Eigentlich wollte ich ja jetzt nicht schon wieder eines der in Berlin aufgenommenen Fotos posten. Aber erstens bin ich noch nicht dazu gekommen, die anderen auf den Rechner zu kopieren und zu bearbeiten, und zweitens passt das hier doch sehr schön, nachdem der Artikel zu Johannes Ponader, Arbeit und Grundeinkommen – für mich ziemlich überraschend – eine für dieses Blog extrem weite Verbreitung gefunden hat, und innerhalb von drei Tagen mehr als 3000 mal aufgerufen wurde. CARTA hat den Text übernommen und hat wohl bis dato eine ähnlich große Leserschaft erreicht. Freut mich sehr, und ich hoffe, auch über den Tag hinaus (Blogzugriffe auf neue Artikel haben eine Halbwertszeit von ungefähr einem Tag – 1600 Aufrufe, 800 Aufrufe, 400 Aufrufe …) damit die eine oder andere Denkanregung gegeben zu haben. Manchmal lohnt es sich doch, sich hinzusetzen und den im Kopf rumspukenden Rant runterzuschreiben.
Die drei Ebenen des Falls Johannes Ponader
Der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher ist ja sowas wie ein Piratenfan. Auch deswegen ist dem politischen Geschäftsführer der Piraten, Johannes Ponader, ein kleiner medialer Coup gelungen: Er hat – um die Pointe vorwegzunehmen – öffentlich erklärt, auf seinen Arbeitslosengeld-II-Anspruch zu verzichten. Das hat eine ganze Menge unterschiedlicher Reaktionen ausgelöst, vor allem von denen, die Ponaders Überschrift „Abschied vom Amt“ falsch verstanden haben. Parteiübergreifend, versteht sich (schön analysiert dies das Blog der digitalen LINKEN). Und es war auch eine Reaktion – darauf, dass versucht wurde, ihn öffentlich in eine Reihe mit Florida-Rolf etc. zu stellen, also als einen, der Sozialleistungen missbraucht.
Ich finde Ponaders Reaktion nach wie vor respektabel.
Kurz: Kartoffelernte vom Balkon
Kartoffeln, die etwas liegenbleiben, fangen bekanntermaßen an zu keimen. Vor einiger Zeit hatten wir eine beim besten Willen nicht mehr verzehrfähige Kartoffel. Die haben wir auf Z.s Wunsch dann auf dem Balkon in einem großen Blumentopf eingepflanzt. Seit ein paar Tagen fing die Kartoffelpflanze, die sich daraus entwickelt hatte, zu verdorren an.
Heute haben wir dann Kartoffeln geerntet – eine ganze Portion, deutlich mehr als die erwarteten Puppenkartöffelchen. Z. hat sich gefreut – und ich auch:

Photo of the week: Nightly reflection
Zur Mitte des Jahres 2012 mal eine kurze Leistungsbilanz. Nach offizieller WordPress-Statistik wurde mein Blog in den letzten sechs Monaten so oft angeschaut („views“):
| Januar 2012 | 2439 | 78,7 pro Tag |
| Februar 2012 | 6114 | 210,8 pro Tag |
| März 2012 | 4636 | 149,5 pro Tag |
| April 2012 | 4129 | 137,6 pro Tag |
| Mai 2012 | 3949 | 127,4 pro Tag |
| Juni 2012 | 3461 | 115,4 pro Tag |
Im Schnitt sind das 4121 Views pro Monat im ersten Halbjahr 2012. Im gleichen Zeitraum im Vorjahr waren es 4326 Views pro Monat (mit einem massiven Peak zur Landtagswahl 2011). Im zweiten Halbjahr 2011 sank diese Zahl dann massiv auf durchschnittlich 2261 Views pro Monat – das hat auch einiges mit dem Reinkommen in meinen neuen Job zu tun. Insofern finde ich die Zahlen für das erste Halbjahr 2012 durchaus erfreulich – und danke allen, die mitlesend, kommentierend oder auch flatternd zum Gelingen dieses Hobbys beitragen.
Machtblindheit, oder: ist Law Code?
I. Deutungshoheit und die Wirkung von Texten
Das eine ist die unglaubliche Naivität, mit der manche Menschen an Positionspapiere, Satzungen und Gesetze herantreten. Vielleicht schlägt da bei mir der Soziologe durch, aber wer glaubt, dass ein Text, nur weil in diesem Text etwas steht, alleine Wirkung entfaltet, leidet aus meiner Sicht an einer Wahrnehmungsstörung. Eine Wahrnehmungsstörung, die sich vielleicht am treffendsten als „Machtblindheit“ bezeichnen lässt.
Machtblindheit meint hier nicht, blind vor Macht zu sein, sondern nicht zu sehen, dass jeder Text deutungs- und interpretationsoffen ist. Dass jeder zu einem Werkzeug in einem Akteursnetzwerk gemacht werden kann, um bestimmte Ziele zu erreichen und andere Ziele zu verhindern.
Die Deutungsmöglichkeiten sind dabei nicht beliebig, aber sie sind sehr viel größer, als viele sich das vorstellen. Wer sich letztlich mit seiner Deutung durchsetzt, hat etwas mit diskursiver Hegemonie zu tun, aber eben auch damit, wer am sprichwörtlichen längeren Hebel sitzt.




