Wolken finde ich ja nach wie vor faszinierend. Anfang März wälzten sich beispielsweise diese hier über das Freiburger Rieselfeld. Von der Dachgeschosswohnung der Mutter meiner Kinder aus ein beeindruckendes Schauspiel. Und das ganz ohne Theaterdonner.
Kinderarbeit wegen Schulferien
Zu den Dingen, die Eltern, deren Kinder erst in die Schule gekommenen sind, lernen müssen, gehört das Ferienproblem: Herbstferien, Weihnachtsferien, Faschingsferien, Osterferien, Pfingstferien, Sommerferien, da capo. Das kannte ich aus der Kindergartenzeit nicht. Und aus meinem gelebten Terminkalender ebenfalls nicht so ganz. Selbst rein rechnerisch und bei tatsächlicher Urlaubsnutzung dürfte es schwierig sein, all diese Wochen Schulferien mit Elternurlaub zu kombinieren. Dass es deswegen gilt, sich frühzeitig darum zu kümmern, was das Schulkind dann so tun könnte, habe ich noch nicht verinnerlicht. Ich lerne das mit dem Elternsein bei einem Schulkind ja erst noch.
Kurz: Ehe leicht erklärt
Meine siebenjährige Tochter wollte – ich weiß gar nicht, wie wir darauf gekommen sind – von mir heute wissen, warum ich eigentlich nicht „gehochzeitet“ habe. Also, warum ich mit meiner Expartnerin nicht verheiratet gewesen bin. Das lässt sich durchaus erklären, und letztlich läuft es darauf hinaus, dass ich der Meinung bin, dass es Staaten nichts angeht, wer mit wem eine Partnerschaft eingeht. Insofern nervt mich manchmal auch das konservative Element, dass mit der (begrüßenswerten, und eigentlich selbstverständlichen) Öffnung der Ehe für homosexuelle Beziehungen eingeht.
Interessant an der Frage fand ich eher, dass es mir vor dem Kontext „nicht verheiratet gewesen, Kinder, inzwischen getrennt“ ziemlich schwerfällt, meiner Tochter kindgerecht zu erklären, um was es bei Heiraten, Ehe und Hochzeiten eigentlich geht. Sie meinte, heiraten hätte etwas mit verliebt sein zu tun. Waren wir, haben trotzdem nicht geheiratet. Mein Erklärversuch: „Ein Fest, damit auch andere das mitkriegen, das zwei zusammen sind, und dann wird das noch (vom Staat) aufgeschrieben, damit es alle wissen.“ Ist das die Essenz von Heiraten heute – oder wie würdet ihr einem Kind erklären, was Ehe ausmacht und wozu es diese gibt?*
* Um das ganze etwas zu erschweren, gibt es dabei einige nicht erlaubte Erkläransätze. Zu kompliziert darf es nicht sein, über das Thema Steuerersparnis durch Ehegattensplitting bei asymmetrischen Einkommensverhältnissen aufgrund von geschlechterstereotypen Arbeitsplätzen kann ich mit einer Siebenjährigen schlecht reden. Und alles, was unsere Lebensumstände de-normalisiert, geht natürlich auch nicht (also sowas wie „Eine Ehe ist, wenn zwei Menschen ihr Leben zusammen verbringen wollen.“ – galt auch für uns, geht prinzipiell, ohne zu heiraten, oder „Ein Mann und eine Frau heiraten, um Kinder zu bekommen.“ – nö!).
Photo of the week: Tulip mania III
Nach dem ganz besonders düsteren Winter 2012/13 konnte ich dann den Tulpen im Bioladen nicht widerstehen – und es hat geholfen, jedenfalls haben wir heute Sonne und einen blauen Himmel. Es scheint Frühling zu werden. Endlich! Selbst wenn’s vermutlich nur ein Fehlstart ist, freue ich mich massiv über die ersten Sonnenstrahlen und sonstige grellbunte Frühlingsboten.
(Und dann sind da noch die übrigen, zum Teil dann noch um einiges sonnigeren Tulpenfotos).
Kurz: Der neue Herd
Meine Eltern haben mir zum Geburtstag einen neuen Herd geschenkt. Der ist jetzt da, und glänzt, und dass er da ist, ist auch deswegen eine tolle Sache, weil beim alten nur noch zwei Platten richtig benutzbar waren.
Aber: Ich fremdle noch ein bisschen mit dem neuen Herd. Obwohl der neue wie der alte mit Glaskeramik arbeitet. Technologisch also nichts neues. Dennoch: ich fremdle. Und das hat – neben der Angst, die neue Makellosigkeit zu beeinträchtigen – viel mit Praxistheorie zu tun. Und mit dem, was je nach Theorierichtung als tacit knowledge, als implicit knowledge oder als embodied knowledge bezeichnet wird. Also „körperliches“ Wissen über Handlungsvollzüge, das unterhalb aussprechbarer, expliziter Wissensbestände angesiedelt ist.
Klar: Es gibt eine Anleitung, in der steht, welche Einstellungen für Spiegelei und welche für das Kochen von Wasser richtig sind. Aber das ist es nicht. Beim alten Herd wusste ich – so ein Dreh mit dem Handgelenk, und nach einer gewissen Zeitspanne dann diese und jene Geräusche. Oder besser gesagt: Ich wusste das nicht. Es war einfach so. Jetzt ist es anders. Und das Scheitern dieser Erwartungen zeigt, wie eng gerade die technischen Artefakte in ihren Details mit den halbbewussten, halbautomatischen Handlungsvollzügen sozialer Praktiken verbunden sind.
Bald wird der neue Herd nicht mehr neu, sondern vertraut sein. Aber bis dahin zwingt er mich dazu, Handgriffe explizit zu tun, und immer wieder zu schauen, ob alles stimmt. Noch fremdle ich.



