Photo of the week: Summer evening flowers

Summer evening flowers

 
Glück­wunsch in die USA, wo der Supre­me Court heu­te die Ehe für alle durch­ge­setzt hat! (Das Bild war das nächs­te zu einem Regen­bo­gen aus Blu­men, das ich gra­de zur Hand hatte …)

Ich bin gespannt, was Karls­ru­he wann tut. Und ob wir dann, im über­nächs­ten Schritt, über die Abschaf­fung der Ehe reden kön­nen. In rela­ted notes: Sci­ence Fic­tion ist kei­ne pro­gnos­ti­sche Lite­ra­tur, trotz­dem inter­es­sant zu sehen, wel­che Ele­men­te gesell­schaft­li­chen Fort­schritts, die in der SF-Lite­ra­tur seit den 1970er Jah­ren ins Jahr 2000 fol­gen­de pro­ji­ziert wor­den sind, nun tat­säch­lich umge­setzt wer­den. Und wel­che – gesell­schaft­li­chen wie tech­ni­schen Ele­men­te – nicht. Und wor­an das lie­gen mag.

Und noch­mal ganz was ande­res: Bei eini­gen der Blu­men oben weiß ich, um was es sich han­delt – bei ande­ren wür­de ich es ger­ne wis­sen. Wer Tipps dazu hat, ger­ne her damit. 

(Zur Iden­ti­fi­ka­ti­on:

1 – 2 Mohn – 3 Johan­nis­kraut? – 4 Margueritte
5 – 6 Acker­win­de – 7 – 8 Borretsch
9 – 10 – 11 Taub­nes­sel – 12 Blutweiderich)

Bundesjugendspiele, oder: Gesellschaft als Wettkampf

Mini ski

Über den Sinn und Unsinn von Online-Petio­nen lie­ße sich lan­ge strei­ten. Manch­mal hel­fen sie zumin­dest, ein The­ma auf die Agen­da zu set­zen. Bei­spiel: die vor eini­gen Tagen im Netz – und dann auch in den Medi­en – auf­ge­schla­ge­ne Peti­ti­on zur Abschaf­fung der Bun­des­ju­gend­spie­le. Die „Spie­le“ gibt es übri­gens seit 1951, den Vor­läu­fer seit 1920.

„Bun­des­ju­gend­spie­le, oder: Gesell­schaft als Wett­kampf“ weiterlesen

Kurz: Der lange Arm der Monarchie

Die Queen besucht Deutsch­land leib­haf­tig, und all­über­all (bis hin zu Rena­te-Kün­ast-Gast­bei­trä­gen) ver­brei­tet sich ein eigen­tüm­li­ches Gefühl. Es ist, ja was – eine Mischung aus Bewun­de­rung und Ehr­furcht, und zwi­schen den Zei­len und Sen­de­mi­nu­ten schwingt bei man­chen doch fast so etwas wie Sehn­sucht nach der Erb­mon­ar­chie mit. Da ist jeden­falls mehr als nur Cele­bri­ty-Rum­mel. Und als demo­kra­tisch gewähl­tem Ersatz­kö­nig fehlt Bun­des­prä­si­dent Gauck das gewis­se Etwas.

Der lan­ge Arm der Mon­ar­chie ist leicht zu erklä­ren: Bevor noch irgend­ein Kind etwas über Par­la­men­te erfährt, lernt es alles über wei­se Köni­ge, edle Prin­zes­sin­nen, wird viel­leicht sogar selbst so genannt, tap­fe­re Rit­ter-Prin­zen und star­ke Köni­gin­nen. Bis zum Alter von fünf Jah­ren bleibt die Feu­dal­zeit das mär­chen­haf­te Leit­mo­tiv der Kind­heit, wird Fami­lie und Königs­fa­mi­lie in eins gesetzt. Die fins­te­ren und blu­ti­gen Sei­ten wer­den im Mär­chen wie im Kin­der­ka­nal aus­ge­blen­det*, viel­mehr sind klei­ne Köni­ge nied­lich. Nie­mand ima­gi­niert sich als Leib­ei­ge­ner oder als Kammermädchen.

Kein Wun­der, dass das ein Schau­dern durch das Land läuft, wenn eine sol­che Mär­chen­fi­gur sich „in echt“ die – respekt­voll distan­zier­te – Ehre gibt. Arche­ty­pen wer­den gemacht – und das gilt auch für Köni­ge und Königinnen.

* Rit­ter Trenk wäre da eine Ausnahmen

Photo of the week: Ladybug I

Ladybug I

 

Som­mer­son­nen­wen­de – das Jahr ist halb vor­bei, die Tage wer­den schon wie­der kür­zer, aber der Som­mer fängt erst rich­tig an (mal sehen). Wir waren ges­tern wie fast jedes Jahr beim gro­ßen Som­mer­sonn­wend-Feu­er auf dem Frei­bur­ger Mun­den­hof (klei­ner Ein­druck, mehr Fotos spä­ter). Tags­über sah’s eher noch grau und reg­ne­risch aus, am Abend blieb es aber tro­cken und dank des gro­ßen Feu­ers dann auch sehr warm. Ich freue mich, dass es in Frei­burg eine Mög­lich­keit gibt, die­sen astro­no­mi­schen Merk­pos­ten als (sehr kin­der­taug­li­ches) Fest zu fei­ern. Und wün­sche allen einen schö­nen Sommer!

Unser Innenminister!

Vor ein paar Tagen erschien ein Arti­kel von Ulrich Schul­te in der taz, in dem er sich unter der Über­schrift „Ein Poli­ti­kum auf 140 Zei­chen“ damit aus­ein­an­der­setzt, was pas­sier­te, nach­dem Jörg Rupp einen inhalt­lich und sprach­lich dane­ben lie­gen­den Kom­men­tar zur Ham­burg-Wahl get­wit­tert hat­te. Ich will hier kei­ne Debat­te über Mücken und Ele­fan­ten anfan­gen, son­dern sage nur, dass die 15 Minu­ten des Ruh­mes für Jörg inzwi­schen vor­bei sind. Aber er ist ja nicht der ein­zi­ge, der Twit­ter für poli­ti­sche Kom­men­ta­re nutzt. 

Auch SPD-Innen­mi­nis­ter Rein­hold Gall tut das manch­mal:

Reinhold Gall: Ich verzichte gerne auf vermeintliche Freiheitsrechte wenn wir einen Kinderschänder überführen.

Hier bin ich gespannt, was wei­ter pas­siert. Wolf­gang Lue­nen­buer­ger-Rei­den­bach bei­spiels­wei­se for­dert Galls Rück­tritt. Auch der SWR berich­tet bereits über den Tweet. Neben vie­len ande­ren nimmt auch Claus von Wag­ner („Die Anstalt“) den Tweet zum Anlass für bis­si­ge Kom­men­ta­re.

Um auch dies fest­zu­hal­ten: Dass Gall sich – wie die Mehr­heit der Dele­gier­ten des SPD-Par­tei­kon­vents, mög­li­cher­wei­se anders als die Mehr­heit der SPD-Mit­glie­der – für die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung („VDS“) aus­spricht, ist bekannt. Das auch öffent­lich zu sagen, wäre kein Skan­dal. Dass der baden-würt­tem­ber­gi­sche Koali­ti­ons­ver­trag in die­sem Punkt sehr schwam­mig ist, ist eben­falls bekannt. Der Innen­mi­nis­ter hat hier eine ande­re Auf­fas­sung, wie der Ver­trag aus­zu­le­gen ist, als bei­spiels­wei­se der grü­ne Koalitionspartner. 

Was Gall ges­tern schrieb, geht aber weit dar­über hin­aus. Und das macht den Shit­s­tor­m­aspekt die­ses Tweets aus. Zum einen legt er (im Kon­text des gest­ri­gen SPD-Par­tei­tags) nahe, dass Vor­rats­da­ten­spei­che­rung dazu bei­tra­gen könn­te, sexua­li­sier­te Gewalt gegen Kin­der auf­zu­klä­ren. Dass hier die VDS mehr Erfolg ver­spricht als her­kömm­li­che poli­zei­li­che Maß­nah­men, ist min­des­tens umstrit­ten.

Noch infa­mer ist aller­dings das Wor­ding „ver­meint­li­che Frei­heits­rech­te“. Auch das wird z.B. von netzpolitik.org auf­ge­grif­fen. Denn Gall legt damit ja nahe, dass die infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung nur ein ver­meint­li­ches, aber kein ech­tes Frei­heits­recht ist. Zuge­spitzt stellt sich damit die Fra­ge, wel­che Grund­rech­te Gall sonst noch so als „ver­meint­lich“ anse­hen wür­de, und auf wel­che er – als Innen­mi­nis­ter! – ver­zich­ten wür­de, um die Auf­klä­rungs­quo­te bei schwe­ren Ver­bre­chen zu verbessern.

Wenn die SPD meint, sich mehr­heit­lich für die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung aus­spre­chen zu müs­sen, und – war­um auch immer – in ihrer inner­par­tei­li­chen Mei­nungs­bil­dung zu die­sem Ergeb­nis kommt, dann ist das zwar bedau­er­lich und durch­aus ein Grund für Empö­rung, letzt­lich aber erst ein­mal hin­zu­neh­men. Es gibt am Wahl­tag eine gan­ze Rei­he von Alter­na­ti­ven, die eine ande­re Posi­ti­on ver­tre­ten. Wenn ein Innen­mi­nis­ter per Twit­ter einen Kon­nex zwi­schen dem Kampf für Frei­heits­rech­te und der Dul­dung von Kin­des­miss­brauch auf­macht, dann fra­ge ich mich doch, was ihn dabei gerit­ten hat. Bekann­ter­ma­ßen gehö­ren zu den Par­tei­en, die in die­ser Sache eine ande­re Posi­ti­on als die SPD ver­tre­ten, auch Bünd­nis 90/Die Grü­nen. Ich wür­de ja ger­ne wis­sen, was Innen­mi­nis­ter Gall glaubt, was wir als Koali­ti­ons­part­ner der SPD in Baden-Würt­tem­berg tun, wenn wir für Bür­ger­rech­te kämpfen.

War­um blog­ge ich das? Zum einen, weil ich mich inhalt­lich der Empö­rung über die­sen Tweet durch­aus anschlie­ßen kann. Zum ande­ren aber auch, weil ich doku­men­tie­ren will, wie Twit­ter zuneh­mend als poli­ti­sches Medi­um (und damit auch als direk­ter Kanal zwi­schen poli­ti­schen Akteu­rIn­nen und den Medi­en) funktioniert.

P.S., 22.06.15: Die heu­ti­ge Ent­schul­di­gung über­zeugt nur bedingt:

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Bei der Gele­gen­heit: duden.de defi­niert „ver­meint­lich“ als „(irr­tüm­lich, fälsch­lich) ver­mu­tet, ange­nom­men; scheinbar“.

P.P.S.: Und auf Sascha Lobos wort­rei­che Wort-für-Wort-Ana­ly­se des Gall­schen Tweets muss ich nicht nur aus Voll­stän­dig­keits­grün­den auch noch verlinken.