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Wie ich verlernte, Zeitung zu lesen, und warum die Wochenend-taz das nicht änderte

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The newspaper

Seit meiner Schulzeit – vielleicht mit zwölf oder mit fünfzehn, so genau weiß ich das nicht mehr – habe ich regelmäßig Zeitung gelesen, bis auf den Sportteil täglich ziemlich komplett, teilweise fast mit einer gewissen Manie. Ich habe Dinge aus Zeitungen ausgeschnitten und Zeitungsausschnitte gesammelt. Auf die Wochenendausgaben habe ich mich immer besonders gefreut. Ich habe mir intensiv eine Meinung gebildet und Leserbriefe geschrieben.

Das ist heute anders. Oder geht es nur mir so?

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Kurz: Wer wäre wir?

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Ich weiß, es ist furchtbar gemein, sich über mühsam erdachte Wahlslogans anderer Parteien lustig zu machen. Die SPD hat heute ihren Claim für die Bundestagswahl 2013 vorgestellt, und er lautet … »Das Wir entscheidet«.

Hmm. Ich kann nachvollziehen, wieso eine Agentur zu diesem Claim kommen kann. »Wir entscheiden« = Demokratie, »Wir nicht ich« = Soziales, »Das Wir entscheidet« = Sozialdemokratie. Aber irgendwie lädt der Claim doch zu Scherzen ein. »Das Peer entscheidet«. »Das TriumWIRat«. »Ist das jetzt ein plural majestatis?« (Dass zudem ein Diskussionspapier einer Uni zu Nationen im Globalisierungstrend auch »Das ›Wir‹ entscheidet« heißt, sei mal außen vor gelassen).

Also, Spott. Nicht nur nicht, sondern auch andere. Und wenn ich mir nochmal ganz genau anschaue, dann war vielleicht Peer Steinbrück nicht unschuldig. Der twitterte nämlich dies:

Drei Sätze: »Was Ihr sofort wissen sollt:« – »Wir haben einen Wahlkampfslogan:« – »Das Wir entscheidet.«

In Satz eins gibt es »Ihr« (das sind wir, die wir Steinbrücks Tweets lesen) und damit implizit ein »Wir«. Dieses »wir« taucht in Satz 2 auf. Wir, die SPD, haben einen Wahlkampfslogan. Und der lautet: »Das Wir entscheidet«. Wer entscheidet nun? Ihr oder wir?

P.S.: Ich gespannt auf den grünen Claim.

Nachtrag (10.04.2013): Den grünen Claim kenne ich noch nicht, aber im Netz kursiert derzeit die Anzeige einer Zeitarbeitsfirma, die ebenfalls auf »Das WIR entscheidet« als Slogan gekommen ist. Passt.

Nachtrag 2: Besser und erfolgreicher wäre – das ergab ein Pretest auf Twitter – auch der sozialdemokratisch-kulinarische Slogan »Das Bier entscheidet«, der sich weiterentwickeln lässt zu »Currywurst und Bier – für die SPD stimmen wir«. Damit würde der verbliebene SPD-Markenkern maximal ausgereizt.

Nachtrag 3 (11.04.2013): Die Leiharbeitsfirma hat sich inzwischen überlegt, dass sie es nicht gut findet, was die SPD zu Leiharbeit sagt, und ihr den Slogan doch lieber nicht überlassen will. Also doch Currywurst und Bier. Oder »$slogan«.

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Datenbefreiung, oder: staatsmonopolistischer Netzkapitalismus

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Google räumt auf, und räumt dabei – zum Juli – auch den Google Reader ab. Wer das nicht kennt: das ist ein Tool, um Blogs und andere Nachrichtenquellen, sofern sie RSS-Feeds haben, synchronisiert zwischen mehreren Geräten zu lesen. Oder etwas weniger technisch: ein Tool, mit dem ich auf einen Blick sehe, welche Artikel in meinen Lieblingsblogs und welche Nachrichten von tagesschau.de ich noch nicht gelesen habe, und zwar egal, ob ich auf dem PC, auf dem Smartphone oder auf dem Tablet nachschaue. Zudem sehe ich auf einen Blick, ob meine Lieblingsblogs neue Einträge haben, muss also nicht der Reihe nach durchblättern, was es wo gibt.

Der Google Reader war mal mehr (das habe ich aber nie genutzt), und er ist nicht unersetzbar. Tatsächlich setze ich ihn erst aktiv ein, seit ich ein Smartphone benutze. Auf dem PC war das firefox-intere Handling durchaus ausreichend für mich, um diese gerade beschriebene Funktionalität zu erfüllen.

Trotzdem ärgert mich das Aus für den Google Reader, und da bin ich nicht alleine, auch wenn manche dem auch Gutes in Sachen Monopolvermeidung abgewinnen können.

Was ich konkret mache, mit welchem Tool ich meine Lieblingsblog-Feeds in Zukunft lesen werde, das weiß ich noch nicht. Irgendetwas wird sich finden.

Aber ich musste doch wieder an die Eisenbahn denken.

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Wie der Pandabär einmal dachte, Twitter sei eine Fußgängerzone

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imageWas mich ja manchmal etwas nervt, sind diese bezahlten UnterschriftssammlerInnen, die für den WWF – aber ebenso für andere Natur- und Umweltverbände – in Fußgängerzonen Unterschriften und Mitgliedschaften einwerben. Ich kann zwar nachvollziehen, warum es rational sein kann, einen Dienstleister damit zu beauftragen. Aber mir fehlt da etwas – nennen wie es authentisches Engagement. Warum stellen sich bei den großen Verbänden mit vielen zehntausend (Förder-)Mitgliedern nicht diese an den Infostand in der Fußgängerzone? Aber vielleicht denke ich da auch zu sehr aus einer Parteilogik. Jedenfalls bin ich mir sicher, dass es einen Aufschrei geben würde, wenn SPD oder GRÜNE professionelle Dienstleister mit dem Straßenwahlkampf beauftragen würden.

Twitter kann ein bisschen wie eine Fußgängerzone wirken, das gebe ich gerne zu – Stimmenwirrwarr, Öffentlichkeit, das Durcheinander ganz unterschiedlicher Diskurse in der eigenen Timeline. Dem WWF folgen auf Twitter fast 45.000 Menschen (@wwf_deutschland). Auch ich gehöre dazu.

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20.000 Tweets unter dem Meer

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Shimmering lights II

Jetzt, genau in diesem Moment, erreicht mein Tweet-Zähler bei Twitter die magisch anmutenden 20.000. Ganz schön viel Gerede; und auch wenn »RTs« – also Wiederholungen der Tweets anderer Leute – und das kurze Hin und Her von Unterhaltungen im Pseudo-Chat-Stil dabei sind, bleibt das ziemlich viel, was ich in den letzten Jahren geschrieben habe, bei Twitter.

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