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Kurz: Freiheitsbegriffe

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Der grüne Bundestagsabgeordnete Hermann Ott hat nach der Wahl von Joachim Gauck zum Bundespräsidenten eine wichtige Bemerkung getwittert:

Freue mich und hoffe dass Herr #Gauck unter "Freiheit" auch die soz. und ökol. Bedingungen der Möglichkeit von Freiheit versteht #bv12 #bv15

Ich bin da sehr viel skeptischer als Hermann, dass Gauck hier lernbereit ist. Aber die Bemerkung, dass zur Vorbedingung von Freiheit auch die sozialen und die ökologischen Möglichkeiten für Freiheit gehören, ist eine extrem wichtige. Und eine, von der ich fest überzeugt bin, dass sie so etwas wie den Kern eines originär grünen Freiheitsverständnisses ausmacht. Aus dem heraus dann Debatten über so etwas wie ein Grundeinkommen, über die Gerechtigkeit zwischen Nord und Süd oder über die intergenerationale Gerechtigkeit, die Nachhaltigkeit ausmacht, entwachsen. Wer es sich nicht leisten kann, sich zu entscheiden, ist nicht frei. Und wer – das ist der ökologische Aspekt – in Zukunft keine Spielräume mehr hat, weil wir heute alle Spielräume aufgefressen haben, ist ebenfalls nicht frei. Kurz: Wer glaubt, dass es in einer ungerechten Welt echte Freiheit geben könnte, trägt dazu bei, eine Illusion aufrecht zu erhalten, nichts anderes.

Ich würde mich freuen, wenn Hermann recht behält, und wenn Gauck sich hier als lernfähig erweist. Die Skepsis bleibt.

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120 »Proteststimmen« aus den Gauck tragenden Fraktionen

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Die vermutlich langweiligste Bundesversammlung ever ist nun vorbei. Ich konnt’s natürlich nicht lassen, neben dem Ausfüllen meiner Steuererklärung doch ab und zu auf den Twitter-Stream zu schauen, und weiß deswegen jetzt, dass Joachim Gauck – großes Erstaunen! – gewählt wurde und in seiner Rede diesen Sonntag lobte. Getickert wurden auch die Zahlen:

Joachim Gauck 991 80,7%
Beate Klarsfeld 126 10,3%
Olaf Rose (NPD) 3 0,2%
Enthaltungen 108 8,8%
Gültige Stimmen 1228 100%
fehlende Delegierte bzw. ungültig 7 (laut tagesschau) 8
d.h. 5 Stimmen, die entweder ungültig waren oder auch fehlten 4*
Wahlleute 1240 (laut wahlrecht.de)

Spannend ist natürlich, wer hinter den 108 Enthaltungen (und den 2 Stimmen, die Beate Klarsfeld über die Linksfraktion hinaus bekommen hat) steckt. 2 davon sind bekannt: die Piraten haben angekündigt, sich zu enthalten. Bleiben 106+2=108. Dann können wir noch die 12 Wahlleute dazurechnen, die nicht da waren oder ungültig gewählt haben, gibt 120 Proteststimmen.**

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Gauck auf der Goldwaage

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Ich weiß, es nervt. Aber je länger die Debatte um Joachim Gauck anhält, desto weniger sehe ich, dass er auch nur gut darin wäre, gesellschaftlichen Debatten anzustoßen. Einer, an dem man sich reiben kann, sagen die, die ihn jetzt aus grüner Sicht verteidigen. Aber wer eine große Reibungsfläche bietet, wird leicht zum geistigen Brandstifter.

Konkret wird das an einem langen Zitat aus einem NZZ-Interview, das die publikative als Transkript veröffentlicht hat. Ein langer, langer Satz – eher ein Gedankenstrom – aus diesem Zitat lohnt der näheren Betrachtung, dazu als Kontext die beiden Sätze zuvor.

Das ganze eher als akademische Übung – mir ist bewusst, dass ich hier haarspalterisch (und doch methodisch eher freihändig) Gaucks Worte auf die Goldwaage lege. Ich finde es dennoch hilfreich, sich einmal ganz genau anzuschauen, was Gauck sagt, und zu überlegen, was er damit meinen könnte – auch, um sowas wie latente Deutungsmuster freizulegen. Mir ist klar, dass meine Deutungen hier nicht frei von Voreingenommenheit sind – ich bitte gegebenenfalls um begründeten Widerspruch.

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Kurz: Reden wir noch, oder schreiben Sie schon?

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Auch Lobo wirft sich jetzt auf die »Stille Post im Netz«. Hauptthese: Korrekt zitieren, ordentlich journalistisch arbeiten – das gehört zur Medienkompetenz einer guten deutschen Social-Media-NutzerIn dazu. (Nebenbei: Dass der Vorwurf der Verkürzung diejenigen, die eine kritische Meinung zu Joachim Gauck geäußert haben, nur so halb trifft, zeigt Anatol Stefanowitsch im Sprachlog). Ordentlich journalistisch arbeiten, im Netz, sonst wird das nichts mit der politischen Kommunikation dort.

Ich weiß jetzt, warum mich diese Aussage irritiert: Weil Sascha Lobo Twitter auf das Zitieren und Retweeten verkürzt, das soziale Netz als Netzwerk aus Zitaten darstellt. Ja. Das ist es auch. Aber gerade Twitter ist eben auch Konversation. Eine Form einer textuellen Kultur der Mündlichkeit. Mehr Gerede als Geschriebenes.

Natürlich: Die digitale Differenz der Speicherbarkeit, Durchsuchbarkeit und identischen Kopierbarkeit unterscheidet Twitter vom lebhaften Gespräch in der Kneipe. Eine Kommunikations- und Konversationsform sui generis, vielleicht. Eine, bei der noch immer nicht so ganz klar ist, was eigentlich die sozialen Nutzungsregeln sind (damit meine ich nicht die formalen, aufschreibbaren, sondern die Erwartungen an die damit verbundenen Praktiken).

Wenn ein Politiker eine andere Politikerin auf Twitter neckt, ist dass dann zitierbar? Journalistisch verwertbar? Oder hat’s eher den Status des zufällig in der Bundestagskantine belauschten Austauschs in der Essensschlange? Und wenn da einer sagt: »Gauck sei doch für Sarrazin« – ist das dann a. verwerfliche, uninformierte, dumme Kampagne, eine b. verkürzte mündliche Meinungsäußerung oder c. das notwendige Grundrauschen der Meinungsbildung des politischen Twitters, die eben nicht in Form geschliffener Essays stattfindet?

P.S.: Kultursendungen im Radio sind sozusagen das Gegenteil davon: verskriptete Mündlichkeit.

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Der Kandidat der nationalen Einheit

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1950s watering can

Freitag: Rücktritt von Christian Wulff, Sonntag abend: gemeinsame Nominierung von Joachim Gauck durch FDP, CDU, CSU, SPD und uns Grüne. Definitiv nicht das Ergebnis, das ich mir erhofft hätte.

Zwischen Freitag und Sonntag lag ein trotz Fasching politisch aufgeladenes Wochenende. Ich finde es sinnvoll, noch einmal auf das Verfahren und auf das Ergebnis einzugehen.

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