Bei uns

Es ist schon eine Wei­le her, dass ich so geflasht war von einem unse­rer Par­tei­ta­ge. Dass ich mit dem posi­ti­ven Gefühl nach Hau­se fah­re, dass wir klar sind, dass wir gebraucht wer­den, und dass wir eine Par­tei sind. Und die­ses posi­ti­ve Gefühl liegt nicht am Schlaf­man­gel und auch nicht an der Son­ne, die sich nach drei Tagen Pro­gamm­de­bat­te zeig­te, son­dern an etwas anderem.

Es hat län­ger gedau­ert, als es not­wen­dig gewe­sen wäre, und es war ein schmerz­haf­ter Pro­zess – aber jetzt haben wir uns sor­tiert. Jetzt sind wir als Par­tei wie­der bei uns. 

Grün zu sein, fühlt sich end­lich wie­der stim­mig an. Gemein­sam, geschlos­sen, ent­schlos­sen – und nicht ein mut­lo­ser Hau­fen von sich unter­ein­an­der befeh­den­den Grüpp­chen. Und auch das ist ange­kom­men, wur­de wahr­ge­nom­men und wird uns in der vor­sich­tig-posi­ti­ven bis enthu­si­as­ti­schen Pres­se­be­richt­erstat­tung zurück­ge­spie­gelt. Das trägt. Ja: Wir wer­den gebraucht, und wir wis­sen genau, was wir in die­sem Land zum Posi­ti­ven ändern wollen.

Die Pro­gamm-BDK hat­te aus mei­ner Sicht drei Funk­tio­nen. Und die hat sie dies­mal – da ein gro­ßer Dank vor allem an Micha Kell­ner, an den Bun­des­vor­stand, aber auch an alle wei­te­ren Betei­lig­ten – alle drei mit Bra­vour erfüllt.

Ers­tens: Die Par­tei­tags­in­sze­nie­rung ist gelun­gen. Reden der Spitzenkandidat*innen vor klat­schen­den Men­schen­men­gen, mitt­ten im Saal. Im Hin­ter­grund beein­dru­cken­de Bil­der, die grü­ne Pro­gram­ma­tik genau­so rüber­ge­bracht haben wie eine Nähe zu den Men­schen. Das har­mo­ni­sche Inein­an­der­grei­fen der Auf­trit­te der »Spikas« und der ande­ren Pro­mis hat sehr deut­lich gemacht, dass wir gemein­sam, arbeits­tei­lig etwas errei­chen wol­len. Die­se Insze­nie­rung war nach innen gerich­tet – sie hat moti­viert, sie hat uns allen Ener­gie gege­ben, bis hin zum Abschluss mit Nenas Feu­er­rä­dern – aber sie war auch nach außen gerich­tet: Wir sind die Kli­ma­schutz­par­tei. Und als sol­che wer­den wir ganz kon­kret gebraucht. Wir sind die Par­tei des sozia­len Zusam­men­halts. Und als sol­che sind wir mehr denn je gefragt. Wir sind die Par­tei, die für Frei­heit ein­steht. Und da unter­schei­den wir uns von allen ande­ren. Wer die­se Bot­schaf­ten nicht gese­hen, nicht mit­ge­nom­men hat – egal, ob vor der »blue marb­le«, der Erde aus dem All, vor dem Eis­bä­ren, im Ark­tis-Ein­spie­ler, in den bewe­gen­den – und im Fall von Nadia Murat sehr berüh­ren­den – Reden von Men­schen aus aller Welt, steckt im Sand fest.

Okay: eine gelun­ge­ne Inszenierung. 

Aber das ist doch nur Ver­pa­ckung, höhnt es. Nein. Denn zwei­tens: Die­ser Par­tei­tag hat gear­bei­tet. 2200 Anträ­ge sind in das Pro­gramm ein­ge­flos­sen, es gab vie­le modi­fi­zier­te Über­nah­men und Kom­pro­mis­se, aber auch vie­le Abstim­mun­gen. Es war nicht so, dass von vor­ne­her­ein alles fest­stand, und es nur noch um »Ver­kau­fe« ging. 

Nein: die Par­tei­ba­sis hat – am Sams­tag über zwölf Stun­den ohne Pau­se – kon­zen­triert zuge­hört. Hat abge­wo­gen und ent­schie­den. Mit Bedacht, mit Geschlos­sen­heit, mit einem Gefühl für kla­re Bot­schaf­ten – von der Ein­lei­tung bis zum Schluss­ka­pi­tel mit den noch ein­mal modi­fi­zier­ten zehn Punk­ten. Wir Dele­gier­te haben uns nicht ver­lei­ten las­sen, bei Die-da-oben-wir-da-unten-Spiel­chen mit­zu­ma­chen. Wir haben – oft flü­gel- und lan­des­ver­band­über­grei­fend – abge­stimmt, an eini­gen Stel­len auch gegen den Vor­schlag des Bundesvorstands. 

Her­aus­ge­kom­men ist ein Pro­gramm, das rund und ambi­to­niert ist. Auch das Pro­gramm ist bei uns, es steht für unse­re grü­nen Ant­wor­ten auf die pla­ne­ta­ren und hie­si­gen Her­aus­for­de­run­gen. Ja, wir haben Instru­men­te, um bis 2030 aus der Koh­le­ver­stro­mung aus­zu­stei­gen, um die Auto­in­dus­trie dazu zu bewe­gen, sich dem Struk­tur­wan­del zu stel­len, um Kin­der­ar­mut zu bekämp­fen, um Deutsch­land gerech­ter und frei­er zu machen. Dazu gehö­ren die Ehe für alle, das Fami­li­en­bud­get und der Pakt für das Zusam­men­le­ben. Dazu gehört die Gestal­tung der Digi­ta­li­sie­rung und die Frei­heit im Inter­net. Wir sind klar.

(Übri­gens auch bei so ›visio­nä­ren‹ The­men wie dem Grund­ein­kom­men: Wir wer­den einen gesell­schaft­li­chen Dis­kurs dar­über star­ten, und ste­hen dafür, Model­le zu erpro­ben. Kin­der­grund­si­che­rung etc. etc. sind die ers­ten Bau­stei­ne dafür.)

((Oder auch, um mir eine hoch­schul­po­li­ti­sche Abschwei­fung zu erlau­ben: die kla­re Aus­sa­ge, dass wir die Hoch­schul­fi­nan­zie­rung zwi­schen Bund und Län­dern auf eine neue Basis stel­len wol­len. Das wir mit Pro­gram­men und einer Novel­le des Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­set­zes das unse­re dazu bei­tra­gen wer­den, dass Wissenschaftler*innen ohne Exis­tenz­angst for­schen und leh­ren kön­nen, egal in wel­chem Sta­di­um ihrer Kar­rie­re sie sich befin­den. Dass das Bafög aus­ge­baut und moder­ni­siert wird. Und dass wir die Wis­sen­schafts­schran­ke und den Zugang zu frei­em Wis­sen umset­zen, die gera­de in den Mahlstei­nen der Gro­ko zer­rie­ben werden …))

Also: eine Insze­nie­rung, die rich­tig gut war, die kla­re und not­wen­di­ge Signa­le gesetzt hat. Ein ambi­tio­nier­tes und pro­gres­si­ves Pro­gramm, das sagt, was wir wol­len – und hin­ter dem wir alle ste­hen. Zukunft wird aus Mut gemacht ist kein lee­rer Slo­gan. Das ist ein Gefühl. (Oder, wie es Simo­ne Peter beschrieb: ein Wahl­pro­gramm, das gleich­zei­tig eine Lie­bes­er­klä­rung an alle im Land, die drin­gend not­we­ni­ge Ver­än­de­rung wol­len ist, und eine Kamp­f­er­klä­rung an die, die sie blockieren …).

Und drit­tens? Der Par­tei­tag hat gezün­det. Das Gefühl der Moti­va­ti­on, der Ener­gie­schub, das »jetzt geht’s ent­schlos­sen in die 98 Tage bis zur Wahl« – das fehl­te vie­len. Und jetzt ist es da. Das ist sehr gut.

Ich bin nach die­sem Par­tei­tag des Opti­mis­mus sehr zuver­sicht­lich, dass dem Pro­gramm eine gran­dio­se Wahl­kam­pa­gne fol­gen wird. Dass Cem und Kat­rin und wir alle es schaf­fen wer­den, in Talk­shows und auf Markt­plät­zen, in den »Höh­len der Face­book-Trol­le« (so Toni Hof­rei­ter) und an den Haus­tü­ren zu über­zeu­gen. Das Pro­gramm dafür ist da. Unse­re Spitzenkandidat*innen haben ihre Feu­er­pro­be bestan­den. Und, am wich­tigs­ten: wir sind bei uns. Wir haben unse­re Mit­te gefun­den. Und jetzt geht es los.

7 Antworten auf „Bei uns“

  1. Ich hät­te es nicht ganz genau­so geschrie­ben – bin im Gegen­satz zu dir auch nicht flei­ßig genug einen Blogg zu betrei­ben – aber über­wie­gend kann ich dei­ne Einschätzung/​Bewertung unter­schrei­ben. Ja, die BDK war gut insze­niert, gleich­wohl basis­de­mo­kra­tisch, und Mut machend. Bis auf die Zeit (aus­ge­rech­net!) bis­her gute media­le Kom­men­ta­re. So kann es was wer­den! Jetzt braucht es noch uns alle vor Ort. Machen wir was draus.

  2. Dan­ke, Till, für die­se klu­gen Gedan­ken. Micha hat das her­vor­ra­gend orga­ni­siert, aber der wirk­li­che Spin kam auch von den Dele­gier­ten selbst. Ich habe in vie­len Gesprä­chen und Dis­kus­sio­nen gemerkt, wie sehr alle für ihre Par­tei bren­nen, weil sie nun­mal die ein­zi­ge poli­ti­sche Kraft ist, die bei den ech­ten Zukunfts­auf­ga­ben Ange­bo­te machen kann. Ja, der Par­tei­tag hat mobi­li­siert – aber alle waren auch bereit dazu.
    Jetzt heißt es: auf in den Wahl­kampf – wir wis­sen wofür, und mit wem, und warum!

  3. Stimmt schon, man­che sehe nur, was sie sehen wol­len – aber die­se »zwei­te Rie­ge« hin­ter den Spit­zen­kan­di­da­ten, die dar­aus erzeug­ten Bil­der als Abklatsch us-ame­ri­ka­ni­scher Wahl­kampf­in­sze­nie­run­gen – das war verstörend.

  4. Eine ame­rik­an­si­che­re Insze­nie­rung war es bei wei­tem nicht. Wer das behaup­tet, weiss nicht wovon er redet. Die Auf­merk­sam­keit der Dele­gier­ten und ihre Aus­dau­er genau­so die Begeis­te­rung nach authen­ti­schen Rede­bei­trä­gen waren weder erkauft noch gepuscht oder gar insze­niert durch Fan­grup­pen gestützt schon gar nicht. Ein vol­ler Erfolg wenn man bedenkt, dass die ent­wen­de­ten Dele­gier­ten kei­ne homo­ge­ne Mas­se son­dern über­wie­gend aus ein oder zwei ange­reis­ten Per­so­nen bestanden.

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