Ich hatte ja berichtet, dass ich beim Kongress „Netz für alle“ von Rosa-Luxemburg-Stiftung und LINKE auf einem Panel zu „E‑Democracy: Beteiligung für alle oder Spielzeug für neue Eliten?“ war. Inzwischen wurde das Video des Panels veröffentlicht. Wer also wissen will, worüber sich Teresa Bücker, Halina Wawzyniak und ich unter der Moderation von Wenke Christoph – Stephan Urbach war leider krankheitsbedingt nicht dabei – unterhalten haben, kann das jetzt anschauen.
Hübsch gebündelte Science Fiction – und der deutsche eBook-Markt
Nachdem jetzt auch heise darüber berichtet, und mein Hinweis auf die eBook-Aktion gestern auf Twitter eine lange Debatte ausgelöst hat, vielleicht doch zwei Punkte – zum Humble eBook Bundle mit Science-Fiction- und Fantasy-Bücher, bezahlbar nach Selbsteinschätzung, und darüber hinaus zu Themen wie der Buchpreisbindung, dem deutschen eBook-Markt und der Frage illegaler Buchkopien – im Blog.
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Kurz zur OB-Wahl Stuttgart 2012
Stuttgart hat gewählt – und was für ein Ergebnis: Die Kandidaten der beiden großen Parteien vereinen über 70% der Stimmen auf sich, die der kleineren Parteien kommen auf etwa 15% und etwa 10%. Und die restlichen zehn 3,5 Prozentpunkte verteilen sich auf ebenso viele zehn weitere Bewerber.
Ich freue mich, dass Fritz Kuhn es mit 36,5% klar auf Platz 1 im ersten Wahlgang geschafft hat, und den CDU-FDP-FW-Turner samt Bretzel damit ebenso klar auf Platz 2 verwiesen hat. Gewonnen ist die Wahl allerdings noch nicht. Ein Unsicherheitsfaktor ist die Wahlbeteiligung, die mit unter 50% eher mau war. Turner setzt darauf, NichtwählerInnen zu mobilisieren, Fritz wird hoffentlich einen größeren Teil der Wilhelm- und Rockenbauch-Stimmen bekommen. Wäre doch schade, wenn es erneut nicht klappen würde, mit einer progressiven Mehrheit auch einen progressiven OB für Stuttgart zu bekommen. (Das darf gerne auch schon mal als Aufruf verstanden werden, am 21.10. bei der dann fälligen Neuwahl Kuhn zu wählen).
Apropos Neuwahl: Das baden-württembergische Kommunalwahlrecht sieht keine Stichwahl vor, theoretisch könnten jetzt also sogar noch ganz neue KandidatInnen dazu kommen. Andreas Renner zum Beispiel …
Ach ja, über 70% für die Kandidaten der beiden größten Parteien – aber eben auch, und das ist vielleicht die wichtigere Zahl, fast zwei Drittel der WählerInnen gegen den Kandidaten von CDU, FDP und Freien Wählern. Ich bin – auch jenseits der OB-Wahl in Stuttgart – gespannt, wie sich das mit dem baden-württembergischen Parteiensystem weiterentwickelt.
Update: Zahlen korrigiert (danke, Kay!) – wer alle sehen will, findet die hier.
Kurz: Geschlechtergerechte Sprache bei Grüns
Während meine Suppe abkühlt, noch ein paar Sätze zur geschlechtergerechten Sprache, wie sie bei Bündnis 90/Die Grünen verwendet wird – und wie nicht. Warum? Weil ich in letzter Zeit immer wieder auf seltsame Formulierungen stoße. Ob diese aus Unwissenheit oder Trollerei verwendet werden, sei einmal dahingestellt.
Falsch sind jedenfalls sowohl „MitgliederInnen“ als auch „GrünInnen“. „Das Mitglied“ hat kein Geschlecht und wird dementsprechend auch nicht mit einem großen I versehen. Und wir Grünen – der Grüne, die Grüne – werden durch ein angehängtes, falsches ‑Innen auch nicht schöner.
Richtig ist dagegegen, dass alle Personenbezeichnungen, die nicht geschlechtsneutral sind, „gegendert“ werden sollen. Den Hintergrund dafür erklärt Anatol Stefanowitsch viel besser, als ich es hier könnte. Das „gendern“ kann auf vielfältige Art und Weise geschehen:
- durch Paarformen („Freundinnen und Freunde“), in der gesprochenen Sprache üblich,
- durch die Verwendung neutraler Formen (die haben ihre eigenen Tücken), z.B. „Studierende“, „Wählende“, „Abgeordnete“, „Delegierte“
- durch das traditionell bekannte „Binnen‑I“, also ähnlich wie bei „iPhone“ ein Großbuchstabe mitten im Wort, der signalisiert, dass das zwei Wörter in einem stecken, etwa in „TierquälerInnen“ – so elegant nur im Plural verwendbar,
- durch neuere Symbole, etwa den „Gender Gap“ („Professor_innen“), oder durch das Gender-Sternchen („Köch*innen“). Bei beiden Symbolen ist die Idee, dass nicht nur zwei Geschlechter symbolisiert werden sollen, sondern auch jenseits davon stehende Geschlechterrollen.
- Und wer das alles blöd findet, und trotzdem nicht ausschreiben möchte, kann auch den Schrägstrich einsetzen, der aber mit „Frau als Anhängsel der männlichen Form“ konnotiert ist („Manager/in“).
So, und jetzt ist die Suppe kalt, und ich möchte nie wieder „GrünInnen“ irgendwo lesen, nur weil irgendwem nicht passt, dass wir eine feministische Partei sind.
Vier Vorschläge zur Identitätskrise der SPD
Die Zeiten, in denen die SPD locker 40 Prozent holte, sind lange vorbei. In der Analyse führender Genossen – Manfred Güllner vom Institut forsa sei hier exemplarisch erwähnt, aber auch Sigmar Gabriel hat sich schon entsprechend geäußert – hängt das immer noch damit zusammen, dass so eine komische kleine Umweltpartei der SPD Ende der 1970er Jahre ihre Themen weggenommen hat. Plötzlich waren rauchende Schlote, rumpelnde Lastwagen und riesige Fabriken nicht mehr Insignien des sozialdemokratischen Wegs zum Paradies, sondern Pfuibäh. Identitätskrise! Eine Partei weiß nicht mehr, wofür sie steht.
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