Heute Nacht um 4.30 hat es massiv gewittert, seitdem regnet es immer wieder. Bis dahin war’s heiß und sonnig, und dementsprechend heiß wurde es uns auch beim Einstieg in die Sommerferien mit einem Ausflug durchs Wildtal zur Zähringer Burg. Wobei wir die selbst links liegen gelassen haben und uns dann lieber ins Gasthaus gesetzt haben. Auf dem gewählten Weg sind das rund sieben Kilometer, mit Kindern und viel, viel Sonne, als wir außerhalb des Waldes das Wildtal durchquerten (vom Schümperlehof zum Waldbrunnerhof), hat’s dann doch etwas gedauert. Dafür gab’s Muffins (unterwegs), Eis und Limo (im Gasthof), einen Bussard und auf dem Rückweg sogar eine Ringelnatter.
Kurz: Angewandte Physik auf dem Balkon
Um meine Balkontomaten auch in Abwesenheit bewässern zu lassen, habe ich mir ein einfaches Bewässerungssystem gekauft: Tonspitzen, auf die PET-Flaschen geschraubt werden können. Durch den porösen Ton wird jeden Tag etwa ein Glas Wasser in die Erde abgegeben. Oben (also am Boden) in die PET-Flasche muss eine Öffnung. Die kann sogar so groß sein, dass bequem die Flasche mit der Gießkanne befüllt werden kann. Funktioniert.
Da diese Spitzen relativ teuer sind, freute ich mich, bei „Waschbär“ deutlich günstigere zu finden. Die kamen heute an, und enttäuschten mich zunächst: selbes Vorgehen wie oben, und innerhalb weniger Minuten entleerten sich 1,5 l Wasser in die Blumenerde – bzw. tropften unten aus dem Kasten wieder raus. Kein Wunder, handelt es sich hier doch einfach um perforierte Plastiktrichter mit Gewinde.
Was tun? Kurz nachgedacht, und dann (in einem anderen Blumentopf) mit einer PET-Flasche ohne Loch im Boden probiert. Jetzt perlt alle paar Minuten eine Luftblase nach oben. Damit scheint es also zu funktionieren – auch ohne poröse Tonspitze.
P.S.: Dünne PET-Flaschen werden bei dieser Lösung nach und nach zerquetscht. Insgesamt erscheint mir die Variante mit Tonspitze doch wesentlich ausgereifter.
P.P.S.: Nach Rückkehr aus dem Urlaub – durchwachsene Ergebnisse, so richtig zuverlässig scheinen mir beide Systeme nicht zu sein, einiges an trockenen Pflanzen, wobei die porösen Tonspitzen doch noch etwas besser abschneiden als das Plastik-System.
Kurz: State of the AfD
Jetzt ist es also amtlich: Gesetze und Landtags-GO enthalten keine Regelung, die eine Fraktionsmehrung verbieten. Zum Schnäppchenpreis von rd. 0,6 Mio. Euro pro Jahr (Steuergelder für Sockelfinanzierung Fraktion) kann die AfD sich also im Landtag von Baden-Württemberg durch zwei Fraktionen vertreten lassen. Mit entsprechend doppelter Redezeit, dem Recht, Untersuchungsausschüsse zu beantragen (zwei Fraktionen), einer doppelten Anzahl an Slots für Aktuelle Debatten und so weiter. Dazu kommen dann noch zwei Minuten Redezeit für das AfD-Mitglied Gedeon. Unschön, gerade auch deswegen, weil die AfD-Beiträge bisher weniger durch Sachkenntnis und mehr durch eine gewisse Rüpelhaftigkeit hervorstachen.
Die Grenze für eine Fraktion liegen bei sechs Abgeordneten. Theoretisch könnte die FDP/DVP sich jetzt in zwei teilen, die SPD könnte drei Fraktionen bilden, und auch eine weitere Zellspaltung der Meuthen-Gruppe wäre formal abbildbar (ob Meuthen seine Idee einer „dritten Fraktion“ zur Überwindung der von ihm herbeigeführten Spaltung so meinte?). Realistischer ist vermutlich eine Überarbeitung der Geschäftsordnung. Die kann rückwirkend nicht das Fraktionsmehrungsverbot einführen, wohl aber für die Zukunft. Bisher habe ich es als sehr wohltuend empfunden, dass im Landtag – anders als im Bundestag – Redezeiten und Debattenanrechte weitgehend nicht von der Fraktionsgröße abhängen. Ich befürchte, dass sich hier in Zukunft etwas ändern wird.
Und ob es im Untersuchungsausschussgesetz dabei bleibt, dass zwei Fraktionen einen Untersuchungsausschuss beantragen können, wird – so meine Einschätzung – auch davon abhängen, ob die AfD-Fraktionen dieses bisher sehr scharfe Instrument nutzen werden, um ihre politische Arena auszudehnen. Der AfD-Abgeordnete Räpple hat ja schon angekündigt, dass er gerne einen Untersuchungsausschuss „Mauscheleien des Ministerpräsidenten“ einsetzen würde – laut Untersuchungsausschussgesetz wäre dies als Minderheitenrecht möglich, wenn die beiden AfD-Fraktionen es wollen. So wird ein scharfes Instrument stumpf.
Update zu diesem Beitrag
Photo of the week: Bumblebee on lavender II
Hummeln – diese gemütlichen, dicklichen Fluginsekten – haben ganz schön scharfe Krallen. Das fällt aber erst bei genauerem Hinsehen auf. Was sich also manchmal lohnt.
Apropos Hummeln: Ich bin gerade damit fertig geworden, meinen Kindern den Hummelreiter Friedrich Löwenmaul vorzulesen. Epische Fantasy im Jugendbuch, auf rund 500 Seiten. Mit viel Humor, mit Anspielungen und Wortspielen, die eher die Vorleser*innen zum Schmunzeln bringen, aber auch mit einer spannenden (Anti-)Held*innen-Geschichte. Was ein Hummelreiter ist, und welche Aufgabe dem Hummelreiter Friedrich Löwenmaul in der Saga um Nordwärts und Südwärts zukommt, verrate ich jetzt nicht. Das Buch ist 2016 bei Beltz & Gelberg erschienen und ist die erste Kinderbuch-Veröffentlichung von Verena Reinhardt, laut Biografie Biologin („Bestäubungsverhalten der Honigbiene“) und Anglistin, hat auch schon zu „J.R.R. Tolkien’s Middle Earth as a Biosphere“ vorgetragen, und ist zudem Lead-Gitarristin in einer Punk-Band. Passt also alles zusammen. Der Verlag empfiehlt das Buch ab 10 Jahren, meine beiden sind sieben und zehn und fanden es beide spannend („Nur noch ein Kapitel, bitte! Los, lies weiter!“). Kostenpunkt: 17,95 € für einen schön gemachten Hardcover-Band.
Dauerschleifen
Patricia Cammarata hat was über die Gesellschaft der Liveticker aufgeschrieben, und ja, da ist einiges dran. Ich, ebenfalls Jahrgang 1975, zwar immer schon politisch interessiert, aber ebenfalls lange ohne Fernseher, kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als Ereignisse am nächsten Tag in den Zeitungen standen. Oder vielleicht eine halbe Minute in den Radionachrichten eingenommen haben. Journalistisch gefiltert, zwar sicherlich auch mit Meinung, aber nicht in einem Sumpf von Spekulation in Dauerschleife ausgebreitet.
Es gibt eine Sehnsucht nach einfacheren Zeiten. In der nostalgischen Verklärung der Vergangenheit, mit dem Blick auf den eigenen Erfahrungshorizont, erscheint 2016 als das Jahr, in dem die Welt ins Chaos stürzt. Emotional geht mir das auch so.




