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Das Blog von Till Westermayer – seit 2002

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Archiv: März 2008

"Platz der Universität"Die Dekade Jäger an der Uni Freiburg neigt sich mit dem auslaufenden Monat dem Ende zu. Kurz vor dem 1. April scheint nun der RCDS Freiburg einen Wolfgang-Jäger-Platz einzufordern, wie GrünesFreiburg berichtet. Was natürlich, wenn es denn stimmen sollte, in mehrfacher Hinsicht Unsinn ist: erstens hieße das, dass der RCDS dem baldigen Altrektor ein baldiges Ableben wünscht – nicht sehr nett! –, zweitens gibt es in Freiburg derzeit kaum unbenannte Plätze, und drittens wäre wenn dann ja wohl eher ein prunkvolles Ölgemälde im Rektorat stimmig.

Update: Der RCDS meint es ernst, was einen ein klein wenig an der Ernsthaftigkeit der CDU-Studi-Organisation insgesamt zweifeln lässt.

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Antique Software in Action

Wie wahrscheinlich einige wissen, ist es so, dass ich, wenn ich mich nicht gerade um meine Diss., um mein Kind, um meine Partei oder um meinen Job kümmere, mich ab und zu auch gerne an Kurzgeschichten und anderen literarischen Texten versuche, Science Fiction und so. In der letzten Zeit ist das etwas kurz gekommen. Beim Aufräumen ist mir jetzt aber ein Text aus dem Jahr 2006 wieder in die Hände gefallen, den ich damals geschrieben hatte, um ihn beim Wettbewerb »what if« der Telepolis einzureichen (»what if – visionen der informationsgesellschaft«).

Da war der Text nicht sonderlich erfolgreich, was auch damit zu tun haben mag, dass er weniger eine Geschichte als vielmehr einen (mehr oder weniger plausiblen) alternativen Geschichtsstrang präsentiert. Auch wenn’s am Plot mangelt, mag’s für die eine oder den anderen trotzdem amüsant zu lesen sein, deswegen habe ich den Text »Eine kurze und frei erfundende Geschichte des InterNet« inzwischen auf meine Website gestellt. Worum geht es? Kurz gesagt um eine Historie, in der folgendes plausibel ist:

1997: Die ersten echten Mobiltelefone erscheinen im Frühjahr auf dem Markt, ein europäisches Kooperationsprojekt, an dem unter anderem Telefunken-Siemens, die Bundespost i.A. und die British Telecom beteiligt sind. Die Mobiltelefon-Spitzenmodelle sind sogar in der Lage, dBriefe zu empfangen. Die Gespräche zwischen den Staaten des Warschauer Paktes und der EC/CE machen Fortschritte. Innenminister Otto Schily (SPD) bringt nach einem intensiven Gedankenaustausch mit dem Staatsratsvorsitzenden der DDR, Egon Krenz, eine Vereinigung der beiden deutschen Staaten noch innerhalb des Jahrtausends ins Gespräch. Im Herbst kommt es zu zwei wichtigen technischen Entwicklungen: die erste interkontinentale Versand- und Verrechnungsstelle für dBriefe nimmt ihren Betrieb auf. […]

Wie es dazu kommen konnte und wie es weitergeht, steht hier.

Warum blogge ich das? Noch ist verständlich, was der Text eigentlich aussagen wollte … und weil ich es interessant finde, darüber nachzudenken, wieweit das Internet, so wie wir es kennen, technisch bedingt ist, und wie weit es an sozialen und politischen Zufällen hängt.

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Heute (Samstag, 29.3.2008) findet weltweit die Earth Hour statt. Um 20 Uhr lokaler Zeit soll für eine Stunde das Licht ausgemacht werden: eine Aktion des WWF. Australien hat’s schon mal vorgemacht. Da startete die Idee letztes Jahr auch. Allerdings scheint Europa bei der Aktion weitgehend außen vor zu bleiben, warum auch immer.

> offizielle Seite

Update zu Kurz gefragt: Licht an oder aus?

Update: Den witzigsten Hinweis auf die Aktion habe ich hier gefunden. Da heißt es nämlich:

sudo crontab -e
00 20 29 03 * /sbin/poweroff

Update 2: Ein paar Fotos von der Aktion weltweit sind bei Reuters zu finden; ein Kommentar dazu, warum Deutschland außen vor blieb – samt Rückblick auf die Licht-Aus!-Aktion – gibt es bei Treehugger.

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No Euro Coin

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Seit ein paar Tagen wird darüber diskutiert, dass die Discounter-Kette Lidl Beschäftigte übelst ausspioniert hat – die Debatte schlägt weite Kreise, im bürgerrechtlich-datenschützerischen Umfeld kursiert schon ein Vorschlag für ein neues Firmenlogo. Dass der privatwirtschaftliche Big-Brother-Trieb dem staatlichen in nichts nachsteht, ist so neu nun allerdings auch wieder nicht. Und während die mit Payback-Karte zahlenden KundInnen das zumindest freiwillig tun, geht die intime Überwachung von relativ wehrlosen – Betriebsräte und so‹n Zeug mögen die Discounter, wenn ich das so pauschal sagen darf, ja auch nicht – abhängig Beschäftigten in ihrer Verwerflichkeit noch um einiges über das sonstige Gebaren hinaus. Um es klar zu sagen: die Arbeitsbedingungen bei Discountern sind einer der Gründe, warum ich versuche, zu vermeiden, dort einzukaufen. Und das gilt eben nicht nur für Lidl, sondern für alle, die in diese Preisklasse hinabreichen.

Julia Seeliger weist nun darauf hin, dass unsere Bundestagsabgeordnete – und wirtschaftspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion – Kerstin Andreae einen Vier-Wochen-Boykott von Lidl fordert. Und Julia hat völlig recht damit, dieses zurückzuweisen. Auf den ersten Blick mag der Vorschlag logisch erscheinen: ein Wirtschaftsunternehmen hält sich nicht an den ordnungspolitischen Rahmen, wird a. juristisch belangt und b. symbolisch auch von VerbraucherInnen-Seite mit Missachtung – sprich: Kaufboykott – bestraft. Danach gelobt es Besserung und alles ist wieder grün und sozial in der Marktwirtschaft. Wenn es denn so wäre, und wenn derartiges der einzige Grund für einen Boykott wäre. Nur passieren fast jede Woche bei den großen Billighändlern Dinge, die hart an der Grenze zum Illegalen liegen: das zeigen die gewerkschaftlichen Schwarzbücher ebenso wie die entsprechenden Pressemeldungen. (Mal ganz abgesehen von den Bedingungen bei Zulieferer-Firmen in anderen Ländern oder der ökologischen und gesundheitlichen Qualität von billig hergestellten Produkten).

Und ganz prinzipiell stellt sich die Frage, ob die grenzwertigen Arbeitnehmerinnen-Rechte und das entsprechende Lohnniveau bei derartigen Unternehmungen nicht schon im kalkulatorischen Ansatz vorgesehen sind. Wenn das so ist, dann wäre es besser, wenn Kerstin statt der Boykottforderung, die ja auch so ein bißchen Kapitulation vor dem Kapital enthält, zum Beispiel das Thema Mindestlohn in den Vordergrund rücken würde. Das heißt dann aber auch: mehr Ordnungsrecht. Und auch, wenn ich von Gewerkschaften nicht immer viel halte – in diesem Bereich sind sie weiterhin unbedingt notwendig.

Warum blogge ich das? Weil das kleine Beispiel »Lidl überwacht Angestellte« exemplarisch deutlich macht, dass zur rechtlichen Einhegung von Kapitalismus und Globalisierung auch eine entsprechende Kontrolle und Durchsetzung der Rechtslage gehört – ohne journalistische Recherchen (in diesem Fall des »Stern«) passiert sonst sehr selten etwas.

Update: (10.04.2008) Lidl behauptet, aufgrund der (Berichte über die) Videoüberwachung spürbare Umsatzeinbußen zu erleiden. Interessant, wenn’s denn stimmt.

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