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Kommunikativer Vertrauensverlust in verunsicherten Zeiten

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Kommunikationsguerilla produziert immer, immer, immer Verunsicherung. Und zerstört damit gesellschaftliches Vertrauen. Das ist unausweichlich. Trotzdem kann es legitim sein, zu dieser Form politischer Aktion zu greifen. Beispielsweise dann, wenn es darum geht, etwas scheinbar Selbstverständliches in Frage zu stellen, an Institutionen zu rütteln, Menschen dazu anzuregen, nachzudenken und nicht einfach hinzunehmen, was ist. (Da hat Kommunikationsguerilla einiges mit Soziologie gemeinsam, aber das ist eine andere Geschichte).

Weil Kommunikationsguerilla Vertrauen zerstört, und weil, wenn es eines gibt, was in dieser Gesellschaft gerade fehlt, Vertrauen ist, bin ich so verärgert darüber, dass gestern jemand die Geschichte in die Welt gesetzt hat, dass aufgrund des tagelangen Wartens in der Kälte vor dem Berliner »Lageso« ein Flüchtling gestorben ist. Ich gehöre zu den tausenden Menschen, die diese Geschichte geglaubt haben, und die sie weitergegeben haben.

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Kurz: Wer es glaubt, …

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Kommunikation ist etwas ziemlich zerbrechliches. Das macht den verführerischen Reiz der Kommunikationsguerilla aus. Und kennzeichnet das Risiko, das mit Kommunikationsguerilla-Aktionen einhergeht. Satire überzeichnet. Kommunikationsguerilla legt falsche Fährten, und wartet darauf, dass andere diesen folgen, bis nicht mehr so ganz klar ist, was nun eigentlich stimmt, was erlogen ist, und was vielleicht stimmen könnte. Kommunikationsguerilla ist großartige und, wenn sie funktioniert, durchaus gefährliche Metakritik am Mediensystem inkl. PR und seiner Wirklichkeitskonstruktion (und Luther Blissetts bahnbrechendes Werk dazu ist unbedingt zu empfehlen …).

Aktuell findet ein Akt der Kommunikationsguerilla statt. Dass rechte Strukturen von staatlich bezahlten V-Leuten leben, ist bekannt. In den letzten Tagen verbreiteten sich Gerüchte, dass eine wohl organisierte und staatlich finanzierte »Antifa e.V.« für Proteste gegen Pegida und Co. verantwortlich ist. Inkl. Twitter-Account, der diese Gerüchte aus rechten Foren gerne bestätigt. Die taz setzte dem jetzt die Krone auf – mit einer nicht als »Wahrheit« gekennzeichneten angeblichen Reportage über die gut bezahlten Antifa-e.V.-DemonstrantInnen.

Dieser Text wird jetzt von einigen geglaubt. Rechte ziehen ihn als Beleg für ihr »Wissen« heran. Andere fragen sich, ob bezahlte Proteste nicht Demos delegitimieren. Wer bis zur letzten Zeile liest, erkennt, dass ein »P. Flasterstein« zitiert wird – starker Hinweis auf das Erfundensein des Textes. Der rechte Kopp-Verlag glaubt, dass die nicht gekennzeichnete Veröffentlichung von Satire ein Hinweis auf interne Grabenkämpfe in der taz ist. Meine Timeline auf Twitter streitet darüber, ob diese Art der Satire gelungen oder gefährlich ist, ein Filter für Gutgläubige oder ein Metakommentar zur »Lügenpresse«. Das ist Kommunikationsguerilla in all ihren schrillen Grautönen.

P.S. Natürlich vergibt die Antifa e.V. auch großzügige Stipendien, insbesondere für engagierte Studierende der Sozialwissenschaften.

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