Photo of the week: #NextFrontiers Stuttgart (@ Uni Stuttgart)

#NextFrontiers Stuttgart (@ Uni Stuttgart)

 
Anfang Mai habe ich es end­lich mal geschafft, mir die #Next­Fron­tiers-Kon­fe­renz („Appli­ed Fic­tion Days“) anzu­schau­en. Ich bin in deren News­let­ter, und die­se Stutt­gar­ter Kon­fe­renz gibt es seit 2019, bis­her kam aber immer was dazwi­schen. Die Prä­mis­se fin­de ich hoch­span­nend: Wis­sen­schaft und Sci­ence Fic­tion ein­an­der begeg­nen las­sen, und mal gucken, was herauskommt. 

Der Eröff­nungs­abend in der Stadt­bi­blio­thek Stutt­gart mit der Phi­lo­so­phie­pro­fes­so­rin Amrei Bahr und der Schrift­stel­le­rin Berit Glanz, die sich auf hohem Niveau über Künst­li­che Intel­li­genz unter­hal­ten haben, hat Spaß gemacht, und war mal etwas ande­res als die har­ten „Dafür“/„Dagegen“-Takes aus den sozia­len Medi­en. Nein, man kann auch sehr dif­fe­ren­ziert dar­auf gucken, wie LLMs wir­ken, wo Expe­ri­men­te damit coo­le Expe­ri­men­te sind, und wo es um Kapi­ta­lis­mus und Aus­beu­tung geht. 

Der Tagungs­tag selbst fand dann in der Uni Stutt­gart statt (ein High­light des Pri­mär­far­ben­bru­ta­lis­mus). Das abge­stürz­te UFO im Ein­gangs­be­reich war schon mal viel­ver­spre­chend, abge­se­hen davon fühl­te ich mich aber eher etwas lost – das übli­che Kaffeepausen-wenn-man-niemand-kennt-Problem. 

Die Vor­trä­ge waren v.a. Vor­trä­ge (in einem Hör­saal, der das Pri­mär­far­ben­bru­ta­lis­mus-Sche­ma fort­setz­te), die sich jeweils dar­an anschlie­ßen­den Gesprä­che dann lei­der aus mei­ner Sicht wenig ergie­big. Die Key­note von Maar­ten Hajer und Jero­en Oomen zu „Cap­ti­ve Futures“ und der Rol­le von Zukunfts­er­zäh­lun­gen für poli­ti­sches Enga­ge­ment war auf­schluss­reich, und auch die Vor­trä­ge von Dirk Brock­mann („Den­ken wie ein Pilz“), Adri­an Kel­ler („DNA Data Sto­rage“) und Thar­shan Mas­he­wa­ran („Pla­ne­ta­ry Suns­ha­de“) fand ich inter­es­sant. Mar­cus Ham­mer­schmitt prä­sen­tier­te als SF-Autor „in resi­dence“ drei mehr oder weni­ger pes­si­mis­ti­sche Zukunfts­sze­na­ri­en; ein ech­ter Aus­tausch zwi­schen Brock­mann und ihm kam dann aller­dings nicht zustan­de, weil bei­de, so mein Ein­druck, ein­fach über kom­plett unter­schied­li­che Din­ge rede­ten. Karl­heinz Stein­mül­ler trat als Con­fé­ren­cier zu Kel­ler auf, und mach­te das recht char­mant. The­re­sa Han­nig wie­der­um, die den Suns­ha­de-Vor­schlag als SF-Autorin kom­men­tie­ren soll­te, kon­fron­tier­te eher; das erschien mir an die­ser Stel­le nicht hilf­reich. Die Autorin Emma Bras­lavs­ky schließ­lich ging in ihrer Key­note noch­mals auf KI ein, mit einem recht kom­ple­xen Bogen von Mythen und der Ent­ste­hung des Ich-Bewusst­seins in Ver­bin­dung mit dem Auf­kom­men von Religionen. 

Für sich genom­men wie gesagt alles durch­aus inter­es­sant; ein Gan­zes hat es für mich aber nicht erge­ben. Zudem war an der einen oder ande­ren Stel­le spür­bar, dass es sich hier auch um eine Lehr­ver­an­stal­tung des IZKT han­del­te und das Publi­kum teil­wei­se aus (zwangs­ver­pflich­te­ten?) Stu­die­ren­den bestand, an die sich dann auch der Work­shop-Tag (an dem ich nicht teil­ge­nom­men habe und der viel­leicht eher als der Vor­trags­tag das „sci­ence meets sci­ence fic­tion“ umge­setzt hät­te) pri­mär rich­te­te. Viel­leicht lag es am Hör­saal als Ort, dass das alles recht fron­tal ablief und die Publi­kums­in­ter­ak­ti­on auf Slido da und ein paar weni­ge Fra­gen dort begrenzt war. Gefreut hät­te ich mich im Rah­men­pro­gramm auch über sagen wir einen Stand eines SF-Ver­lags oder ein paar Pos­ter aus dem IZKT. Für „Wir wol­len die Stutt­gar­ter SXSW sein“ war das dann doch ein biss­chen zu sehr Hochschule.

Im März gelesen

Trotz umfang­rei­cher Rei­se­tä­tig­keit bin ich im März gar nicht in dem Aus­maß zum Lesen gekom­men, wie ich das eigent­lich woll­te (was aber auch damit zu tun hat, dass ich an zwei län­ge­ren Büchern gele­sen habe, aber noch nicht fer­tig damit bin, wes­we­gen sie hier nicht auf­tau­chen). Jeden­falls gab es zwei­mal Neil Gai­man, ein­mal V.E. Schwab, und ein­mal Karl­heinz und Ange­la Steinmüller.

Von Gai­man habe ich zum einen den Comic Mar­vel 1602 gele­sen. Super­hel­den­co­mics sind eigent­lich nicht mei­nes, in dem Fall fand ich es aber inter­es­sant, mir anzu­schau­en, wie Gai­man diver­se Super­hel­den in ein alter­na­tiv­welt­li­ches Eng­land des 17. Jahr­hun­derts zurück­ver­setzt, inkl. einer eher im Stil der Zeit gehal­te­nen Gra­fik. Das zwei­te Gai­man-Buch, das ich im März gele­sen habe, ist Der lächen­de Odd und die Rei­se nach Asgard – genau­er gesagt, habe ich das vor­ge­le­sen (R. hat es zum Geburts­tag bekom­men). Ein schma­les Taschen­buch, das das The­ma der Nor­dic Mytho­lo­gy vor­weg­nimmt: hier geht es um den Wikin­ger­jun­gen Odd, der eines Tages weg­läuft und im Wald einem Fuchs, einem Bär und einem ein­äu­gi­gen Raben begeg­net. Schön geschrie­be­ne Nach­er­zäh­lung einer Geschich­te rund um Loki, Thor und Odin.

Karl­heinz und Ange­la Stein­mül­lers Klas­si­ker Pulas­ter (1986) anti­qua­risch zu kau­fen (und zu lesen), war das Ergeb­nis einer Twit­ter-Reak­tio­nen auf mein letz­tes Lese­pro­to­koll. Tipps die­ser Art neh­me ich ger­ne ent­ge­gen. Ein typi­scher Sci­ence-Fic­tion-Roman, inter­es­sant durch das ans römi­sche Reich erin­nern­de galak­ti­sche Impe­ri­um, das mit den ver­schie­de­nen Geschwin­dig­kei­ten von Kom­mu­ni­ka­ti­on und Raum­schif­fen zu kämp­fen hat, so dass Men­schen aus unter­schied­li­chen Zei­ten sich begeg­nen; natur­ver­bun­de­nen ein­hei­mi­schen; einem real­so­zia­lis­tisch wir­ken­den Pla­ne­ten­ver­wal­tungs­schlen­dri­an. Ich fand es durch­aus lesens­wert, auch wenn der eine oder ande­re Hand­lungs­fa­den am Schluss nicht auf­ge­löst wur­de, ver­schwun­den im raum­zeit­li­chen Kegel mög­li­cher Kom­mu­ni­ka­tio­nen, wahrscheinlich.

Bleibt noch Vic­to­ria „V.E.“ Schwabs A Con­ju­ring of Light – das ist der gera­de erst erschie­ne­ne, sehr umfang­reich gewor­de­ne Abschluss ihrer Wei­ß/­Schwar­z/Ro­t/­Grau­es-Lon­don-Tri­lo­gie (Shades of Magic) um Lila Bard. Magie hat Ver­wüs­tung über das König­reich Maresh und das rote Lon­don gebracht, und nur gemein­sam gelingt es den drei ein­an­der teils zuge­wand­ten, teils herz­lich abge­neig­ten Ant­a­ri, dem etwas ent­ge­gen­zu­set­zen. Aber das ist nur die Ober­flä­che der Geschich­te. Etwas ande­re Form von Fan­ta­sy – es emp­fiehlt sich aller­dings, beim ers­ten Band anzu­fan­gen.