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Kurz: Foren sind blöd!

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Journey of waiting XXXVI: yellow phoneJörg Tauss machte mich in Kommentar #99 zum vorhergehenden Artikel gerade darauf aufmerksam, dass die Grünen (konkreter übrigens: die Bundestagsfraktion) ihr Forum abgeschaltet haben. Ehrlich gesagt: mir war gar nicht bewusst, dass wir als Partei noch eines betreiben. Es scheint tatsächlich von einigen noch genutzt worden sein (insofern haben die Piraten jetzt die Gelegenheit, daraus eine riesige Elefantenmücke zu basteln und sich in ihrer Lieblingsgeste zu zeigen, die da lautet: »Wir helfen technisch unterentwickelten Parteien bei der Technik.«).

Ich habe – das ist zwischen den Zeilen vielleicht schon deutlich geworden – allerdings nicht den Eindruck, dass es um dieses Forum arg schade ist, und dass es einen großen Aufschrei deswegen geben wird. Es gibt inzwischen in der Tat jede Menge anderer (elektronischer) Kommunikationswege – von Twitter bis zur Kommentierung in grünen Blogs, und auch die direkte Mail ist weiterhin möglich. Insofern sehe ich hier eher eine Weiterentwicklung als eine Abschaffung politischer Kommunikation. Ich könnte das jetzt auch noch anhand der medialen Form begründen (Foren neigen zu Unübersichtlichkeit, sind auf aktive Nachfrage angewiesen, statt NutzerInnen direkt zu erreichen, tendieren dazu, In-Groups mit eigenen Kommunikationscodes zu unterstützen usw.). Oder ist das nur ein Bias meiner kommunikativen Sozialisation? (BBS, Mailinglisten, Web 2.0?).

Egal. Es gibt einen ganz einfachen Test auf die Sinnhaftigkeit einer politischen Kommunikationsform im Netz. Der lautet: Hat die dort stattfindende Kommunikation politisch etwas bewirkt? Mein Eindruck für das Forum der grünen Bundestagsfraktion: eindeutig nein. Aber vielleicht mag das ja jemand widerlegen.

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Kurz: Bio mit Gesicht

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The making of apple pie: the survivors

Seit einiger Zeit ist mir auf einigen der Bioprodukte, die ich so kaufe, der Hinweis auf das Portal »Bio mit Gesicht« aufgefallen (Naturland steckt u.a. dahinter). Kurz gesagt geht es dabei darum, dass auf jedem Produkt eine Nummer aufgedruckt ist, die auf der Website bio-mit-gesicht.de eingegeben wird. Heute habe ich es mal mit den Kartoffelpuffern ausprobiert, die wir zum Mittagessen gegessen haben (ja, ein Halbfertig-Bio-Convenience-Produkt). Und was soll ich sagen: es funktioniert. Die Nummer 1007323 führt nicht nur zu der Firma, die die Kartoffelpuffer produziert hat (mit Gruppenfoto), sondern geht die halbe Wertschöpfungskette lang – porträtiert wird die Tiefkühlbäckerei, der Kartoffelbauer, der Hof, der die Zwiebeln angebaut hat, der, der das Getreide angebautgeliefert hat, und die Mühle, die das Getreide gemahlen hat.

Finde ich erstmal ziemlich beeindruckend, so im Sinne einer Bewusstmachung der Arbeitsleistung und der vielen kollektiven Akteure, die an z.B. der Produktion von Bio-Kartoffelpuffern beteiligt sind. Und auch die mehr oder weniger regionalen Produktionszusammenhänge werden so sichtbar. Ich nehme an, dass der Aufwand dafür gar nicht so groß ist, weil vermutlich die entsprechenden Abschnitte der Wertschöpfungsketten eh für durchgehende Zertifizierungen erfasst werden müssen – so wird das ganze dann halt noch mit einem Hofportrait und einem Foto verbunden und online abrufbar gemacht. Ob’s allerdings mehr als ein nettes Bio-Gimmick ist, darüber bin ich mir noch unschlüssig. Soll heißen: hat die Möglichkeit, sich anzuschauen, wer da alles an meinem Essen mitmacht, einen Einfluss darauf, was ich kaufe?

Last but not least: Spannend wäre es, wenn es sowas auch für hochintegrierte Produkte wie z.B. Mobiltelefone gäbe …

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Irreführende Werbung bei Facebook

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Im öffentlichen Diskurs taucht in letzter Zeit immer öfter der Vergleich zwischen Facebook und Google auf. Das betrifft die Möglichkeit, über den sich im Netz ausbreitenden Like-Button sowas wie personalisierte Suchergebnisse zu generieren, es betrifft aber – in kleinerem Maße – auch die Tatsache, dass Google sein Geld mit Werbung verdient, und Facebook natürlich eine noch genauer auf persönliche Interessen abgestimmte Anzeigenvermarktung betreiben kann. So ganz plausibel finde ich diesen Vergleich nicht, aber darum soll es jetzt auch gar nicht gehen.

Vielmehr habe ich mich schon häufiger darüber gewundert, welche Kontakte bei Facebook von mir – angeblich – welche Produkte toll finden. In der Randspalte steht dann unter der Werbeanzeige sowas wie »XYZ likes this«. Auch die eigenen Features bewirbt Facebook in dieser Weise. Seit kurzem gibt es den »friend finder«, eine Funktion, die aus Datenschutzsicht heftig kritisiert wird. Letztlich geht es dabei darum, Facebook den Zugriff auf das eigene EMail-Adressbuch zu ermöglichen, um so dort gespeicherte Kontakte – und indirekte Verbindungen – bei Facebook zu finden (und seien es auch nur die anderen PatientInnen des eigenen Therapeuten). Mit anderen Worten: Facebook versucht hier, auf private Datenbestände zuzugreifen, um mehr Menschen dazu zu bringen, bei Facebook Mitglied zu werden.

Umso mehr wunderte es mich, als ich vor ein paar Tagen eine erstaunte Mail bekam, ob ich den diesen zu kritisierenden »friend finder« tatsächlich nutzen würde. Tue ich nicht, Facebook wirbt aber bei meinen Kontakten damit:

facebook-friendfinder
Screenshot des »Freundefinders« von Facebook – angeblich von mir empfohlen

Mal abgesehen davon, dass ene Nutzung nicht unbedingt auch eine Empfehlung bedeutet – zum Beispiel hätte es ja sein können, dass ich mir das angeschaut habe, um mir selbst ein Bild davon zu machen, wie problematisch die Umsetzung ist – wirbt Facebook hier mit falschen Tatsachen. Dafür kann es zwei Erklärungen geben.

1. Facebook sagt hier wissentlich die Unwahrheit und nimmt einfach irgendwelche Kontakte als »Empfehlung«.

2. Facebook und ich haben unterschiedliche Vorstellungen davon, was ein »friend finder« ist und wie er genutzt wird. Möglicherweise gehört ja schon die allgemeine Suche nach Personen oder ein Kontakt, den ich angenommen habe und der das Tool genutzt hat, aus Sicht von Facebook zur »Nutzung«. Ich habe jedenfalls definitiv noch nie Facebook den Zugang zu einem meiner Mailaccounts gegeben – das ist es, was ich unter »Nutzung des friend finders« verstehen würde.

Das ganze hat jetzt zunächst einmal den Effekt, dass sich für mich die Vermutung, dass es bei den Werbeempfehlungen durch Kontakte nicht ganz mit rechten Dingen zugeht, bestätigt. Mein Vertrauen in Facebook sinkt in dieser Hinsicht also.

Gleichzeitig wird es allerdings noch anderen Leuten so gehen wie Alexander – dass ihnen vorgegaukelt wird, ich würde den Freundefinder empfehlen. Das wiederum hat Auswirkungen auf meine digitale Reputation – und hier bin ich eher ratlos.

Warum blogge ich das? U.a. aus dem zuletzt genannten Grund – als kleiner Hinweis darauf, dass die Empfehlungen von Facebook »in meinem Namen« von mir in keinster Weise autorisiert sind.

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Kontrollverlust paradox

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Heute morgen oder so habe ich mich noch darüber gewundert, warum Michael Seemann aka mspro in seinem FAZ-Blog »Ctrl-Verlust« jetzt anfängt, gegen all seinen Prinzipien Fanboyhype um die neuste Version des Mobiltelefons der Fa. Apple zu machen.

Jetzt ist der Artikel weg – aber nicht nur das, auch das ganze Blog fehlt. Das ist 1. bedauerlich, lässt sich 2. in Richtung »FAZ und das Netz – wie es wirklich war« diskutieren, und stellt 3. ein extrem lehrreiches Beispiel über das Verhältnis von Infrastruktur, kapitalistischer »Kontrollmacht« und digitaler Arbeit dar.

Um das genauer auszuführen, würde ich jetzt gerne nochmal Seemanns Beiträge im Blog bei der FAZ durchblättern, was aber ja leider gerade nicht geht (s.o.). Deswegen nur so viel: Paradox ist das ganze, weil die Netzinfrastruktur (und sei es der Server, auf dem die Inhalte von faz.net liegen, und das darauf laufende CMS usw.) eben nicht unkontrolliert vor sich hin existieren, sondern in harte Kontrollstrukturen eingebunden sind. In Redaktionsabläufe, Vertragssysteme, Bezahlungen, Anstellungsverhältnisse, organisatorische Hierarchie, und was sich da noch alles finden lässt. Klar lässt sich der Inhalt des Blogs irgendwie rekonstruieren – aber, wie Michael Seemann selbst schreibt: er weiss nicht, ob er das darf. Er weiss auch nicht, ob die FAZ ihn weiter bezahlt, bzw. was diese Sperrung finanziell für ihn letztlich bedeuten wird.

Fazit: Wer gegen Geld bloggt, gerät damit in ein Abhängigkeitsverhältnis, das gar nicht neu ist, sondern seit Jahrzehnten rechtlich und sozial geregelt ist. Da geht’s ums Urheberrecht, um Verlagsverträge, um die Arbeitsbedingungen »fester Freier« im Journalismus. Das alles bleibt beim Zeitungsbloggen unsichtbar, solange die schöne neue Medienwelt glatt zu funktionieren scheint. Sobald das Organisationsgefüge dann aber doch aufgerufen wird, taucht dieses Abhängigkeitsverhältnis auf, und es stellt sich heraus, dass das alles dann doch nochmal eine ganz andere Qualität hat als z.B. mein Verhältnis zu meinem Hoster. Und dass da ein massives Maß an Macht und Kontrolle drin steckt.

Das soll jetzt nicht heißen, dass ich es furchtbar fände, wenn sich jemand fürs Bloggen bezahlen lässt. Ich glaube nur nicht daran, dass sich auf die Dauer eine Trennung zwischen »JournalistInnen« und »BloggerInnen« aufrecht erhalten lässt, wenn beide faktisch Angestellte (bzw. abhängigen Selbstständigen) im Verhältnis zu einem Verlag sind. Warum dann für die einen bestimmte Regeln gelten sollen und für die anderen nicht, warum die einen diese Freiheiten und die anderen andere bekommen: all das lässt sich glaube ich organisationsintern nicht wirklich vermitteln und verankern. Damit wären wir dann bei einer Konvergenzthese: OnlinejournalistInnen (bzw. Menschen, die im Medium Netz professionell publizieren) und bezahlte BloggerInnen nähern sich zu einem neuen Berufsbild an. Und der Konflikt FAZ vs. Michael Seemann ist ein Schritt auf dem Weg dahin.

Und noch etwas abstrakter: Eigentlich geht es auch darum, wie Arbeitskraft in einer Form, die weder echte Selbstständigkeit noch echte abhängige Beschäftigung ist, und die neben ihrer diskursiven Verankerung im neoliberalen Mainstream und in der digitalen Boheme eben auch eine technologische Basis hat, denn (politisch und rechtlich) gestaltet werden kann, um hier »gute Arbeit« zu ermöglichen.

Wie dem auch sei: dass »Ctrl-Verlust« jetzt erstmal weg ist, finde ich bedauerlich, weil ich die dort veröffentlichten Texte überwiegend anregend fand. Ich drücke Seemann auf jeden Fall mal die Daumen, dass er da irgendwie sinnvoll rauskommt. Und warte darauf, dass die FAZ sich erklärt.

Warum blogge ich das? Teils aus Solidarität, teils aus abstrakter Neugierde.

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In eigener Sache: Flattr

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Flattr transparent machen:

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Flattr ist ein Versuch, freiwillige Micropayments für Blogbeiträge etc. zu etablieren: wer bei Flattr Mitglied wird, zahlt eine gewisse Monatsgebühr (bisher zwischen 2 und 20 €) und kann dann auf die Flattr-Buttons klicken, die in Blogs, aber auch für andere Inhalte eingebunden werden können. Die eigene Monatsgebühr wird auf alle in einem Monat angeklickten Beiträge umgelegt (wenn ich 10 Sachen angeklickt habe, und 2 € zahle, kriegt jede 20 Cent). Gleichzeitig gibt es entsprechend Geld für eigene Inhalte, die von anderen Flattr-NutzerInnen angeklickt worden sind. Ein bißchen mehr Hintergrund gibt es bei Spreeblick.

Das ganze ist in der Beta-Phase, und viele sind noch ein bißchen skeptisch, wie und ob das den funktioniert. Ich auch. Ich habe jetzt trotzdem mal um eine Einladung gebettelt, und heute dann Flattr in mein Blog eingebaut. Nicht in der Hoffnung auf große finanzielle Erträge, sondern zum Ausprobieren.

Das Einbauen ging einigermaßen einfach: es gibt ein offizielles Plugin für WordPress, das auch mit WordPress 2.8.4 zu funktionieren scheint (obwohl es offiziell erst für die neuere Version 2.9 freigegeben ist). Beim automatischen Anfügen der Buttons gab es Konflikte mit anderen Plugins, deswegen sind diese in den Seitentemplates von Hand eingefügt. Daneben habe ich noch einen Button für mein Blog als ganzes angelegt (ganz unten in der Seitenleiste unter »Kaffeekasse«).

Die Buttons funktionieren so, dass sie nur von anderen Flattr-Mitgliedern angeklickt werden können. Beim ersten Mal, dass ein Button erfolgreich angeklickt wurde, wird eine Meldung an Flattr geschickt, die dort den Beitrag samt URL anlegt (wäre schön, wenn das bei der VG Wort auch so einfach ginge – Plugin?).

Wer Javascript ausgeschaltet hat, oder mein Blog per RSS-Feed liest, bekommt von dem ganzen nichts mit. Und wer Anerkennung aussprechen will, das aber nicht mit Geld verknüpfen möchte (eine philosophisch spannende Frage, dieser Zusammenhang), kann auch einfach auf den »Like«-Button (das kleine Gesicht unter jedem Beitrag) klicken. Der zählt lokal die beliebtesten Beiträge und hat auch nichts mit dem derzeit diskutierten Facebook-Like-It-Button zu tun. Den einzubauen war mir dann doch zu blöd.

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