Schon ein paar Tage her – so sah’s Ende Oktober beim Blick vom Schönberg auf die Stadt aus, genauer gesagt auf St. Georgen (im Vordergrund) und Landwasser, Weingarten und Haslach (sowie ganz links, aber im Bild nicht wirklich zu sehen, das Rieselfeld). Auch im Bild: Baukräne, die Gaskugel, der Funkturm sowie ziemlich viele Windräder am Horizont. Ach ja: reinklicken und vergrößern ist möglich.
20 Jahre Internetparteitag
Die „Tagesschau vor 20 Jahren“ erinnert auf Twitter daran, dass der erste Internetparteitag jetzt zwanzig Jahre her ist. Wie Andrea Lindlohr schreibt, möglicherweise inspiriert von #dol2day, einer damals sehr beliebten Netz-Politiksimulation. Der damalige Internetparteitag des grünen Landesverbands Baden-Württemberg war textbasiert, dauerte mehrere Tage, und verband die Forendiskussion mit jeweils einen Tag umfassenden Abstimmungsfenstern. Beschlossen wurde letztlich unter anderem eine Resolution zu Ladenschlusszeiten – wichtiger aber war das Symbol: Parteitag geht auch im Netz. Kostenpunkt: ähnlich hoch wie ein Landesparteitag in der Halle, v.a. die damals noch auf Disketten basierende Sicherheitsarchitektur war teuer.
So richtig etablieren konnte sich das Format nicht. Und noch 2018 – nach dem Beginn und Ende des Hypes um die Piratenpartei mit ihren liquiden Entscheidungen – war meine Vermutung: das kommt auch nicht wieder, höchstens in Form von Beteiligungsphasen vor Parteitagen. Corona macht’s möglich, dass jetzt alle Welt von digitalen Parteitagen spricht und einige davon sogar mit Erfolg durchgeführt werden. Mal sehen, was nach der Pandemie davon übrig bleibt.
Ich nehme das Jubiläum jedenfalls mal zum Anlass, die diversen Texte von mir dazu gesammelt zur Verfügung zu stellen. Ein paar der Aufsätze, die dazu passen würden, sind derzeit nicht online erreichbar, weil Seiten relauncht wurden oder Netzzeitschriften eingestellt wurden – ich nehme die hier mal mit auf und liefere bei Gelegenheit nach:
- Was passiert, wenn eine Partei im Netz tagt? Der ‚Virtuelle Parteitag‘ von Bündnis 90/Die Grünen aus soziologischer Sicht (Magisterarbeit, 2001)
- „Zeitsparen mit dem Internet? Ein zweiter Blick auf Zeitaspekte des Virtuellen Parteitags“ (2001)
- „Zur Funktionsweise Virtueller Parteitage“ (2001)
- „Politische Online-Kommunikation unter Wirklichkeitsverdacht: der Virtuelle Parteitag von Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg“ (Zusammenfassung der Magisterarbeit, 2003)
- „Baden-Württembergs Grüne erneut netzaktiv“ (2005)
- „Politische Wiki-Nutzung zwischen Groupware und Text-Event – diskutiert an Fallbeispielen aus dem Umfeld von Bündnis 90/Die Grünen“ (2007)
- „Fest, flüssig, flüchtig: Aggregatzustände des Politischen im Netz“ (2012)
- „Eine virtuelle Versammlung?“ (zur „Ständigen Mitgliederversammlung“ der Piratenpartei, 2013)
- „Piraten: Ablauf des SMV-Scheiterns“ (dito, 2013)
- „Blended Participation: Grüner Mitgliederentscheid gestartet“ (2013)
- „Wahrheit oder Pflicht: Nachbetrachtung zum grünen Mitgliederentscheid“ (2013)
- „Smarte Parteien? Um welches Problem geht es eigentlich?“ (zu Beteiligungstools und Parteireform, 2015)
- „Wieso der virtuelle Parteitag von Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg ein einmaliges Ereignis geblieben ist“ (Vortragsfolien, 2018)
- „Die große Schaltkonferenz“ (Bericht zum digitalen Länderrat im Mai, 2020)
- „Die erste digitale Bundesdelegiertenkonferenz“ (Bericht zur digitalen BDK im November, 2020)
Photo of the week: Nebelspuren I
Ich habe irgendwie auch noch Fotos von den goldenen Tagen Ende Oktober und in der ersten Novemberhälfte rumliegen. Herbst kann sehr schön sein. Gestern sah’s dann aber anders aus – dichte Nebelschwaden und, naja, Dämmerung halt, eine ziemliche Düsternis. Dass das Foto dann so rauskam, war nicht geplant, sondern liegt an zu schnellen Bewegungen. Passt aber.
Die erste digitale Bundesdelegiertenkonferenz – Abstimmungsmarathon um unsere Grundwerte
20 Jahre nach dem ersten virtuellen Parteitag und ein halbes Jahr nach der großen Schaltkonferenz, dem digitalen Länderrat, tagte an diesem Wochenende die grüne Bundesdelegiertenkonferenz (BDK) digital. Hashtag #dbdk20. Corona macht’s möglich – und gleichzeitig lässt sich feststellen: so eine digitale BDK ist fast genauso anstrengend wie zweieinhalb Tage in irgendeiner Messehalle zu sitzen, dort Reden zu lauschen, konzentriert abzustimmen und nebenbei noch den einen oder anderen Plausch zu halten. Die Hin- und Rückfahrt entfällt, aber das macht das fehlende Wochenende auch nicht wett.




