Archiv der Kategorie: Gestaltungsfragen

Kurz: Klassenfrage

Als Bahn-Vielfahrer bin ich fast immer in der 2. Klasse unterwegs – weil mir die BahnCard 100 für die 2. Klasse mit über 4000 Euro pro Jahr schon teuer genug ist, aber auch, weil ich es einfach nie anders kennengelernt habe: Als Kind war es natürlich immer die 2. Klasse in IC und Nachtzug, wenn wir von Süd- nach Norddeutschland gefahren sind. Und später, als das anfing damit, zu Jugendverbandskongressen und Parteitagen, noch etwas später: zu Unidienstreisen, quer durchs Land zu fahren, war ebenso selbstverständlich, dass die Fahrtkostenerstattung sich auf die 2. Klasse bezog.

Wenn ich, wie jetzt grade, dank eines Upgrade-Gutscheins für treue Kunden, dann doch einmal in der 1. Klasse sitze, hat das was von fremden Terrain. Vertraut und zugehörig fühlt sich das nicht an. Bequemere Sitze und mehr Platz – das hätte ich auch gerne bei meinem Pendelalltag. Kostenlose Zeitungen, auch nett. Schwerer tue ich mich da schon mit der Servicekultur und der damit verbundenen aufgesetzten Ultrafreundlichkeit, der emsigen und ständigen Sorge um das Wohlbefinden der Reisenden – Sie werden am Platz bedient, eine kleine Aufmerksamkeit vielleicht, hätten Sie noch einen Wunsch? (Ähnlich fremdelnd ergeht es mir, wenn ich in vielsternige Hotels gerate …).

Das ist schlicht nicht meine Welt. Mit einer bourdieuschen Brille zu beobachten, wie die Angehörigen der 1. Klasse dieses Bedientwerden ganz selbstverständlich finden, ja überhaupt: wie sie sich geben, und dabei eine feine, inkorporierte Eleganz ausstrahlen – das ist durchaus interessant und zugleich ein schöner Beleg für milieuspezifischen Habitus und für die Existenz einer gewissen Klassengesellschaft auch in Deutschland. Was weit über Fragen der Zugehörigkeit hinaus Konsequenzen hat.

Photo of the week: Living room wall, hot/cold

Living room wall, hot Living room wall, cold

 
Allmählich gehen mir die leeren Wandflächen aus. Also insbesondere, seit ich angefangen habe, mit Acrylfarben zu experimentieren. Was auch nicht ganz stimmt – Bilder meiner Kinder (das abstrakte links unten ist z.B. von R., die Raupe links oben hat Z. gemalt, als sie noch ziemlich klein war) und auch das eine oder andere von mir (sowie ein paar postkartengroße Werke meiner Schwester, z.B. der Druck auf dem rechten Bild (rechts)) hängen seit geraumer Zeit ebenso an meinen Wänden wie diverse großformatige Fotoabzüge. Jetzt kommen noch Leinwände hinzu – in den Pfingstferien sind sowohl das »Gartenbild« an der orangenen Wand (unter dem Kalender) als auch das »Meeresbild« an der weißen Wand entstanden. Zwei Annäherungen an das Thema Sommer.

Kurz: Sonderbares Berlin

imageBerlin ist ja so ein bisschen eine hassgeliebte Stadt von mir. Vielleicht ist sie auch zu groß, um sie ganz zu greifen. Facetten blitzern auf und verschwinden wieder: das politisch-mediale Berlin in seiner inzestuösen Abschottung, das Touri-Berlin in verschiedenen Altersklassen, das Szene-Berlin (früher autonom, jetzt Hipster, aber immer uniform und konform). Und dazwischen ab und an auch etwas sehr Rauhes (in den Geschmacksrichtungen Ost und West).

Ich bin immer mal wieder in Berlin, meist politisch, manchmal auch privat, wie dieses Wochenende (ein paar Fotos). Klar sind es immer nur Ausschnitte, die ich da zu sehen kriege. Aber zusammen ergeben sie dann doch ein Gesamtbild.

Heute habe ich mir die Ausstellung West:Berlin angeschaut. Durchaus lohneswert – und lehrreich, was die Geschichte der bis heute durchschimmernden Exzeptionalität angeht. Inselstatus als Festung des freien Westens im Osten, Inselstatus als Rückzugsort und selbstgewähltes Gefängnis/Lautsprecher einer linksalternativen Bewegung. Beides hat eigene Praxen, Mythen und Identitätsbruchstücke generiert, die – so meine ich – in verschobener und verzerrter Form bis heute fortwirken, und erklären, warum in Berlin (im Guten wie im Bösen) manche Dinge anders laufen. Dahinziehen wollte ich nicht – interessant ist es allemal.

Kurz: Kaffeepause

Creating latte macchiatoIch beobachte, dass sich mein Kaffeegenuss in Richtung zweier dezidierter Muster entwickelt hat. An meinen Zuhause-Tagen mache ich mir zum Frühstück einen Kaffee mit aufgeschäumter Milch. Nach dem Mittagessen trinke ich noch einen Espresso mit einem Schuss Milch – gerne in der Sonne, gerne mit einem Stück Schokolade.

An meinen Stuttgart-Tagen ist mein Kaffeekonsum dagegen deutlich ausgeprägter: Den ersten Milchkaffee gibt es auf der Zugfahrt nach Stuttgart. Dort – auch dank der großartigen Fraktionskaffeemaschine – trinke ich dann im Lauf des Tages noch zwei bis drei Becher Cappuccino. (Und klar: die Sitzungen mit Filterkaffee gibt es manchmal auch noch).

Tage ganz ohne Kaffee? Schwer vorstellbar, jedenfalls nicht ohne längere Umgewöhnungszeit. Und ihr so?

Kurz: Gehirnprogrammierung


xkcd versucht sich an einer Erläuterung des Phänomens, CC-BY-NC 2.5. Randall Munroe

Das Netz diskutiert, ob dieses Foto ein weiß-goldenes oder ein blau-schwarzes Kleid zeigt. Ist eigentlich eine ziemlich seltsame Frage. Was bei mir grade dazu führte, dass ich es massiv interessanter fand als noch Minuten zuvor, ist ein Link, den ich in einer Debatte der Wahrnehmungspsychologie hinter diesem Phänomen bei reddit gefunden habe.

Bisher war das für mich ein weiß-goldenes Kleid, und ich konnte auch nicht so richtig verstehen, warum das blau sein soll, trotz diverser Erläuterungen, auch xkcd (oben) half nicht wirklich weiter.

Dann habe ich auf diesen Link geklickt (Achtung!), der das ursprüngliche Foto in Bezug auf Belichtung etc. farblich korrigiert. Seitdem sieht das Orignalfoto! für mich ebenfalls blau-schwarz aus – und nicht mehr weiß-gold. So einfach ist es, Gehirne umzuprogrammieren – und das ist das eigentlich Interessante an dieser Debatte.

Seite 4/20    1  …  3 4 5  …  20