Archiv der Kategorie: Wissenschaft

Blended Participation: Grüner Mitgliederentscheid gestartet

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Während es bei der SPD »Das Wir entscheidet« heißt, lautet das Leitmotiv des am 2. Mai 2013 gestarteten Mitgliederentscheids von Bündnis 90/Die Grünen »Hier bist Du entscheidend!«. Nach der Urwahl ihrer SpitzenkandidatInnen setzen die Grünen damit zum zweiten Mal einen Beteiligungsakzent im Vorfeld der Bundestagswahl 2013.

In Anlehnung an »blended learning«, also die Mischung von Online- und Offline-Anteilen in Kursen und Seminaren, kann dabei von »blended participation« gesprochen werden. Statt wie beim »Virtuellen Parteitag« alleine auf »online« zu setzen, integriert der Mitgliederentscheid »klassische« Formen der parteiinternen Meinungsbildung mit Online-Aspekten. In den einzelnen Phasen gibt es dabei unterschiedliche Akzentuierungen.

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Zum Abend des Tags der Arbeit

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Desktop work break

Jutta Allmendinger, Wissenschaftszentrum Berlin, spricht sich u.a. in der Brigitte dafür aus, die reguläre Vollzeitarbeitszeit auf 32 Stunden zu verkürzen. Ähnlich ein Aufruf diverser Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus dem Februar 2013 für die 30-Stunden-Woche.

Finde ich gut. Auch wenn eine Verkürzung auf 32 oder 30 Stunden gar keine ganz so revolutionäre Maßnahme ist – dem einen oder der anderen wird noch die Parole »35-Stunden-Woche« der IG Metall aus den 1980er Jahren in Erinnerung sein, die dann in dieser Branche auch umgesetzt wurde. So groß sind die Differenzen nicht, auch wenn die reale Entwicklung in den letzten Jahren in eine andere Richtung gegangen ist.

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Kurz: Carta, mal durchgezählt (mit langen Updates)

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Ich schätze Carta sehr. Laut Selbstbeschreibung ist Carta ein »Autorenblog für digitale Öffentlichkeit, Politik und Ökonomie«. Ich nehme es eher als kuratierte, neue Form digitaler Öffentlichkeit wahr denn als Blog, fast schon mehr ein Magazin neuen Typs. Umso mehr freut es mich, dass einige meiner Texte auch bei Carta erschienen sind. Und ich lese Carta ebenfalls sehr gerne.

Heute allerdings wunderte ich mich – nicht zum ersten Mal – über das Gefühl, in einem reinen Männermedium zu lesen. Jeder Artikel ist mit einem kleinen, schwarz-weißen Autorenbild versehen, und es sind eben ganz überwiegend Männer, die einen da anblicken. So jedenfalls mein Gefühl. Und weil so ein Gefühl trügen kann, habe ich halbwegs empirisch einfach mal die letzten 100 Beiträge genommen – ein Zeitraum, der von Mitte Februar bis heute reicht – und durchgezählt. Meinem subjektiven Empfinden nach ist das kein Zeitraum, der durch besondere Männerthemen gekennzeichnet gewesen wäre, Fußball oder so; ich kenne mich da allerdings zugegebenermaßen nicht so besonders aus, was Männerthemen wären.


AutorInnen der zwischen Mitte Februar und heute erschienenen 100 Artikel in Carta, geordnet nach Anzahl der Artikel pro Autor/pro Autorin. Lesebeispiel: Der Autor mit den meisten Artikeln hat im Untersuchungszeitraum elf Artikel veröffentlicht, die Autorin mit den meisten Artikeln zwei. Kleines Bild: Geschlechterverteilung der AutorInnen bezogen auf die 100 zuletzt erschienen Artikel.

Jedenfalls bestätigen die Daten mein Gefühl doch recht deutlich. 89 Prozent der Beiträge stammten von Männern. Von den 53 Personen, die in diesem Zeitraum auf Carta veröffentlich haben oder veröffentlicht wurden, waren gerade einmal sieben Frauen (13% der Personen, 8/100 Beiträgen). Fast alle davon sind nur mit einem einzigen Beitrag in diesem Zeitraum vertreten, eine einzige Frau mit zwei Beiträgen. Das wundert mich dann doch, weil es natürlich sehr viel mehr Frauen gibt, die zu »digitale[r] Öffentlichkeit, Politik und Ökonomie« lesenswerte Dinge im Netz schreiben. Warum tauchen die auf Carta kaum auf? Ich lasse das jetzt einfach mal so stehen. Vielleicht löst es ja eine Debatte aus.

* * *

P.S.: Vera Bunse von Carta machte mich darauf aufmerksam, dass diese Debatte nicht ganz neu ist (und sie keine Lust darauf hat, sich aktuell daran zu beteiligen). Was ich ein Stück weit nachvollziehbar finde.

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Kurz: Der neue Herd

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Meine Eltern haben mir zum Geburtstag einen neuen Herd geschenkt. Der ist jetzt da, und glänzt, und dass er da ist, ist auch deswegen eine tolle Sache, weil beim alten nur noch zwei Platten richtig benutzbar waren.

Aber: Ich fremdle noch ein bisschen mit dem neuen Herd. Obwohl der neue wie der alte mit Glaskeramik arbeitet. Technologisch also nichts neues. Dennoch: ich fremdle. Und das hat – neben der Angst, die neue Makellosigkeit zu beeinträchtigen – viel mit Praxistheorie zu tun. Und mit dem, was je nach Theorierichtung als tacit knowledge, als implicit knowledge oder als embodied knowledge bezeichnet wird. Also »körperliches« Wissen über Handlungsvollzüge, das unterhalb aussprechbarer, expliziter Wissensbestände angesiedelt ist.

Klar: Es gibt eine Anleitung, in der steht, welche Einstellungen für Spiegelei und welche für das Kochen von Wasser richtig sind. Aber das ist es nicht. Beim alten Herd wusste ich – so ein Dreh mit dem Handgelenk, und nach einer gewissen Zeitspanne dann diese und jene Geräusche. Oder besser gesagt: Ich wusste das nicht. Es war einfach so. Jetzt ist es anders. Und das Scheitern dieser Erwartungen zeigt, wie eng gerade die technischen Artefakte in ihren Details mit den halbbewussten, halbautomatischen Handlungsvollzügen sozialer Praktiken verbunden sind.

Bald wird der neue Herd nicht mehr neu, sondern vertraut sein. Aber bis dahin zwingt er mich dazu, Handgriffe explizit zu tun, und immer wieder zu schauen, ob alles stimmt. Noch fremdle ich.

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Tsunami quergelesen

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Internet-Tsunami-Spirale nach Lachenmayer et al. 2013, S. 262, Lizenz: CC-BY-NC-SA

Vor wenigen Tagen ist eine Studie zur politischen Öffentlichkeit und Meinungsbildung im Netz erschienen (Lachenmayer et al. 2013). Neu an dieser Studie ist der Fokus darauf, wie »Internet-Tsunamis« entstehen. Damit meinen die AutorInnen Resonanz-Phänomene zwischen Netzmedien, Massenmedien und letztlich der Politik. Mit Hilfe explorativer Interviews und anhand der vier Fallbeispiele der Plagiatsaffäre um Guttenberg, der Occupy-Wallstreet-Bewegung, dem Arabischen Frühling und der Anti-ACTA-Bewegung nähern die AutorInnen sich einer sozialwissenschaftlichen Beschreibung und Analyse dieses Phänomens.

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