabrio wurden bereitwillig mit den vorhandenen Bausteinen (unter anderem ursprünglich mal mir gehört habenden Raumschiffteilen) kombiniert, die Sammlung der Legofiguren um Königin (aus der Kutsche) und Cabriofahrerin ergänzt. Lässt sich ja zum Glück weiter alles zusammenstecken.

Von einem anderen Hortkind hat Z. davon gehört, dass es einen »Lego-Club« gibt. Weil Lego für sie gerade wichtig ist, will Z. da unbedingt dabei sein. Letztlich ist das ein Kundenbindungsschema der Firma Lego – Kinder erhalten mehrmals im Jahr kostenlos eine Zeitschrift, in der für neue Lego-Modelle geworden wird und eigene Bauten von Kindern präsentiert werden.

Heute haben wir – oben abgebildet – eine Anmeldekarte dafür gefunden. Die mich ein bisschen ratlos macht, denn das Heft dieses »Lego-Clubs« erscheint in drei Fassung. »Junior« für Kinder bis sechs (vermutlich geschlechtsneutral gedacht), »Maxi« für Kinder ab 7 Jahren – und »Mädchen«. Auf der Anmeldekarte lässt sich nicht ankreuzen, welches Heft zugeschickt werden soll, dafür gibt es aber das Feld »Junge« / »Mädchen« und das Geburtsdatum. Ich vermute, dass ab einem Alter von sieben Jahren dann von Lego fein säuberlich differenziert wird – Jungs kriegen das nicht als geschlechtsspezifisch ausgewiesene »Lego-Club Maxi-Heft« (Männer haben ja bekanntlich kein Geschlecht), Mädchen selbstverständlich das »Mädchen«-Heft.

Z. würde, nachdem wir uns beim Abendessen darüber unterhalten haben, letztlich gerne beide Hefte haben. Mal schauen, vielleicht müssen wir ein bisschen tricksen – mit zwei Wohnadressen und etwas Flexibilität beim Vornamen lässt sich das möglicherweise arrangieren. Toll finde ich die Notwendigkeit, eine männliche Identität vorzutäuschen, um den Normalkatalog zu bekommen, jedoch definitiv nicht.

Warum blogge ich das? Weil mich ärgert, wie aus Plastikbausteinen und Figuren heute schnell ein Antrieb für die Aufrechterhaltung und Stärkung von Geschlechterdifferenz wird. »Sie erhalten automatisch die passende Ausgabe.« Nein, danke!

P.S.: Stephan Clemens hat mich noch auf dieses Video hingewiesen, in dem die Geschlechtssegregation in der Lego-Welt in den letzten Jahrzehnten sehr schön auseinandergenommen wird (englisch, dt. Untertitel einschaltbar).

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Kinderarbeit wegen Schulferien

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Paper clip portrait

Zu den Dingen, die Eltern, deren Kinder erst in die Schule gekommenen sind, lernen müssen, gehört das Ferienproblem: Herbstferien, Weihnachtsferien, Faschingsferien, Osterferien, Pfingstferien, Sommerferien, da capo. Das kannte ich aus der Kindergartenzeit nicht. Und aus meinem gelebten Terminkalender ebenfalls nicht so ganz. Selbst rein rechnerisch und bei tatsächlicher Urlaubsnutzung dürfte es schwierig sein, all diese Wochen Schulferien mit Elternurlaub zu kombinieren. Dass es deswegen gilt, sich frühzeitig darum zu kümmern, was das Schulkind dann so tun könnte, habe ich noch nicht verinnerlicht. Ich lerne das mit dem Elternsein bei einem Schulkind ja erst noch.

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Kurz: Propaganda

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Irgendwie sind hier grade Atheismuswochen. R. hat gestern in der städtischen Kindertagesstätte eine »Lesetasche« fürs Wochenende mitgekriegt. Eigentlich eine tolle Sache: ein Stoffbeutel mit vier Büchern – alle paar Wochen hängt ein solcher Beutel für ihn an der Garderobe. R. findet das prima und freut sich schon, wenn er dran ist.

Mich hat dagegen der Inhalt ziemlich geärgert bzw. auch ein bisschen ratlos gemacht. Neben drei netten Kinderbüchern war diesmal Butterworth/Inkpen: Wunderbare Welt! in der Tasche. Ein Sachbuch mit Aufklapptafeln und Ausklapptieren, sehr schön gemacht. Nur leider ein Sachbuch, das die Welt mit »Am Anfang trennte Gott Licht und Dunkelheit« beginnen lässt und mit einem Spiegel – Gottes Ebenbild – endet. Kreationismus für Kinder, oder so.

Die Lesetaschenbücher sind wohl Spenden aus verschiedenen Leseaktionstagen, von Eltern etc. Insofern kann ich mir erklären, wie das Buch da rein geraten ist. Ratlos bin ich, weil R. ein Buch mit Ausklapptieren toll findet und vorgelesen haben möchte – und weil ich nicht so genau weiß, wie ich der Kita freundlich nahe bringe, dass ich das inakzeptabel finde. Was meint ihr?

P.S.: Kennt jemand ein gutes Buch, das Kindergartenkindern die Entstehung der Welt (Urknall bis heute) vermittelt?

P.P.S.: Klappentext des Buches

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Wenn in dem ganzen Buch »Gott hat xy gemacht« durch »xy ist entstanden« ersetzt wird, ist es gar nicht so schlecht – umso mehr ärgert es mich, dass ersteres das Buch definiert.

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