Schlagwort-Archive: 1980er

Dauerschleifen

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Merry lettuce snails I

Patricia Cammarata hat was über die Gesellschaft der Liveticker aufgeschrieben, und ja, da ist einiges dran. Ich, ebenfalls Jahrgang 1975, zwar immer schon politisch interessiert, aber ebenfalls lange ohne Fernseher, kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als Ereignisse am nächsten Tag in den Zeitungen standen. Oder vielleicht eine halbe Minute in den Radionachrichten eingenommen haben. Journalistisch gefiltert, zwar sicherlich auch mit Meinung, aber nicht in einem Sumpf von Spekulation in Dauerschleife ausgebreitet.

Es gibt eine Sehnsucht nach einfacheren Zeiten. In der nostalgischen Verklärung der Vergangenheit, mit dem Blick auf den eigenen Erfahrungshorizont, erscheint 2016 als das Jahr, in dem die Welt ins Chaos stürzt. Emotional geht mir das auch so.

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Die neuen Eurobasisdemokraten, oder: Zurück in die 1980er?

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Moss macro

Eigentlich gibt es zur Zeit wichtigeres als das Innenleben der grünen Partei. Trotzdem könnte die 39. Ordentliche Bundesdelegiertenkonferenz, die Ende November in Halle stattfindet, interessant werden, liegen doch inzwischen einige Anträge Unzufriedener vor. Ich denke dabei insbesondere an den Antrag »Die Partei strategisch neu aufstellen, Fenster und Türen öffnen!« von Robert Zion und an den Antrag »Für eine umfassende Rückkehr zu basisdemokratischen Strukturen« von Frank Brozowski und anderen. Insgesamt stehen inzwischen 146 Personen unter den Anträgen. Worum geht es?

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Kulturkampf um das imaginäre Land

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Adopt a pop culture I

Um die Zukunft und die Vergangenheit – so weit sie als Science Fiction bzw. als Fantasy imaginiert werden – findet derzeit, von der größeren Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, ein Kulturkampf statt. Unbemerkt, aber nicht unwichtig, denn wo anders als in diesem Genre entsteht das kollektive Imaginäre? Ein heiß diskutiertes Symptom für diesen Kulturkampf sind die vor wenigen Tagen bekanntgegebenen Hugo-Nominierungen. Um das zu verstehen, ist allerdings etwas Hintergrund notwendig.

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Tonlagen

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Brussel Art Project VII

Über Geschmack lässt sich bekanntlich trefflich streiten. Und weil hier gerade Judith Holofernes »Ein leichtes Schwert« eingetrudelt ist, und weil mir neulich mal die Frage gestellt wurde, welche Musik ich denn eigentlich höre, muss ich meinen doch etwas ekletizistischen Geschmack in dieser Hinsicht beichten. Vielleicht will ja jemand was dazu sagen ;-) ?

Vielleicht fängt das Problem damit an, dass ich lange Zeit halt einfach Radio gehört hab. SWF3, meistens. Und später dann SWR3, inzwischen auch gerne mal SWR1 (die Musik ist die gleiche geblieben, der Sender hat gewechselt). Das ist so die allgemeine Sozialisation. Über Musik definiert, wie das ja für viele Jugendkulturen typisch ist, habe ich mich, so jedenfalls meine Erinnerung, nie.

Entsprechend habe ich auch erst ziemlich spät angefangen, mir selbst CDs zu kaufen (die vielen, vielen Privatkopien auf den u-asta-Rechnern bei nächtlichen Layoutsessions haben da das ihre dazu beigetragen). Wenn ich mir anschaue, was für CDs ich besitze, dann hat mein Musikgeschmack drei Schwerpunkte, die ich jetzt ohne Rücksicht auf Genregrenzen zusammenwerfe.

Der erste Schwerpunkte ist mehr oder weniger kritische Musik mit deutschsprachigen Texten – das Spektrum reicht da von Tocotronic und den Sternen über Dota Kehr, Tele und die Helden bis hin zu 2Raumwohnung. Diskurspop trifft es nicht unbedingt, aber ein guter Begriff fällt mir auch nicht wirklich ein. Und wahrscheinlich wird jeder wahre Kenner mir jetzt erzählen, dass das x verschiedene Stilrichtungen und Schulen sind, die bitte, bitte ganz genau getrennt gehören.

Die müssen jetzt mal die Ohren zuhalten, weil es noch schlimmer wird – der zweite Haufen liegt irgendwo zwischen Drum’n’Bass, Dubstep und dergleichen auf der einen Seite, und faux celtique – Enya, Clannad, … – auf der anderen Seite. Und dazwischen ein bisschen Goa und Bhangra. Bei soma FM entspricht der Kanal »Groove Salad« am besten dem, was für mich die Gestalt dieses Haufens ist. Musik, die eher bewegter Klang als Gesang ist.

Und drittens liegen dann da die leckeren Peinlichkeiten – mit Jahrgang 1975 bin ich ein Kind der 1980er Jahre, und ja, eine der ersten CDs, die ich mir gekauft habe, war eine 1980er-CD-Sammlung. Synthipop und ähnliches also. Visage, Erasure und so weiter. Mit Ausläufern bis hin zu Kraftwerk, The Clash und Anne Clark. (soma FM sagt dazu underground 80s).

Geschmacklos? Oder hoher Wiedererkennungswert? Was meint ihr?

Warum blogge ich das? Weil ich Leute kenne, denen Musik sehr wichtig ist – für mich ist das so ein bisschen, als ob ich farbenblind wäre, und dann über Kunst sprechen sollte. Und jetzt höre ich mir an, was ›Ein leichtes Schwert‹ mir sagen will.

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Das allmähliche Ende der alten Bundesrepublik: kein Nachruf

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1970s blanket

Heute erreichte uns die Nachricht, dass der Kabarettist Dieter Hildebrandt gestorben ist. Ich will mich an dieser Stelle nicht an einem Nachruf versuchen, denn das können andere weitaus besser, sondern dieses traurige Ereignis zum Anlass nehmen, ein paar Gedanken zum allmählichen Verbleichen der (links-alternativen) Selbstverständlichkeiten der alten Bundesrepublik – also der BRD, West Germany – niederzuschreiben. Als Kind der 1970er Jahre gehöre ich zu der Generation, für die politisches Kabarett synonym mit der Münchener Lach- und Schießgesellschaft, mit Hildebrandt und mit dem Scheibenwischer ist. Hildebrandts Tod ist das Verschwinden einer weiteren Institution der Bonner Republik.

Vielleicht ist es die nostalgische Verklärung, aber nicht nur das Kinderprogramm (ich sag nur Rappelkiste) und die Wissenschaftssendungen (egal, ob Hobbythek oder Knoff-hoff-Show) waren selbstverständlich unglaublich viel besser als alles, was heute so läuft, sondern selbstverständlich auch das Fernsehkabarett. Es war bei klaren Frontlinien bissig, hatte immer recht, traf den Punkt und schreckte vor billigem Klamauk zurück. Statt dessen gab’s auch mal fein ziselierte, nachdenklichere Töne. Die Primärsozialisation zahlt sich aus: So, und nicht anders, muss politisches Kabarett sein.

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