In dem auch sonst sehr lesenswerten Kinderfilmblog habe ich die Frage nach den Lieblingskinderfilmen von mir und meinen Kindern beantwortet – was gar nicht so einfach war.
Was ich so lese, oder: gesellschaftskritische Science Fiction
Eigentlich wollte ich dazu nichts sagen, aber ich muss jetzt doch mal ein paar Worte über den Text „Magische Klassenkämpfer“ von Florian Schmidt (am 22.8. im Freitag erschienen) loswerden. Schmidt breitet dort die These aus, dass – platt gesagt – früher Science Fiction ein emanzipatorisches Genre war und heute im Dienst der Reaktion steht. Das ist falsch.
Äpfel und Birnen, Bücher und Filme
Das ist zum einen falsch, weil er Äpfel mit Birnen vergleicht. „Früher“ sind für ihn die – in der Tat spannenden, lesenswerten, hochgradig interessanten – Bücher von Ursula K. Le Guin (The Dispossessed), Joanna Russ (z.B. The Female Man) und Marge Piercy (Woman at the edge of time und He, she, and it). Das sind drei liberal-feministische AutorInnen, die sich auf hohem literarischen Niveau in den 1970er und 1980er Jahren mit den Möglichkeiten und Grenzen einer besseren Gesellschaft auseinandergesetzt haben. Ich habe sie sehr gerne gelesen.
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Photo of the week: Coffee with a butterfly III
Vor kurzem beim Frühstück im Schwarzwald war da dieser Schmetterling (nach kursorischer Suche in Wikipedia und dem von dort verlinkten Lepiforum könnte es sich um den Gemeinen Scheckenfalter, Melitaea aphalia, handeln – oder vielleicht auch um einen anderen Scheckenfalter), der sich nach einigen Kreisflügen rund um den Frühstückstisch dann traute, näherzukommen und sich niederzulassen – zuerst auf Füßen und Beinen, und dann, vielleicht angelockt von Zuckerresten, auf einem Finger an der Kaffeetasse. Und blieb dann da, farblich ganz passend zum Morgenkaffee in der Sonne.
Was mich zum allmählich heißer werdenden Wahlkampf mit seiner dahin dümpelnden, unentschiedenen Gleichförmigkeit bringt. Was fehlt, ist der Flügelschlag eines Schmetterlings, der das Wahlkampfklima verändert. Auf mich wirkt die Gesamtlage mit ihren Ausschlüssen und den möglicherweise fehlenden Mehrheiten gerade wie einer dieser Steintürme, die im Sommer gerne in der Dreisam gestapelt werden. Ein Schmetterling, der sich draufsetzt, bringt dann möglicherweise alles ins Rutschen, Wackeln und Kippen. (Schnecken halte ich dafür weniger geeignet). Bei angeblich drei Viertel noch unentschlossenen WählerInnen ist das, was stabil und unverrückbar aussieht, vielleicht doch viel kippeliger. Nur müsste sich mal einer von diesen Faltern dazu bequemen, sich niederzulassen – und dann eine Reaktion auszulösen. Ein bisschen Zeit ist ja noch. Aber die Ungeduld, ob sich nicht doch noch etwas bewegt, nimmt zumindest bei mir zu.
Kurz: M, F, X – Geschlechterscrabble
Vor ein paar Tagen schrieb Heribert Prantl in der Süddeutschen über ein Gesetz aus dem Mai 2013, das es bei intersexuell geborenen Kindern erlaubt, auf eine Geschlechtszuweisung im Personalausweis etc. zu verzichten. Mit Verweis auf die Zeitschrift für das gesamte Familienrecht deutet Prantl diese Neuregelung als ersten Schritt hin zu einer dritten, rechtlich anerkannten Geschlechtsbestimmung: neben „männlich“ und „weiblich“ eben auch „unbestimmt“ – und fragt sich, was für Auswirkungen das dann auf viele existierende, gezielt „Männer“ oder „Frauen“ benennende gesetzliche Regelungen hat.
Ich finde das aus verschiedenen Gründen spannend. So zieht der Gesetzgeber hier zunächst einmal den biosozialen Realitäten nach, wenn ich etwa an die sozialwissenschaftliche Debatte um ein Drittes Geschlecht denke, angelegt etwa in der Kritik der Zweigeschlechtlichkeit. Da wird dann allerdings eher der Verzicht auf feste Geschlechtskategorien gefordert als eine drittes Geschlechterkategorie. Aber auch anthropologische Verweise auf Gesellschaften, die ein drittes Geschlecht kennen, sind häufig, beispielsweise die Hijra Südasiens. Und natürlich wird in der Science-Fiction-Literatur wiederholt mit zukünftigen Gesellschaften experimentiert, in denen es drei oder mehr Geschlechtsidentitäten gibt (etwa in Greg Egans Roman Distress von 1995).
Richtig interessant würde es allerdings, wenn mit der Einführung einer dritten, „unbestimmten“ Geschlechtskategorie im deutschen Personenstandsrecht eine Entkopplung zwischen Biologie und sozialem Geschlecht verbunden wäre. Eine unbestimmte Geschlechtskategorie für intersexuelle Menschen – also Menschen mit uneindeutigen oder doppelten Geschlechtsmerkmalen – einzuführen, ist sicherlich ein sinnvoller Schritt. Aber warum nicht gleich noch einen Schritt weitergehen, und allen, die keine Lust dazu haben, sich dem einen oder dem anderen biosozialen Geschlecht zuordnen zu lassen, diese Wahlmöglichkeit que(e)r zur Zweigeschlechtlichkeit ebenfalls eröffnen?
Rein in die Kuschelecke? Raus aus der Kuschelecke!

Während die SPD in Berlin ihr Deutschlandfest feierte – Anlass: 150 Jahre Sozialdemokratie – fand in Frankfurt am Main die „summer factory“ des Instituts Solidarische Moderne e.V. (ISM) statt. Das ISM hat sich vor einigen Jahren als „Denkfabrik der Mosaiklinken“ gegründet, zur intellektuellen Unterfütterung eines gemeinsamen rot-grün-roten Projekts, getragen von einzelnen Akteuren aus den entsprechenden drei Parteien und aus der real existierenden „Bewegungslinken“.
So ungefähr 100 Menschen aus dem ISM und seinem Umfeld trafen sich also in Frankfurt. Ein bisschen war das ganze auch eine Katzenjammerveranstaltung angesichts der Schwierigkeiten, gemeinsame rot-grün-rote Projekte nicht nur zu identifizieren, sondern daraus auch noch konkrete Politik zu machen. Die Aussichten für ein entsprechendes Bündnis nach der Bundestagswahl scheinen derzeit bekanntermaßen ja nicht die besten zu sein.
Ich bin zwar fast seit Gründung des ISM dort Mitglied (auch wenn ich den Namen nicht mag), war aber noch auf keiner ISM-Veranstaltung. Insofern wusste ich nicht so genau, was mich erwarten würde. Angelockt hatte mich in allererster Linie der Titel der „summer factory“ (die im Übrigen mit Regen endete). Der Titel klang verheißungsvoll: „Strategische Bedingungen eines Politikwechsels: Sozialökologische Transformation“. Darunter konnte ich mir was vorstellen. Dachte ich jedenfalls.
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