Aus dem Hinterwald

Green before the storm V

Baden-Würt­tem­berg, ach je. Über die libe­ra­len Groß- und Uni­städ­te, die grü­ne Stär­ke und die vie­len span­nen­den Pro­jek­te auf dem Land gerät die die­sem Land inne­woh­nen­de Pro­vin­zia­li­tät leicht ins Ver­ges­sen. Und es ist eine dop­pel­te Pro­vin­zia­li­tät, die nicht nur aus dem tie­fen länd­li­chen Raum gespeist wird, son­dern eben­so etwas mit der vor allem im würt­tem­ber­gi­schen Lan­des­teil weit zurück­rei­chen­den pie­tis­ti­schen Tra­di­ti­on zu tun hat. Die Orte, in denen 60 bis 70 Pro­zent der Bevöl­ke­rung CDU oder schlim­me­res wäh­len: klar gibt es die weiterhin. 

Das fällt viel­leicht nicht auf den ers­ten Blick auf, weil es auch dort hübsch modern aus­sieht, inklu­si­ve Pho­to­vol­ta­ik-Anla­ge auf den pro­per reno­vier­ten Häus­chen (lohnt sich schließ­lich). Aber das sind Äußer­lich­kei­ten. Sobald es dar­um geht, was „nor­mal“ ist, und was nicht, wird es fins­ter. Bes­ter Beleg dafür sind die gera­de hoch­ko­chen­den Debat­ten um die Auf­nah­me der Akzep­tanz unter­schied­li­cher Lebens­for­men (ja, inklu­si­ve sexu­el­ler Viel­falt) in den Bil­dungs­plan 2015 (Leit­prin­zi­pi­en hier als PDF abruf­bar; dazu gene­rel­le Infor­ma­tio­nen zur Reform).

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Photo of the week: Castle in the lake I

Castle in the lake I

 
Mei­ne Toch­ter meint, die­ses Foto hier erin­ne­re sie an das Schloss des bösen Rit­ters Kato in Astrid Lind­grens Geschich­te Mio, mein Mio. Ich habe mich jeden­falls in das traum­haf­te Blau die­ses Fotos ver­liebt – und mich gefreut, dass ich einen der frei­en, früh­lings­haf­ten Tage zwi­schen Weih­nach­ten und Neu­jahr zu einem klei­nen Foto­aus­flug an den gro­ßen Opfin­ger genutzt habe. Der lag ziem­lich still und magisch blau da, und da stand dann eben auch die­se Burg. 

Ein paar Notizen zu David Brin, Existence

Existence - David Brin

Gute Vor­sät­ze, da war doch was. Genau: Ich habe mir vor­ge­nom­men, häu­fi­ger über das, was ich lese, zu schrei­ben. Das betrifft vor allem Sci­ence Fic­tion. Nicht mit dem Anspruch einer hoch­wer­ti­gen Kri­tik von vor­ne bis hin­ten, und auch nicht immer, aber dafür öfter. Zu dem, was mir so auf­ge­fal­len ist beim Lesen, und was nach dem Lesen hän­gen­ge­blie­ben ist.

Ich fan­ge mal mit David Brins 2012 erschie­ne­nem Roman Exis­tence an, der mich meh­re­re Näch­te dazu ver­lei­te­te, viel zu lan­ge wach zu blei­ben. Brin ist einer der eso­te­ri­sche­ren Hard-SF-Autoren; sei­ne Bücher sind – wie es sich für einen aka­de­misch täti­gen Astro­phy­si­ker gehört – zunächst wis­sen­schafts­nah und sehr rea­lis­tisch, fan­gen aber irgend­wann an, extrem spe­ku­la­tiv zu wer­den (wenn auch nicht in dem Aus­maß wie bei Greg Egan). Trotz­dem gefällt mir die ers­te Hälf­te des um die 650 Sei­ten umfas­sen­den Wer­kes Exis­tence deut­lich bes­ser als die zwei­te Hälf­te. Gleich mehr dazu, war­um, aber zunächst ein Blick aus der Vogelperspektive.

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Photo of the week: 22-Uhr-Feuerwerk XXXIV

22-Uhr-Feuerwerk XXXIV

 
Dies­mal habe ich mich schwer getan mit dem Foto der Woche – das ers­te im neu­en Jahr muss natür­lich ein Sil­ves­ter­fo­to sein, auch wenn ich in den Tagen zwi­schen den Jah­ren die Zeit und den Son­nen­schein für eine gan­ze Rei­he wei­te­rer Fotos gefun­den habe, die eben­falls alle gut dafür geeig­net wären, als Foto der Woche ver­wen­det zu werden. 

Da mich jetzt der Arbeits­all­tag wie­der hat (na gut, nach dem ver­län­ger­ten Wochen­en­de) – am Diens­tag geht es mit der meist sehr inten­si­ven Frak­ti­ons­klau­sur los, dem­nächst wird das Lan­des­hoch­schul­ge­setz ins par­la­men­ta­ri­sche Ver­fah­ren kom­men, … – wird es ver­mut­lich die eine oder ande­re Gele­gen­heit in den nächs­ten Wochen geben, eines die­ser Zwi­schen-den-Jah­ren-Fotos hier zu prä­sen­tie­ren. Wer schon mal spi­ckeln will, kann dies hier tun.

Damit also, auch wenn’s Bei­trag Nr. 2 im Jahr 2014 ist, auch im Blog die bes­ten Wün­sche zum Jah­res­wech­sel. Möge 2014 ein biss­chen weni­ger inter­es­sant und dafür ein biss­chen ent­spann­ter sein als 2013.

Kurz: Exzellent verunsichert

Alt­kanz­ler­amts­mi­nis­ter Pofalla bekommt einen Pos­ten bei der Bahn – als Chef­lob­by­ist. Die Medi­en berich­ten, ver­kehrs- und anti­kor­rup­ti­ons­po­li­ti­sche Empörung.

Die Sati­re­sei­te Pos­til­lon behaup­tet, bereits am 1.1. ent­spre­chen­des berich­tet zu haben. Der Schluss liegt nahe (war­um eigent­lich?): Die Medi­en­ma­schi­ne hat fei­er­tags­be­dingt Sati­re für Ernst genom­men und dann schlicht von­ein­an­der abge­schrie­ben. Pofalla – eine gigan­ti­sche Ente?

Oder doch Meta­sa­ti­re? Denn Blog­posts zurück­da­tie­ren kann jeder. Pofalla bei der Bahn ist also doch der Ernst­fall, die Ente sind wir – aber für einen Moment ver­wisch­ten die Gren­zen. Allein schon die Plau­si­bi­li­tät, dass es eben Sati­re hät­te sein kön­nen, zeigt die Absur­di­tät die­ser Per­so­na­lie. Ver­un­si­che­rung par excel­lence. Und dafür Cha­peau, lie­ber Postillon!

P.S.: Der Tho­mas Knü­wer schreibt sehr viel aus­führ­li­cher eine klu­ge Ana­ly­se dazu, was hier pas­siert ist.