Schlagwort-Archive: technik

Kurz: Der neue Herd

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Meine Eltern haben mir zum Geburtstag einen neuen Herd geschenkt. Der ist jetzt da, und glänzt, und dass er da ist, ist auch deswegen eine tolle Sache, weil beim alten nur noch zwei Platten richtig benutzbar waren.

Aber: Ich fremdle noch ein bisschen mit dem neuen Herd. Obwohl der neue wie der alte mit Glaskeramik arbeitet. Technologisch also nichts neues. Dennoch: ich fremdle. Und das hat – neben der Angst, die neue Makellosigkeit zu beeinträchtigen – viel mit Praxistheorie zu tun. Und mit dem, was je nach Theorierichtung als tacit knowledge, als implicit knowledge oder als embodied knowledge bezeichnet wird. Also »körperliches« Wissen über Handlungsvollzüge, das unterhalb aussprechbarer, expliziter Wissensbestände angesiedelt ist.

Klar: Es gibt eine Anleitung, in der steht, welche Einstellungen für Spiegelei und welche für das Kochen von Wasser richtig sind. Aber das ist es nicht. Beim alten Herd wusste ich – so ein Dreh mit dem Handgelenk, und nach einer gewissen Zeitspanne dann diese und jene Geräusche. Oder besser gesagt: Ich wusste das nicht. Es war einfach so. Jetzt ist es anders. Und das Scheitern dieser Erwartungen zeigt, wie eng gerade die technischen Artefakte in ihren Details mit den halbbewussten, halbautomatischen Handlungsvollzügen sozialer Praktiken verbunden sind.

Bald wird der neue Herd nicht mehr neu, sondern vertraut sein. Aber bis dahin zwingt er mich dazu, Handgriffe explizit zu tun, und immer wieder zu schauen, ob alles stimmt. Noch fremdle ich.

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Was ich heute morgen getan habe

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T. streckte sich gähnend, als sein Blick auf die matt schimmernde Anzeige des Weckers fiel. »Verdammt, in einer Minute geht es los!«

Zu faul, um sich ins Wohnzimmer zu begeben und den Tischrechner anzuwerfen, schnappte er sich seinen Taschenkommunikator, ein Wunderwerk der Technik. Kleiner als eine Tafel Schokolade, aber Bildtelefon, Schnittstelle zu diversen globalen Kommunikationsdiensten und Spielkonsole zugleich. T. entschied sich, den historischen Augenblick mit Millionen anderer zu teilen. Mit einigen eingeübten Fingerbewegungen schaltete er den Taschenkommunikator auf einen Kanal, auf dem unter anderem ein schottischer Science-Fiction-Schriftsteller, der amerikanische Präsident sowie diverse Raumfahrtagenturen über das Ereignis berichteten.

Das graue Display des Funkweckers zeigte 07:29.

T. war es nicht genug, über das Ereignis zu lesen. Leider würde es keine Live-Bilder geben, aber zumindest den Ton aus dem Steuerungszentrum der amerikanischen Raumfahrtagentur wollte er hören. Dazu ergänzte er die Kanalwahl auf dem Taschenkommunikator durch einen Radiosender aus San Francisco, der den Ton aus dem Steuerungszentrum mit sphärischen Tönen unterlegte.

Jubel brandete auf. Das durch die Zeitverzögerung zum roten Planeten bedingte bange Warten hatte ein Ende. Das über die Marsorbiter weitergeleitetes Funksignal bestätigte es. Das komplizierte Landemanöver war erfolgreich gewesen!

Die Flugkapsel hatte sich erfolgreich von der Landeeinheit getrennt. Diese wurde durch die Reibung der dünnen Mars-Atmosphäre abgebremst, bis der größte Landefallschirm, der jemals eingesetzt worden war, ausgefalltet werden konnte. Der nächste Schritt des Manövers war der schwierigste, und er musste automatisch ausgelöst werden: Der Fallschirm wurde abgesprengt, die Landeeinheit schaltete auf Raketenantrieb um und schwebte nun über dem Gale-Krater.

Dann wurde der Himmelskran eingesetzt! An drei Kunstfaserseilen, wie in der Simulation millionenfach erprobt, wurde das Erkundungsfahrzeug – so groß und schwer wie ein kleines Auto – langsam herabgelassen. Auf seinen sechs Aluminiumrädern setzte es federnd auf. »Bodenkontakt bestätigt!«

Im Kurznachrichtendienst überschlugen sich die Beifallsbekundungen und ersten Kommentare. Jeder wollte berichten, wo er in diesem historischen Moment gewesen war. Und natürlich gab es – wie immer – Witzbolde, die ihre Scherze trieben, statt innezuhalten und diese technische Meisterleistung – für die die amerikanische Raumfahrtagentur über einen Zeitraum von acht Jahren das Bruttosozialprodukt Guayanas ausgegeben hatte – ehrfurchtsvoll zu bestaunen.

Wenig später waren dann auch die ersten verschwommenen Schwarzweißbilder durch die tiefdunkle Nacht des Sonnensystems geschickt worden. Auf seinem Taschenkommunikator konnte T. mit eigenen Augen sehen, was »Curiosity«, wie der Marsrobotor liebevoll genannt wurde, durch seine Sicherheitskameras aufgenommen hatte – einige Steine und seinen eigenen Schatten. Jetzt würde sich der Kamerakopf aufrichten und das Robotorfahrzeug der NASA seinen nuklearbetriebenen Laserarm ausfahren, um die ein Marsjahr dauernde planetare Erkundung zu beginnen.

Warum blogge ich das? Historisches Ereignis und so (auch wenn’s nicht die erste Landung eines Erkundungsroboters auf einem anderen Planeten ist).

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Meins: Samsung Galaxy S plus

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Wer meine sozial-medialen Äußerungen der letzten Zeit genau gelesen hat, wird festgestellt haben, dass ich darüber nachgedacht hatte, mir ein neues Smartphone zu kaufen (auch wenn das alte Nokia E65 »eigentlich« noch ganz gut tat – aber nicht mit Exchange im Landtag verknüpfbar war und zunehmend Macken entwickelt hat). Ich habe lange zwischen Smartphone und Tab geschwankt (oder so ein Zwischending wie das Samsung Galaxy Note), habe mich jetzt aber für ein ziemliches Standard-Android-«Handy« entschieden, ein Samsung Galaxy S Plus mit Android 2.3.3.

Heute kam’s dann in einer schicken kleinen schwarzen Schachtel an. Erster Eindruck: ziemlich leicht, und ein bisschen verwirrend, was denn nun wie funktioniert. Und das große Display ist schon beeindruckend. Inzwischen habe ich mich einigermaßen in die Grundfunktionen eingefunden und herausgekriegt, welche Knöpfe was machen (wobei mir die Multitasking-Umsetzung bei Android noch ein wenig unklar ist – sowas wie ein »Task wechseln« fehlt mir, und mir ist noch nicht ganz klar, wann eine App beendet ist und wann sie im Hintergrund weiterläuft …). Auch der Wechsel zwischen Portrait und Querformat ist nicht immer ganz logisch. Dafür wurde die SD-Karte vom Nokia sofort gelesen, und der Zugriff auf Musik und Bilder ist sehr viel schneller und eleganter als zuvor möglich. Das Konfigurieren des EMail-Kontos war ebenfalls simple. Schön auch der Zugriff über WLAN über den PC-Browser auf Datenbestände des Handys.

Gut gefällt mir die relativ umfangreiche Konfigurierbarkeit (auch wenn’s da an der einen oder anderen Stelle, hallo Kalender, ich schaue dich an, noch Präferenzen gäbe, die es nicht gibt). Die Touchscreen-Bedienung finde ich halbwegs ok (definitiv intuitiv, aber auf Dauer ganz schön anstrengend). Nicht wirklich glücklich bin ich mit der Texteingabe – die Softwaretasten sind mir eher zu klein, d.h. das Tippen dauert lange, und ich vertippe mich oft. Ich hätte gerne noch die Funktionen »Cursor vor/Cursor zurück«. Die verschiedenen Varianten an Tastaturen (inkl. der Handschrifteingabe – nett, aber auch nicht mein Ding, bzw. viel zu langsam) haben alle ihre Tücken.

Das als erster Eindruck von Android und dem Samsung Galaxy S Plus. Jetzt an euch die Frage: Was brauche ich – neben Twitter, Facebook, mehr Fonts und einem Barcode-Scanner (das ist das, was ich gerade schon installiert habe) – unbedingt noch an Apps? Und legt sich das mit dem ständig Danebentippen irgendwann?

Warum blogge ich das? Vor allem, weil mich interessiert, was ich noch so brauchen könnte …

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Ein Versuch über die Technikfeindlichkeit

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Journey of waiting XXXIX: old technology

Mein im November 2010 eingereichter Aufsatz »Technikfeindlichkeit. Ein Versuch über eine deutsche Debatte«* ist jetzt in der Revue d’Allemagne et des Pays de langue allemande** erschienen – in einer Ausgabe, die sich unter der Gastherausgeberschaft der Straßburger Professorin Florence Rudolf mit Umweltpolitik und Umweltsoziologie in Deutschland auseinandersetzt.

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Homöopathie und die Deutsche Bahn im Sommerloch

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Vorneweg: Diese Woche gibt es ungefähr drei Dinge, die eine Deadline haben; deswegen kann ich das folgende Argument nicht wirklich ausführlich darlegen. Trotzdem kann ich sowohl das Problem der Bahn mit ihren ICEs als auch die anschwellende Homöopathiedebatte nicht ganz außen vor lassen – das juckt doch in den Fingern … und ist deutlich länger geworden als geplant.

Powerful buttons

Zur Bahn-Debatte: Ich fahre gern und viel Bahn, trotzdem oder gerade deswegen finde ich das Krisenmanagement der Bahn bedenklich. Letztlich geht’s um die Frage, wieviel technische Redundanz – ein großes Sicherheitsmerkmal der Eisenbahn – wegoptimiert werden kann, um betriebswirtschaftlich erfolgreich zu sein. Darf ein für ein geschlossenes System im Extremfall lebensnotwendiges Teil wie eine Klimaanlage so gestaltet sein, dass sie ausfallen kann? Oder muss ein Ausfallrisiko hingenommen werden – und was ist dann jenseits der Technik zu tun (Wartungsintervalle, ein Wagenpark, der groß genug ist, um Ersatzzüge bereitzustellen …)? Wie das ganze politisch einzuschätzen ist, verrät Winne Hermann MdB in einem Interview mit tagesschau.de.

Etwas allgemeiner: wie muss ein großes technisches System, eine Infrastruktur, gestaltet und reguliert sein, um auch bei Winterwetter und Hochsommerhitze zu funktionieren?

Zum Thema Homöopathie: Unter großem Beifall der Naturwissenschaftscommunity bringen SPD und cDU die Idee ins Spiel, Homöopathie aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen zu streichen. Renate Künast macht die Sache nicht besser, indem sie Homöopathie und Naturheilkunde gleichsetzt. Auf Twitter hauen sich die Leute kräftig die Köpfe ein – Fakten finde ich nur wenige. (Ja, es gibt hunderte Studien, dass Homöopathie nicht funktioniert, und es gibt vielfältige Argumentationslinien von Leuten, die trotzdem möchten, dass die Krankenkassen Homöopathie bezahlen*). Aber das meine ich nicht. Vielmehr ist die eigentliche Frage doch erstens, wie groß das Einsparpotenzial eigentlich ist, über das hier geredet wird – es hat ja seinen Grund, warum diese Debatte gerade im beginnenden Sommerloch aufbricht. Richtig handfeste Zahlen sind schwer zu finden, es scheint sich aber um ungefähr 1 bis 5% des Krankenkassenbudgets zu handeln.

Und zweitens geht es für mich auch um die Beobachtung, dass hier unterschiedliche Logiken aufeinander prallen. Die eine Seite sieht sich im Besitz der wissenschaftlichen Wahrheit, das heißt sie operiert im Bezugssystem Wissenschaft mit der Unterscheidung wahr/falsch, um den guten alten Luhmann herauszuholen. In dieser Logik ist »klar«, dass Homöopathie falsch ist, und deswegen kein rational denkender Mensch auf die Idee kommen könnte, dafür öffentliche Leistungen einzufordern. Diese Position wird ganz gut vom heutigen xkcd-Comic illustriert:


Quelle: xkcd, Lizenz

Politik operiert nicht im Philosophenkönig-Modus wahr/falsch, sondern im Medium Macht. Und auch die öffentliche Meinung (das System der Massenmedien) hat andere Leitdifferenzen. Von der Wirtschaft – und den Krankenkassen als Organisationssystemen – gar nicht erst zu sprechen (Zahlung/keine Zahlung). Insofern finde ich es überhaupt nicht verwunderlich, dass die naturwissenschaftliche Logik eben nicht 1:1 in Politik umgesetzt wird. ((Wer sich umschaut, wird eine ganze Reihe von Belegen dafür finden, dass auch viele andere politische Entscheidungen irrational sind.))

Oder noch einmal anders angesetzt, und Luhmann beiseite gelassen: wir können auch unterscheiden zwischen dem wissenschaftlichen Wissen, in dem es Möglichkeiten gibt, die Wirksamkeit von Homöopathie zu testen, dem »esoterischen« Wissen der HomöopathInnen selbst – und dem Alltagswissen der Menschen, die davon überzeugt sind, dass Homöopathie ihnen hilft (warum auch immer sie davon überzeugt sind: auch das Alltagswissen von Menschen folgt eben nicht der wissenschaftlichen wahr/falsch-Logik, sondern lässt sich zunächst einmal einfach nur so beschreiben, wie es eben ist bzw. wie es sich eben beobachten lässt).

Insofern Politik auf Wahlen rekurriert, ist das die populistische Frage danach, ob ein Verbot von Homöopathie als (Zusatz-)Kassenleistung anschlussfähig an das Alltagswissen ist. Ich vermute: eher nein. Es ist daher auch die Frage nach dem Projekt der Aufklärung: wie wissenschaftliche Rationalität ins Alltagswissen bringen. Und es ist nicht zuletzt die Frage danach, wieso diese Debatte gerade jetzt einigen PolitikerInnen als hinreichend anschlußfähig erscheint, um sie in Gang zu bringen. (Und wieso gerade diese, und keine der anderen vielen möglichen Debatten um Unzulänglichkeiten des Gesundheitssystems).

Aber ich schweife ab: Was hat nun das großtechnische System Bahn und die soziotechnischen Probleme, die eine Ausrichtung an ökonomischer Logik mit sich bringen, mit der Homöopathie-Debatte zu tun? Ich sehe eine Gemeinsamkeit, und die liegt letztlich in den Lücken. Mit der Frage nach der soziotechnischen Redundanz ist das für die Bahn schon angesprochen: wie groß sind die Spielräume, um auf Fehler reagieren zu können? Gibt es Ersatzsysteme? Gibt es Ersatzzüge? Sehen die Fahrpläne so aus, dass auch ein anhaltender Zug nicht gleich alles durcheinander bringt? Je fester gekoppelt das System ist, um das mal so zu sagen, desto wahrscheinlicher ist die Gefahr eines Ausfalls, wenn etwas ausfällt.

Auch unsere Krankenkassen sind eine Infrastruktur, ein großes (sozio-)technisches System. Noch dazu eines, das extrem schwerfällig zu steuern und zu verändern ist. Auch hier kann über die Nebeneffekte betriebswirtschaftlicher Effizienz diskutiert werden (u.a. im Bereich Pflege, aber auch im Hinblick auf die Formalisierung von Handlungen durch informationstechnische Abrechnungssysteme – und deren Konsequenzen). Aber die eigentliche Gemeinsamkeit in den Lücken, die ich sehe, ist eine andere: Wie weit darf sich das System von Idealparametern (Wetter ohne Extremereignisse, Bezahlung nur des neuesten Standes der Wissenschaft) entfernen, um noch zu funktionieren? Wieviel Spielraum für »Quatsch« ist notwendig, um ein weitgehend reibungsloses Funktionieren des Gesamtsystems zu ermöglichen? Wieviel Ressourcen dürfen »verschwendet« werden (in Redundanzen, in wohl wirkungslose Therapien)?

Die wissenschaftlich-wahre Antwort der Ökonomie lautet vermutlich: keine. Aber ein Just-in-time-System ist störanfällig. Insofern kann ich mir vorstellen, dass das Gesundheitssystem seine Leistung besser erbringt, wenn ein gewisses Maß – 5%, 10% – an Spielraum, an Redundantem, gar an Aberglauben vorhanden ist. Da passt Homöopathie rein, da passt auch nichtabrechnungsfähige Gesprächszeit rein.

Natürlich hilft einem die Öffnung von Spielräumen nicht bei politischen Grundsatzfragen weiter. Es ist gut möglich, dass Homöopathie wissenschaftlich weitgehend widerlegbar ist, oder dass der eigentliche Wirkmechanismus bei denen, die glauben, dass das funktioniert, das Gespräch mit den ÄrztInnen und letztlich die Überzeugung sind, dass es wirkt.

Insofern ende ich mit einem etwas paradoxen Plädoyer: Dafür, einerseits einen gewissen Spielraum für (scheinbaren?) Unsinn, für Fehler zuzulassen, andererseits diesen aber auch zu begrenzen. Spielraum für Fehler bei der großtechnischen Infrastrukur Bahn heißt: den Fahrplan nicht gleich durcheinander bringen, wenn technische Komponenten ausfallen. Also (möglicherweise mit präziser Technik unterstützte) Fehlertoleranz statt Abhängigkeit von der Präzision. Aber in Maßen: die Attraktivität des Verkehrssystems Bahn hängt ja auch davon ab, dass diese pünktlich ist, dass diese standardisiert und »präzise« genutzt weren kann.

Spielraum für Fehler beim Gesundheitssystem heißt: sich damit abfinden, dass medizinische Praktiken nicht durchgängig wissenschaftlich sind (auch in der Allopathie gibt es da vermutlich bei genauem Hinsehen viel an nichtwissenschaftlichem Wissen in der Wissenschaft). Ein optimiertes und finanziell tragfähiges System schaffen, aber nicht um den Preis, jegliche lose Kopplung auszumerzen und jegliche Praxis zu standardisieren. Und auch hier: die Begrenzung der Fehlertoleranz im Sinne einer politischen Regulierung der Grenzen (aber eben bitte nicht zu eng).

Das wäre jedenfalls, so meine ich zumindest, ein soziologisch-wahres Wissen über gesellschaftliche Systeme und deren Gestaltung. Um das paradoxe Plädoyer abzuschließen: es geht darum, dieses Wissen eben auch zur Kenntnis zu nehmen, es anzuwenden, sich bewusst zu sein, dass es auch bei der Anwendung soziologischen Wissens Nebeneffekte gibt – und trotzdem weiterhin für Aufklärung zu kämpfen (aber eben nicht über die Köpfe der Leute hinweg).

Warum blogge ich das? Weil ich versuchen wollte, mein Unbehagen an der und meine ambivalente Position in der Homöopathie-Debatte irgendwie auf den Punkt zu bringen. Wer möchte, darf’s aber auch als schlichten Versuch lesen, die Existenz esoterischer Wissensbestände im grünen Programm zu rationalisieren.

* Die Homöopathie-Debatte hat auch einen innergrünen Aspekt – dazu habe ich vor einem Jahr was gebloggt; interessant ist vor allem die Debatte in den Kommentaren.

P.S.: Wer sich eher für Infrastrukturen als soziotechnische Netzwerke/Systeme denn für die Homöopathie-Debatte interessiert, sollte bei ihld weiterlesen.

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