Das Bild täuscht etwas – ganz so verregnet war dieser August im Endeffekt dann doch nicht. Und wenn Regentropfen Deko-Elemente auf hübschen roten Beerentrauben bilden, dann ist das doch auch was.
Kurz: Together! – Vitra Design Museum
Ich habe heute die Ausstellung „Together! Die Neue Architektur der Gemeinschaft“ im Vitra Design Museum in Weil besucht. Auch wenn der Wow!-Effekt fehlte, ist’s eine gut gemachte Ausstellung zu gemeinschaftlichem Wohnen und der dazugehörigen Architektur.
Das Vitra Design Museum ist halbwegs übersichtlich; die Ausstellung ist auf vier Räume aufgeteilt: Utopie – Architekturmodelle – Innensicht – Projekte. Die Utopie fängt im 18./19. Jahrhundert mit Arbeitersiedlungen und der Phalanstère Fouriers, aber auch mit US-amerikanischen Appartment-Hotels, an. Die aufgebauten Architekturmodelle erläutern (unter Rückgriff auf Farbcodes von Le Corbusier), wie sich Privatheit und (Halb-)Öffentlichkeit in verschiedenen Bauprojekten und Entwürfen begegnen. Das Zimmer zur Innensicht simuliert gemeinschaftliches Wohnen – so ein bisschen wirkt es wie ein begehbarer Ikea-Katalog. Nett sind hier die Details, etwa die Hartz-IV-Selbstbau-Möbel im Gemeinschaftsraum, die Literaturauswahl im Bücherregal oder das sorgsam arrangierte Chaos in Emils Kinderzimmer. Im vierten Raum schließlich werden einige Projekte an Schreibtischen im Detail vorgestellt – was waren die Ideen, wie wurden sie realisiert, wo gab’s Hürden. Auch das ist nett gemacht.
Das war’s dann auch schon. Für meinen Geschmack lag der Blick etwas zu sehr auf der Architektur, und zu wenig auf der sozialen Seite der Neuen Architektur der Gemeinschaft. Das Scheitern der Utopien beispielsweise fehlte, soweit ich das wahrgenommen habe, ebenso wie eine vertiefte Auseinandersetzung mit der mit solchen Wohnprojekten immer verbundenen Frage nach öffentlich/privat, aber auch nach Inklusion und Exklusion (kommt am Rand bei den Projektschreibtischen vor, aber eben auch nur am Rand). Eine weitere Leerstelle waren aus meiner Sicht „intentional communities“. Einige der dargestellten Utopien und Projekte gehen in die Richtung, aber richtig vor kamen weder Klöster noch Ökodörfer noch Landkommunen. Und Nachhaltigkeit und Commons spielte auch nur am Rand eine Rolle. Da wäre mehr möglich gewesen.
Die Ausstellung läuft noch bis 10.9., Eintritt 11 €. Website.
Kurz: Fahrtzeitverlängerung
Nach meinem Urlaub bin ich wieder im Dienst – und auch, wenn viel per Home Office geht, sollte ich doch ab und zu in Stuttgart sein. Also wieder Pendeln – mit einem zusätzlichen Problem: ein Tunnelbau bei Rastatt hat dort die Gleise zum Absenken gebracht, die Rheintalstrecke als eine der europäischen Hauptverkehrsadern ist auf unbestimmte Zeit unterbrochen.
Während mir die DB-App am Wochenende noch weiß machen wollte, dass meine Züge ganz normal fahren, gab’s heute morgen eine realistischere Ansage: der Pendler-IC direkt nach Stuttgart fällt aus, ebenso der Früh-ICE um 6.22 Uhr. Um 6.52 Uhr fährt – wie üblich – ein ICE nach Norden. Der endet allerdings in Baden-Baden, dort Umstieg in Busse bis Rastatt, von da weiter mit dem RE nach Karlsruhe, dann ein IC nach Stuttgart.
Bisher klappt das alles ganz gut. Die Züge sind pünktlich, es gibt Ansagen und Auskunftspersonen. Erstaunlicherweise als unflexibel erweisen sich die digitalen Anzeigen in den Zügen – die zeigen Unsinn oder schlicht gar nichts an. Manko 1: am Bahnhof Baden-Baden ist der Weg vom Ankunftsgleis (4) zu den Bussen (direkt vor Gleis 1) nicht ausgeschildert, zudem wird der Bahnhof gerade umgebaut, u.a. sind die Aufzüge derzeit außer Betrieb. Manko 2: in Rastatt und Karlsruhe jeweils rund 20 Minuten Wartezeit – zusammen mit der Busfahrt und der im Vergleich zum üblichen IC in Freiburg späteren Abfahrt kommen so gut eine Stunde Verspätung (eine Richtung) zustande, im Vergleich zum 6.22-ICE sind’s sogar 1½ Stunden. Das ist mir für Hin- und Rückreise an einem Tag zu viel. Auf meine Anfrage, ob die Bahn bereit ist, die zusätzlichen Übernachtungskosten zu übernehmen, habe ich leider noch keine Antwort …
Insgesamt: zufriedenstellendes Krisenmanagement – und die dringende Notwendigkeit einer Bahninfrastrukturpolitik, die Ausfälle mit einplant, statt Risiken zu ignorieren.
P.S.: Eben kommt die Meldung, dass die Strecke erst am 7. Oktober wieder freigegeben wird. Das heißt, auch nach Ende der baden-württembergischen Sommerferien, wenn es für viele und vieles so richtig los geht, bleibt es bei drei Stunden pro Richtung …
Photo of the week: Blue dragonfly II
Was ich ja sehr gerne mag, fast noch lieber als Schmetterlinge, sind Libellen (wie diese hier, die eine der drei oder vier Libellenarten repräsentiert, die am Opfinger See zu finden sind). Fotografieren lassen die sich trotzdem nur unter Schwierigkeiten, also nur dann, wenn sie mal länger stillstehen. Was selten vorkommt.
Zehn Regeln für Demokratie-Retter

Nur etwas mehr als hundert Seiten umfasst das Büchlein Zehn Regeln für Demokratie-Retter des Kölner Journalisten Jürgen Wiebicke, das als Lizenzausgabe der Bundeszentrale für politische Bildung für 1,50 € erhältlich ist. Und eigentlich ist alles, was Wiebicke dort locker erzählend aufschreibt, selbstverständlich. Oder sollte selbstverständlich sein. Vielleicht braucht eine im Angesicht eines auflodernden Rechtspopulismus verunsicherte Gesellschaft genau diese Bestätigung des Selbstverständlichen, und vielleicht ist Wiebickes Buch gerade deswegen ein wichtiges Vademecum für Bürgerinnen und Bürger.
Oder vielleicht ist das Büchlein auch deswegen wichtig, weil sich hinter den Regeln, hinter dem Aufruf zu Gelassenheit und lokalem Engagement auch einige Sätze verbergen, die möglicherweise nicht auf Zustimmung stoßen oder nicht sofort geteilt werden.


