Photo of the week: Copenhagen (part I)

Wie schon bei Flo­renz zu Ostern (und ja, wie eigent­lich immer bei Rei­sen …) gibt es sehr vie­le Fotos, die ich aus Kopen­ha­gen mit­ge­bracht habe. Inzwi­schen habe ich sie sor­tiert und auf Flickr gestellt. Um mei­ne Pho­to-of-the-Week-Rubrik nicht zu über­frach­ten, gibt es heu­te dann gleich meh­re­re Fotos – und ein biss­chen Text dazu. Nächs­te Woche fol­gen dann noch Pri­de, Chris­tia­nia und Museen.

A day at the sea - IX

Das Meer

Kopen­ha­gen liegt am Meer (ich weiß gar nicht genau, ob das an die­ser Stel­le noch/schon Ost­see ist, oder ob der Öre­sund da aus­ge­nom­men ist), und das merkt man der Stadt an. Inzwi­schen kann auch im Hafen­ge­biet an vie­len Stel­len geba­det wer­den. Das wur­de auch eif­rig getan. Ich selbst habe mir ein Fahr­rad geschnappt und bin ins mon­dä­ne Klam­pen­borg etwas nörd­lich der Stadt gera­delt. Dort gab es Son­nen­schein, weiß gestri­che­ne Häu­ser, einen wun­der­ba­ren Sand­strand, blau­es Meer – nur zum Schwim­men war’s etwas kalt.

Die Fahrräder

Dybbølsbro - I

Zuge­ge­be­ner­ma­ßen war ich vor eini­gen Jah­ren in Hol­land beein­druck­ter von der Fahr­rad­in­fra­struk­tur, aber auch die in Kopen­ha­gen ist erle­bens­wert. Es gibt vie­le brei­te Rad­we­ge, par­ken­de Autos sind vie­ler­orts in Neben­stra­ßen und Park­häu­ser ver­bannt, und eine gan­ze Rei­he von Brü­cken sind spe­zi­ell für Rad­fah­ren­de und Fußgänger*innen gedacht. Die gute Infra­struk­tur wird ent­spre­chend gut genutzt – so vie­le Fahr­rad­staus habe ich bis­her sonst nir­gend­wo erlebt. Posi­tiv, viel­leicht auch dem fla­chen Land geschul­det: kei­ne auf­ge­motz­ten E‑Bikes, son­dern zumeist gute alte Hol­land­rä­der. Genau das rich­ti­ge für den ent­spann­ten Stadt­ver­kehr. Kopen­ha­gen ist nicht per­fekt: die Aus­schil­de­rung der Haupt­rad­rou­ten fand ich nicht so schlüs­sig, und an Kreu­zun­gen war es manch­mal etwas unüber­sicht­lich. Auf dem Bild zu sehen: der sehr brei­te Rad­weg von Islands Bryg­ge nach Ves­ter­bro bei Son­nen­un­ter­gang. Das wei­ße Gebäu­de rechts ist übri­gens eine neu gebau­te Schu­le – samt Dach­gar­ten und Rut­sche von einem Stock­werk ins andere. 

Die Architektur I

Kaktustårnene (Cactus towers) - III

Kopen­ha­gen ist eine Archi­tek­tur­me­tro­po­le. Es gibt ein sehr gut gemach­tes Archi­tek­tur­mu­se­um (mit einer Son­der­aus­stel­lung zu Recy­cling und Nach­hal­tig­keit im Bau, die ich sehens­wert fand) und es gibt fast über­all in der Stadt nicht nur die typi­schen klas­si­zis­ti­schen Stra­ßen­zü­ge (und eini­ge sehr spitz auf­ra­gen­de Tür­me), son­dern auch sehr sehr vie­le neue­re span­nen­de Bau­ten. Auf dem Bild hier sind die Kak­tu­stür­me zu sehen, die ich beson­ders ein­drucks­voll fand. Ich bin mir aller­dings nicht sicher, wie funk­tio­nal eigent­lich die weit aus­ra­gen­den Beton­ele­men­te sind, wenn ein Bal­kon als Bal­kon genutzt wird. Die Tür­me sind mit dem Dach des IKEA-Neu­baus ver­bun­den, das öffent­lich zugäng­lich ist. 

Die Architektur II

Carlsberg district - XX

Gut gelun­gen erscheint mir die Ver­bin­dung von Neu­em und Alten in dem neu­en Stadt­teil „Carls­berg“ auf dem ehe­ma­li­gen Braue­rei­ge­län­de (von dem noch das berühm­te Ele­fan­ten­tor steht). 

Weni­ger beein­dru­ckend als oft dar­ge­stellt dage­gen Superki­len in Nør­re­b­ro – der Stadt­park wirk­te bei mei­nem Besuch eher wenig ange­nom­men und etwas heruntergekommen. 

Die Architektur III

Ørestad South - XII

Weni­ger gut gefal­len hat mir Ørestad – ein groß ange­leg­ter neu­er Stadt­teil auf der Insel Ama­ger, zwi­schen Kopen­ha­gen und dem Flug­ha­fen (und der Brü­cke Rich­tung Mal­mö). Haupt­ach­se des Stadt­teils ist die auto­nom fah­ren­de Metro, die hier über­ir­disch auf Stel­zen unter­wegs ist. Links und rechts davon rei­hen sich Klöt­ze an Klöt­ze; erst ein wenig im „Hin­ter­land“ fin­den sich Wohn­sied­lun­gen. Hier gibt es ein Ein­kaufs- und ein Kon­gress­zen­trum, ins­ge­samt wirk­te das auf mich aber sehr nach dem Com­pu­ter­spiel „Cities Sky­li­nes“ und nicht nach einer men­schen­ge­rech­ten Stadt – die Plät­ze wirk­ten ver­las­sen und es gab spür­bar mehr Autoverkehr.

Photo of the week: Werkbund, Berlin

Werkbund, Berlin

 
Ende Sep­tem­ber war ich kurz in Ber­lin, vor allem, um an der Kon­fe­renz „Mut macht Zukunft“ der grü­nen Bun­des­tags­frak­ti­on teil­zu­neh­men. Etwas Zeit am Tag davor konn­te ich bei schöns­tem Herbst­wet­ter zum Spa­zie­ren­ge­hen nut­zen – von der East Side Gal­lery zur Spree­insel. Neben den letz­ten Res­ten des Ber­lin Mara­thons und dem „Holz­markt“ (der mich sehr an bestimm­te Ecken in Frei­burg erin­ner­te) habe ich die Zeit genutzt, ins Werk­bund­ar­chiv („Muse­um der Din­ge“) zu gehen. Bzw.: ich hat­te das vor, rich­tig viel zu sehen gab es aller­dings nicht, weil das Muse­um nach einem zwangs­wei­sen Umzug gera­de umge­baut wird. Ich konn­te einen kur­zen Blick auf die Frank­fur­ter Küche erha­schen und mir die klei­ne Aus­stel­lung „Pro­fi­to­po­lis oder der Zustand der Stadt“ angucken. 

Die war inso­fern inter­es­sant, weil sie die heu­ti­ge Debat­te über Miet­hö­hen, Boden­spe­ku­la­ti­on und Städ­te­pla­nung in den Kon­text ähn­li­cher Dis­kus­sio­nen zum einen in den 1920er und 1930er Jah­ren, zum ande­ren – wie im Foto oben zu sehen – in den 1970er und 1980er Jah­ren stell­te. Min­des­tens drei der hier abge­bil­de­ten Bücher fin­den sich auch in unse­rem häus­li­chen Bestand, ich bin mit die­sen Debat­ten auf­ge­wach­sen. Inso­fern: inter­es­sant zu sehen, wie die Umge­stal­tung der Stadt vor fünf­zig Jah­ren dis­ku­tiert wur­de, samt Ori­gi­nal­mit­schnit­ten aus dama­li­gen Fern­seh­sen­dun­gen etc. Haben wir was dar­aus gelernt? Oder sind wir im Pen­del­aus­schlag der Geschich­te wie­der an einem ähn­li­chen Punkt angekommen? 

Photo of the week: Glashaus / nighttime

Glashaus / nighttime

 
So sieht das hier im Rie­sel­feld nachts aus. Unschein­bar, klot­zig – nicht zu sehen sind die Tem­po-30-Rege­lun­gen, die Solar­pa­nels oben auf dem Glas­haus, die Kin­der- und Jugend­me­dia­thek, das ehren­amt­li­che Cafe, die Sozi­al­be­ra­tung und der Bür­ger­ver­ein, die innen drin ste­cken, die Car­sha­ring-Autos vor der Tür, die Stra­ßen­bahn­an­bin­dung, die Viel­falt der Her­künf­te und Hin­ter­grün­de der Stadt­teil-Bewoh­ne­rIn­nen, die Grün­flä­chen samt Pick­nick­de­cken und urba­nem Gar­ten, der Neun­au­gen­bach, die Spiel­plät­ze und der nahe Wald mit sei­nen Wald­kin­der­gär­ten und den Mun­den­hof. Und so ein biss­chen Stadt haben wir auch. All das halt, was das Rie­sel­feld zu einem beson­de­ren Stadt­teil macht. So kön­nen Fotos täuschen.

Plätze machen Städte

2014-wiese-statt-steinwüste

Frei­burg nennt sich ja manch­mal „Green City“. Je nach­dem, was genau unter „grün“ in die­sem Zusam­men­hang ver­stan­den wird, durch­aus zu Recht. Das Vau­ban-Vier­tel ist ein gelun­ge­nes sozi­al-öko­lo­gi­sches Expe­ri­ment, über das Rie­sel­feld lie­ße sich ähn­li­ches sagen, es gibt Rad­ex­press­we­ge, Stra­ßen­bah­nen, Tofu­brat­würs­te, Wind­rä­der, grü­ne Wahl­er­geb­nis­se, einen grü­nen OB und ein Milieu, das durch­aus schon in das ein­schlä­gi­ge Lied­gut Ein­gang gefun­den hat.

Wer durch die Innen­stadt geht, das Flair des Müns­ter­markts und die Hän­ge des Schwarz­walds bewun­dert, sieht davon aller­dings nicht unbe­dingt etwas. Oder, ganz stimmt das nicht: der Rott­eck­ring zwi­schen dem Stadt­thea­ter mit poli­ti­schem Anspruch, der Uni­ver­si­tät, die jetzt auf Nach­hal­tig­keit setzt, und dem neu­en Kris­tall­pa­last der Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek ist für den Auto­ver­kehr gesperrt und wird noch nicht von den geplan­ten Stra­ßen­bahn­li­ni­en durch­kreuzt. Nur Fahr­rad­fah­re­rIn­nen und Fuß­gän­ge­rIn­nen que­ren – in Frei­burg-übli­chen Mas­sen den Platz.

„Plät­ze machen Städ­te“ weiterlesen

Unsichtbare Wahlkampfthemen: Platz der Alten Synagoge

KG II, I

Es gibt Wahl­kampf­the­men, die prä­sent sind. In Frei­burg gehört die Fra­ge Stadt­bau, Mie­ten, Woh­nungs­si­tua­ti­on sicher dazu. Es gibt aber auch Wahl­kampf­the­men, die unter­schwel­lig vor sich hin­kö­cheln. Mög­li­cher­wei­se ist die geplan­te Umge­stal­tung des Plat­zes der Alten Syn­ago­ge ein sol­ches unter­schwel­li­ges Wahl­kampf­the­ma. Viel­leicht ist’s auch eines, dass nur Stu­die­ren­de und deren Umfeld (also mich z.B. ;-)) wirk­lich inter­es­siert. Hell­hö­rig gemacht hat mich jeden­falls die Tat­sa­che, dass im aktu­el­len u‑as­ta-infou‑Bote lis­ten­über­grei­fend gleich sie­ben der dort por­trä­tier­ten zwölf „stu­den­ti­schen“ Kan­di­da­tIn­nen für die Gemein­de­rats­wahl den Platz der Alten Syn­ago­ge ansprechen. 

Ich wür­de mich freu­en, eini­ge die­ser Stim­men dann auch im Gemein­de­rat wie­der­zu­fin­den (und nein, das soll jetzt kei­ne Wahl­emp­feh­lung für die Kan­di­da­tIn­nen der SPD oder CDU wer­den – aber wer schon die­se Par­tei­en wäh­len möch­te, kann ja mal in der Stimm­ge­wich­tung nach­den­ken, wer passt). Bei eini­gen ist auch gar nicht so ganz klar, was sie jetzt eigent­lich wol­len. Zumin­dest das The­ma wird aber gesetzt – das ist schon mal ganz gut so.

Hier die wich­tigs­ten Zita­te (in der Rei­hen­fol­ge, in der das u‑as­ta-info sie abge­druckt hat – lei­der haben sich nicht alle Lis­ten an der Kan­di­da­tIn­nen-Vor­stel­lung dort betei­ligt. Die Lin­ke Lis­te z.B. darf ihre Posi­ti­on ger­ne im Kom­men­tar­feld zu die­sem Bei­trag nachholen ;-)):

„Oft haben wir ganz eige­ne Anlie­gen, z.B. eine Umge­stal­tung des Plat­zes der Alten Syn­ago­ge, die auch die Inter­es­sen der Stu­die­ren­den berück­sich­tigt […]“ (Anna Schmid, Bünd­nis 90/Die Grü­nen, Platz 15)

„[…] möch­te ich mich, falls gewählt, für fol­gen­de Din­ge ein­set­zen: […] Umge­stal­tung des Plat­zes der Alten Syn­ago­ge mit mehr Grün­flä­chen […]“ (Johan­nes Wald­schütz, Bünd­nis 90/Die Grü­nen, Platz 22)

„Ein ande­rer Punkt ist der Umbau des Rott­eck­rings und des Plat­zes der Alten Syn­ago­ge vor dem KG II. Hier soll­ten mei­ner Mei­nung nach die Bedürf­nis­se und die Lebens­welt der Stu­die­ren­den bes­ser berück­sich­tigt wer­den.“ (Dani­el San­der [!], CDU, Platz 2)

„Die Stadt ent­schei­det […] wie der Platz der Alten Syn­ago­ge gestal­tet wird. […] Es gibt also vie­le Grün­de, war­um Stu­die­ren­de sich für Kom­mu­nal­po­li­tik inter­es­sie­ren und enga­gie­ren soll­ten.“ (Hen­ri­ke Hepp­rich, GAF, Platz 6)

„Zur Kom­mu­nal­po­li­tik kam ich über die Hoch­schul­po­li­tik – und anders­rum. Rott­eck­ring und Platz der Alten Syn­ago­ge sol­len seit vie­len Jah­ren umge­stal­tet wer­den […] Stein­wüs­te statt Wie­se? […] Nicht mit mir!“ (Kon­stan­tin Gör­lich, GAF, Platz 15)

„The­men wie die […] Stadt­ent­wick­lung (Platz der alten Syn­ago­ge, Rem­part­stra­ße) […]“ (Kai-Achim Kla­re, SPD, Platz 5)

„Die Umge­stal­tung des Plat­zes der Alten Syn­ago­ge betrifft uns in hohem Maße. Mit dem der­zei­ti­gen Ent­wurf ist die Mehr­heit unzu­frie­den. Vor allem muss die Grün­flä­che vor dem KG II erhal­ten blei­ben. Sie ist ein wich­ti­ger Ort, um Son­ne zu tan­ken, zu ler­nen und Freun­din­nen und Freun­de zu tref­fen.“ (Mari­el­la Schar­fen­berg, SPD, Platz 26)

War­um blog­ge ich das? Aus der lei­sen Hoff­nung her­aus, dass Kom­mu­nal­wah­len man­che schein­bar schon fest­ste­hen­den Tat­sa­chen doch noch ver­än­dern können.