Kurz: Ungeliebte Chatbots

Einer der Neben­ef­fek­te der Zeit der gro­ßen Sprach­mo­del­le sind Chat­bots als Erst­kon­takt bzw. Ersatz für Kund*innen-Kontakt. Zumin­dest in mei­ner erwei­ter­ten Bubble kom­men die­se nicht so gut an:

Screen­shot einer Umfra­ge auf Mastodon.

Nur drei Pro­zent der Teilnehmer*innen an der Umfra­ge nut­zen Chat­bots ger­ne. Sechs Pro­zent wür­den sie ger­ne nut­zen, wenn sie bes­ser funk­tio­nie­ren wür­den, der Rest nutzt sie wider­wil­lig (16 Pro­zent) oder ver­sucht, die Nut­zung zu ver­mei­den (75 Prozent). 

Das fin­de ich durch­aus erstaun­lich für etwas, das gefühlt jede Behör­de und jedes Unter­neh­men „haben muss“. Klar, aus der Sicht der Orga­ni­sa­ti­on spart so ein „nied­rig­schwel­li­ger“ Chat Per­so­nal. Trotz­dem klingt das so, als wäre eine gut gepfleg­te Website/FAQ und ein E‑Mail-Kon­takt (und ggf. eine Tele­fon­num­mer) viel ziel­füh­ren­der als ein Bot-pop-up.

Ich wür­de ger­ne wis­sen, ob die­se Wahr­neh­mung empi­risch bestä­tigt wird, sprich, ob es Unter­su­chun­gen dazu gibt, was zu höhe­rer Kund*innen-Zufriedenheit führt. Hin­wei­se dazu ger­ne im Kommentarfeld.

Kurz: Wie halten Sie’s mit AI?

Mit einem gewis­sen Erstau­nen fällt mir immer wie­der auf, dass ich doch wei­ter­hin mit recht skep­ti­schem Blick auf AI/KI/LLMs schaue. Erstau­nen, weil ich durch­aus wahr­neh­me, dass die­se Model­le so etwas wie „instant intel­li­gence“ lie­fern. Wie auch immer sie das machen, und was auch immer das über mensch­li­che Intel­li­genz aus­sagt. Instant­kaf­fee wäre für mich eine Not­lö­sung, maxi­mal. So ähn­lich ist es hier. (Oder, um ande­re Ver­glei­che zu bemü­hen: die Plas­tik­lie­be der 1970er – und das Naturstoff-Revival).

Jeden­falls wur­de mir mei­ne Skep­sis jetzt amt­lich bestä­tigt. Unter https://bambamramfan.github.io/ai-compass/ fin­det sich ein Fra­ge­bo­gen mit 15 Fra­gen, der einen danach in einen Arche­ty­pen ein­sor­tiert. Nicht sehr wis­sen­schaft­lich, aber immer­hin. Ich fand es gut, allei­ne schon des­we­gen, weil ein paar der Fra­gen zum Nach­den­ken anre­gen, und weil deut­lich wird, dass die Hal­tung zu AI mehr­di­men­sio­nal ist und ein rei­nes Dafür/Dagegen viel zu kurz greift.

Kurz: Happy birthday, Wikipedia

Wiki­pe­dia ist 25 Jah­re alt – und von einem dubio­sen Pro­jekt zum unver­zicht­ba­ren Rück­grat des frei­en Wis­sens im WWW gewor­den. Herz­li­chen Glückwunsch!

Und ja: die Wiki­pe­dia hat Schwä­chen. Büro­kra­ti­sche Rele­vanz­kri­te­ri­en, eine demo­gra­fisch sehr unglei­che Zusam­men­set­zung der Bearbeiter*innen, und auch in der Fol­ge davon einen gewis­sen Bias, gewis­se Wis­sens­lü­cken. Aber: frei, von über­all her zugreif­bar, und zur Not auch kom­plett downloadbar.

Wenn es eine real exis­tie­ren­den Umset­zung des „Hitchhiker’s Gui­de“ gibt, dann ist es die Wiki­pe­dia. Größ­ten­teils harm­los, und viel ver­brei­te­ter als der Brock­haus, die Enzy­klo­päd­ia Bri­tan­ni­ca oder – wer kennt sie noch? – MS Encarta.

Ich hof­fe sehr, dass es die Wiki­pe­dia als eine zen­tra­le Ein­rich­tung des frei­en Webs auch in 25 Jah­ren noch geben wird. Ich gebe zu: mei­ne akti­ven Edi­tier­zei­ten lie­gen lan­ge zurück. Aber viel­leicht ist es ange­sichts der KI-Bedro­hung wich­ti­ger den je, zu einer umfas­send infor­mier­ten Wiki­pe­dia beizutragen.

2025 im Blog

Reflection

Neben den Pho­tos der Woche und mei­nen fast monat­li­chen Sci­ence-Fic­tion-Rezen­sio­nen dient mein Blog ja auch dazu, fest­zu­hal­ten, was mir bedenkens‑, erin­ne­rungs- oder sonst­wie auf­he­bens­wert erscheint.

Der Traum von digitaler Assistenz

Desk cat

In eige­ner Sache: in der aktu­el­len Aus­ga­be der Andro­me­da Nach­rich­ten Nr. 291 des SFCD ist mein Text „Der Traum von digi­ta­ler Assis­tenz“ (S. 44–45) erschie­nen. Die kom­plet­te Aus­ga­be gibt es hier als PDF.

Der Traum von digitaler Assistenz. Science Fiction oder schon Realität?

Egal, wohin man auch schaut – über­all begeg­net einem Arti­fi­ci­al Intel­li­gence (AI), ob gewollt oder nicht. Das sug­ge­riert, das bald Rea­li­tät sein könn­te, was heu­te noch Motiv der Sci­ence Fic­tion ist: eine all­zeit ver­füg­ba­re, all­wis­sen­de digi­ta­le Assistenz.

Wäre schön – aber mich gru­selt es dabei. Denk­bar wären auch ganz ande­re Tra­jek­to­ri­en gewe­sen. Immer­hin bin ich mit der ers­ten Gene­ra­ti­on per­sön­li­cher Com­pu­ter auf­ge­wach­sen, habe Tei­le mei­ner Jugend in Mail­bo­xen ver­bracht und war live dabei, als aus dem World Wide Web der Dot-Com-Boom wur­de – und platz­te. Com­pu­ter als Uni­ver­sal­ma­schi­nen, das Netz als uni­ver­sel­les Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­di­um übten eine inten­si­ve Fas­zi­na­ti­on auf mich aus. Und mit­ten im Win­ter der Künst­li­chen Intel­li­genz Anfang des Jahr­hun­derts mal­te ich mir aus, wie hilf­reich ein Pro­gramm sein könn­te, das logi­sche Ent­schei­dun­gen begrün­det fällt, dabei hilft, Mails sinn­voll zu sor­tie­ren oder Tex­te von der einen in die ande­re Spra­che über­setzt. (Mei­ne dies­be­züg­li­chen Geh­ver­su­che in Tur­bo Pas­cal blie­ben dies – nai­ve Ansät­ze, und nicht von Erfolg gekrönt.)

Trotz­dem fin­de ich mich jetzt recht fest im Lager der AI-Kritiker*innen wie­der. Und wun­de­re mich, wie gene­ra­ti­ve Algo­rith­men und gro­ße Sprach­mo­del­le (LLMs) trotz aller wohl­be­grün­de­ter Kri­tik­punk­te inner­halb weni­ger Jah­re Teil des All­tags vie­ler Men­schen wer­den konn­te. Am Mit­tags­tisch dis­ku­tie­ren wir dar­über, wie eigent­lich das Geschäfts­mo­dell von Ope­nAI aus­sieht und wann die AI-Bla­se platzt (oder wann sie genü­gend Men­schen so in Abhän­gig­keit gebracht hat, dass ein mono­po­lis­ti­sches Abo-Modell unaus­weich­lich scheint.) Ich ärge­re mich dar­über, dass jede Soft­ware irgend­wel­che AI-Fea­tures mit­bringt, die abzu­schal­ten eher kom­pli­ziert gemacht wird. Und ich wun­de­re mich, wie Men­schen einer Soft­ware ver­trau­en kön­nen, die nicht weiß, was sie nicht weiß – son­dern dann halt plau­si­blen Bull­shit zusam­men­reimt. Was auf den ers­ten Blick beein­dru­ckend wirkt, fällt schnell zusam­men, wenn es um The­men­ge­bie­te geht, in denen man sich tat­säch­lich aus­kennt. Zwi­schen »klingt plau­si­bel« und »stimmt« gibt es kei­nen Zusam­men­hang – vie­len scheint aber ers­te­res zu reichen.

„Der Traum von digi­ta­ler Assis­tenz“ wei­ter­le­sen