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Altes aus Xanga, Teil VII

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Monday, December 23, 2002

Google Doodle

Google ist nicht nur der (un)umstrittene Suchmaschinenmarktführer, sondern hat auch einen Sinn für Humor. Unter bewusster Mißachtung der eigenen Corporate Identity ändert sich das Google-Logo regelmässig zu Festtagen und besonderen Anlässen. Einige Beispiele sind hier verlinkt …

> Google Holiday Logos (Weihnachten 2001)

> Google Holiday Logos (Weihnachten 2002)

Kino: Son de Mar

Was passiert, wenn antike Mythologie modernisiert und verfilmt wird? Dann kommt ein Film wie Son de Mar heraus – eigentlich eine einfache Dreiecksgeschichte, aber symbolhaft aufgeladen. Als Film-an-sich fand ich Son de Mar packend, aber fast zu sehr mit Kitsch und Nervenkitzel vollgeladen. Als verfilmte Mythologie – ich musste an Christoph Ransmayrs Letzte Welt denken –, als eine große Anspielung auf die Odyssee, als Antwort auf die Frage danach, wie die Liebesgeschichte eines Ulises heute aussehen kann, hatte der Film durchaus etwas. Dazu gehört gewißermaßen auch das tragischen Ende, das mir ebenfalls besser in der griechischen Klassik als im Film aufgehoben schien, und das ich vielleicht lieber gelesen als betrachtet hätte.

> ~~~~~son de mar~~~~~


Tuesday, December 10, 2002

Das Ergebnis stimmt

Als Delegierter für den grünen Bundesparteitag in Hannover gehöre ich zu denen, die mit ihrer Stimme dazu beigetragen haben, dass die Zweidrittelmehrheit für die Aussetzung der Trennung von Amt und Mandat nicht erreicht wurde. Ich bin nicht ganz glücklich mit dem Weg (d.h. mit einer knappen Sperrminorität bei einer sehr kontroversen Frage statt mit Einsicht bei Fritz Kuhn und Claudia Roth), wohl aber mit dem Ergebnis: Im Frühjahr 2003 kann jetzt über die Fortführung oder Aufhebung der Trennung von Amt und Mandat urabgestimmt werden, ohne dass diese Frage der innerparteilichen Demokratie mit einer bestimmten Personalentscheidung verquickt wäre. Im Gegensatz zu einigen anderen Mitgliedern der Grünen glaube ich nämlich nicht, dass jegliche Satzungsregelungen vollkommen sinnlos ist und es am besten wäre, alles der freien Entscheidung der jeweiligen Delegierten zu überlassen. Demokratie tut manchmal weh, gerade, wenn es darum geht, die Etablierung von Machtzirklen einzuschränken. Und Entscheidungen, die wehtun, werden im Rausch des Augenblicks häufig nicht gerne gefällt. Da ist es also sinnvoll, wenn eine Satzung – die dann aber auch akzeptiert werden muss – Dinge erzwingt.

Natürlich gibt es auch mit Satzungsregelungen Machtzusammenballungen usw. – etwas anderes anzunehmen, wäre höchst naiv und würde viel zu viel von dem demokratischen Tool Satzung verlangen. Aber das Stück, das eine Satzung zu geregelten Machtstrukturen beitragen kann, das soll eine Satzung auch dazu beitragen, finde ich.

Zurück zum Parteitag: Das Ergebnis finde ich gut, und hoffe, dass der neue Vorstand jetzt eben nicht als geunkerufter Übergangsvorstand behandelt wird, sondern sich in die Reihe erfolgreicher grüner Bundesvorstände einreiht. Und dazu hoffe ich, werden nicht nur Bütikofer und Beer, sondern auch Menschen wie die BeisitzerInnen Katja Husen und Omid Nouripour beitragen – die übrigens beide für den von Joschka Fischer angemahnten Generationswechsel in der Partei stehen.

Und noch ein letztes Wort zum Parteitag: Schade war es, dass über die Satzungsfragen – und auch wolkig und mehr als Schaulaufen über die politische Lage – sehr lange diskutiert wurde, und darüber viele viele Anträge aus den Kreisverbänden schlicht und einfach vertagt wurden, was oft gleichbedeutend mit ignoriert werden ist. Dazu gehört auch ein Antrag aus Freiburg, in dem die Beibehaltung einer 50%-BahnCard von der Bahn AG gefordert wird. Hier wäre ein grünes Signal schön gewesen.


Sunday, November 10, 2002

Was wäre, wenn …?

Hammerschmitt, Marcus (2002): PolyPlay. Hamburg / Berlin: Argument. 187 Seiten, 12 Euro.

Ein Buch, zu dem sich leider nicht allzuviel sagen lässt. Nicht, weil es nicht von Interesse wäre, sondern weil es zuviel vorwegnehmen würde. Auf den ersten Blick ist das Buch harmlos – so harmlos, dass die Frage aufkommt, ob es nicht etwas unter dem Niveau von Hammerschmitt angesiedelt ist. Eine Alternativweltgeschichte, in der im Setting »DDR hat die BRD nach der Wende übernommen« Kommissar – nein, Oberleutnant – Kramer in einem Mordfall ermittelt, bei dem Jugendszenen und Automatenspielgeräte plötzlich in Verbindung mit einer Stasi-Verschwörung geraten.

Die Alternativwelt-DDR sieht plausibel aus, fast schon putzig, und auch die ab und zu hineinschneienden Lehrstunden über die Geschichte (im Schulunterricht, beim Zappen durchs Fernsehprogramm) wirken erst einmal so, als würde es hier darum gehen, sich vorzustellen, wie es denn hätte gewesen sein können, wenn im Jahr 2000 in einer größeren und für die Welt wirtschaftlich und politisch extrem wichtigen DDR stattgefunden hätte. Ob da Reklame hängt, wie die Wessis sich aufführen, etc. Warum sollte es so gewesen sein? Hammerschmitts Erklärung erweckt den Anschein, plausibel zu sein: wirtschaftliche Probleme im Westen, eine Abschottungspolitik in Ostasien, interne Streitigkeiten in den USA, und die – handgewedelte – Entdeckung einer ominösen neuen Technologie (der »Müller-Lohmann-Prozess«), die die DDR bald führend auf dem Gebiet der Mikroelektronik macht: Flachbildschirme, Mobilfunktelefone (»Mobis«), und wirtschaftlicher Erfolg. Das Leben im pluralistischen Sozialismus sieht gar nicht mal so übel aus – und auch die kleinen Fiesheiten (Joschka Fischer als Außenminister der DDR und Kronprinz des Staatsratsvorsitzenden, auch die Tageszeitung gibt’s weiterhin) tragen eigentlich nur dazu bei, dass Bild abzurunden. Daneben dann noch ein zweiter Handlungsstrang auf einer Seefestung, hat auch irgendwas mit Daten und Computerkriminalität zu tun.

Soweit, so gut. Aber irgendwann wird dann deutlich, dass Hammerschmitt den Leser oder die Leserin über etwas ganz anderes belehren möchte: über die Unmöglichkeit, in Science Fiction nicht nur plausible, sondern tatsächlich funktionsfähige Alternativwelten durchzuspielen, über die Fähigkeit des Menschen, überall Muster und Gestalten zu erkennen, und Widersprüche hinzunehmen. Das Ende ist überraschend, und wer zu lange mitspielt, mag es auch schockierend empfinden. Denn das Ziel des Experiments stellt sich als ein ganz anderes heraus – über das mehr zu sagen das Lesen des Romans doch beeinträchtigen würde. Und damit ist schon fast zuviel verraten.


Saturday, November 02, 2002

Internet ist keine Einbahnstraße

Jedenfalls fände ich Kommentare zu meinen Kommentaren ganz nett. Direkte Reaktionen zu den Texten funktionieren leider nur, wenn mensch sich selbst bei XANGA anmeldet, was ja nun nicht unbedingt sein muss – aber wer möchte, kann sich auch in meinen »guest book« verewigen. (Und irgendwann in ferner Zukunft ist das ganze hier vielleicht auch mal ein Wiki statt ein Blog, dann wär’s noch eine ganze Spur interaktiver …).

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Altes aus Xanga, Teil VI

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Saturday, November 02, 2002

Zusammen bahnfahren

Ich glaube zwar immer noch daran, dass sich auch politisch noch etwas am neuen Bahnpreissystem ändern lassen könnte – beispielsweise die Beibehaltung der »alten« 50%-BahnCard, entweder als Angebot speziell für Menschen in Ausbildung (und damit in der ›formativen‹ Phase des Bahnfahrens), oder aber als allgemeines Angebot, das dann eben in der Anschaffung teurer ist und sich nicht mit den neuen Rabatten kombinieren lässt. Deswegen stehe ich auch unter einem entsprechenden Antrag für den nächsten Parteitag von Bündnis 90/Die Grünen.

Sollte die Bahn sich aber tatsächlich nicht erweichen lassen und kompromisslos bei ihrem System bleiben, gibt’s immerhin einen Lichtblick (und zwar schon in mindestens drei Inkarnationen) – nämlich internetbasierte Mitreisezentralen für Bahnreisende. Neben kommerziellen Angeboten bietet auch der alternative Verkehrsclub Deutschland unter der URL www.ticket-teilen.de inzwischen ein Bahn-Sharing-Portal. Gute Idee, und vielleicht lässt sich so – über den Umweg, ähm, zivilgesellschaftlichen Engagements – doch einiges an neuen Instrumenten in das ganz schnell unbewegliche neue Bahnpreissystem einbauen. Innovation nennt sich sowas, oder?

P.S.: Auf meinen Brief hat die Bahn bisher noch nicht geantwortet. Und wer sein bisheriges eigenes Bahnpreissystem für so kompliziert erklärt, dass noch nicht mal Einstein es versteht (wie aktuell in der Werbung zu sehen, und wie heute zu recht in der taz kritisiert), der muss irgendwie ein ziemlich komisches Bild seiner MitarbeiterInnen und KundInnen haben. Aber was soll mensch auch von einem Bahnchef Mehdorn erwarten, der öffentlich zugibt, es nicht länger als vier Stunden in seinen eigenen Zügen auszuhalten? Und der – klar – erstmal von sich auf andere schließt?


Thursday, October 24, 2002

Ein USA-Deutschland-Vergleich

Nicht nur angesichts der mehr oder weniger aktuellen Klimaabkühlungen zwischen den beiden Regierungen (inkl. angeblich dann doch nicht existierenden Forderungen) finde ich folgenden Text ziemlich spannend – ein seit einigen Jahren in den USA lebender Deutscher beschreibt seine Sicht der Unterschiede zwischen beiden Kulturen.

> Comparison USA-Germany


Saturday, October 19, 2002

Kick it like Beckham

»Football vs. Indian cooking.« (The four word film review: Phoebe, Australia)

Vorneweg sollte ich vielleicht sagen, dass ich eher unsportlich bin. Dass ich Fußball mehr oder weniger für etwas schreckliches halte, bestensfalls für ein sozialwissenschaftlich analysierbares Massenphänomen. Dass meine Freundin da anderer Meinung ist. Und dass mir »Kick it like Beckham« (Bend it like Beckham) trotzdem wirklich gut gefallen hat.

Der Film ist ein Märchenfilm, soviel ist schon mal klar. Es ist ganz offensichtlich, dass einiges an der Story mit dem Happy-End unrealistisch ist. Oder stimmt es wirklich, dass FußballspielerInnen ganz ohne Training in den Wochen davor und hastig ohne Aufwärmen eingewechselt sofort von Talentscouts entdeckt werden? Aber das macht nichts; der Film ist trotzdem (oder vielleicht auch gerade deswegen) toll. Und für eine Komödie erstaunlich ernsthaft.

Kurz zur Story: Jess, eigentlich Jesminder, so aber nur von ihrer Mutter genannt, ist eine typische indische Britin, macht gerade ihr Abitur und hat eine große Leidenschaft: Fußball. Sie spielt fantastisch und träumt davon, Fußballerin zu werden – bisher spielt sie nur im Park mit ein paar Jungs aus der Gegend. Dort beobachtet Jules sie, und nimmt sie mit zum Training der Frauenfußballmannschaft. Cool – nur leider wissen Jess‹ Eltern nichts davon, und wenn sie was wüssten, wäre das gar nicht gut. Und natürlich kommt es, wie’s kommen muss: alle Tarnung hilft nichts, Jess spielt einfach zu gut, als dass es ihre Eltern nicht mitkriegen würden. Und das Unglück mit Happy-End nimmt seinen Lauf.

Nebenbei spielen dann noch die Hochzeit ihrer Schwester Pinky, die große Bedeutung des Zubereitenkönnens eines echten indischen Mahls für ihre Mutter und das Cricket-Team, in der Jess‹ Vater nicht spielen durfte, wichtige Rollen. Mehr zu sagen wäre wahrscheinlich zuviel verraten. Nur soviel: Tony steht auf Beckham, Jess auf Joe, und Jules ist nicht lesbisch, auch wenn das in manchen Zeitungsberichten anders klang und ihre Mutter davon überzeugt ist.

Abgesehen von den märchenhaften Zufällen ist Kick it like Beckham glaube ich ein Film, der ziemlich gut das Leben in einer hybriden Gesellschaft mit all seinen Chancen, Doppeldeutigkeiten und Problemen deutlich macht. Und dabei gleichzeitig ziemlich unterhaltsam ist.

> Offizielle Website des Films

> Rezension auf Programmkino.de


Friday, October 11, 2002

Koalitionsverhandlungen

Nur ein kleiner Hinweis auf einen Stimmungsbericht über die Koaltionsverhandlungen in Spiegel Online:

> Tage der bitteren Wahrheit: Warte nur ein Weilchen… – Politik – SPIEGEL ONLINE


Wednesday, October 09, 2002

Koalitions… ja, was eigentlich?

Zur Zeit wird darüber entschieden, was im Koalitionsvertrag von SPD und Grünen stehen wird. Neuen Presseberichten ist zu entnehmen, dass die SPD inzwischen wieder zu ihrem alten Dogma zurückgefunden hat: Das, was wir wollen, ist richtig, alles andere ein großes Zugeständnis. Aber auch kleinere Indizien weisen darauf hin, dass die laufenden Auseinandersetzungen von den beiden Parteien ganz unterschiedlich gewertet werden. So ist auf der Website von Bündnis 90/Die Grünen die Rede davon, dass hier die Verhandlungen für die Koalition ›02-‹06 stattfinden:

Grüne: Die Verhandlungen

Bei der SPD dagegen ist von Koalitionsverhandlungen nichts zu sehen. Hier sind es schlicht (ganz in rot gehaltene) Koalitionsgespräche:

Gespräche

Das lässt als Indiz für das Verhandlungsklima und die Bewertung und Umsetzung der Ergebnisse nichts gutes ahnen. Sind doch Gespräche eher etwas unverbindliches, die SPD hört sich mal an, was denn die Grünen zu ihren Plänen sagen. Verhandlungen signalisieren dagegen: wir haben die gleiche Augenhöhe, wir handeln gemeinsam etwas aus, zu dem wir dann beide stehen.

Nicht jedes unglückliche Omen muss sich letztlich als solches erweisen. Die letzten Tage helfem einem aber nicht gerade, daran zu glauben, dass das SPD-Team (übrigens: sechs Männer und eine Frau; bei den Grünen steht’s 4:3) irgendeinen Zweifel daran lässt, dass das veränderte Größenverhältnis am besten komplett ignoriert werden sollte. Hoffen wir, dass es nicht dabei bleibt.

> BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Bundespartei

> SPD

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Altes aus Xanga, Teil III

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Saturday, August 24, 2002

Börse und Politik ist eh das gleiche …

So ungefähr seit der letzten Bundestagswahl gibt es den Versuch, das Wahlergebnis nicht politisch durch Meinungsumfragen, sondern ökonomisch durch eine Börse vorherzusagen. Die Idee dahinter ist, dass Menschen Entscheidungen, die für sie mit realen Geldgewinnen oder Verlusten verbunden sind, sehr viel ernsthafter und realistischer treffen als bloße Meinungsäußerungen. Auch wer die CDU und die FDP nicht leiden kann, aber glaubt, dass sie gewinnen werden, wird deren Aktien kaufen.

Die Wahlbörse (»Wahl$treet«) läuft diesmal in Kooperation mit diversen Zeitschriften-Websites, die aber untereinander ein und den selben Markt verwenden. Unten ist der Link auf das Angebot der ZEIT angegeben, weil die am schicksten aussehen (wer’s mehr börsianerisch haben will, kann sich ja mal das Handelsblatt ansehen; die sind auch beteiligt).

Egal, was mensch davon halten mag, getreu neoliberaler/rational-choice-Ideologie auch politische Wahlhandlungen ökonomisch zu simulieren – interessant ist es auf jeden Fall, und ein bißchen Wahrheit scheint auch hinter der dahinterstehenden Theorie zu stecken – jedenfalls war der Gesamtfehler bei der letzten Bundestagswahl kleiner als der Fehler der meisten Umfragen. Und meinen Einsatz habe ich in der letzten Woche auch schon um 25 Cent erhöhen können

Kleiner Nachtrag: Insgesamt habe ich – sage und schreibe! – einen Gewinn von 36 Cent oder so machen können. Und mich damit auf Platz 1400 oder so platziert …


Saturday, August 17, 2002

Mecklenburg

Auch wenn hier auch sonst nicht so viel los ist: die letzten Wochen war noch weniger los, weil ich Urlaub in Mecklenburg gemacht habe: Bei der Sommerschule des fzs und dann noch ein paar Tage an der Ostsee. Inkl. Regen, Erkältung, Sonnenschein und Sonnenbrand.

Noch ein Film: Hundstage

Wer diesen Film gesehen hat, wird ihn nicht mehr vergessen, gleich, ob er ihn geliebt oder gehasst hat. Corriere della Sera (laut Website)

Erst hatten wir ja gedacht, dass Hundstage – viel mit Vorfeldlorbeeren bedacht etc., benannt nach dem Wetter im August – ein passendes Gegenstück zum realen Augustwetter (Regen) sein könnte. Weil aber nette kleine Programmkinos eben insbesondere auch klein ist, wurde das erstmal nichts. Ausverkauft. Am nächsten Tag war das Wetter dann besser, wir sind aber trotzdem in den Film reingegangen, übrigens wieder ausverkauft.

Kurz zusammengefasst: es ist heiß in Österreichs Vororten. Seltsame und wahrscheinlich doch leider ziemlich normale Menschen tun seltsame Dinge, sind gewalttätig, haben Sex, oder beides, oder keins von beidem, oder nerven einfach nur. Angeblich suchen sie nach Liebe. Und das ganze zieht sich ziemlich lange (zwei Stunden), beginnt mit einem ziemlich abrupten Anfang und endet ebenfalls sehr abrupt. Einen Plot im klassischen Sinne – gibt’s eher nicht, oder? Anna und der Alarmanlagenvertreter, das könnte vielleicht ein Plot sein. Trotzdem passiert viel: All das alltäglich-schlimme Verhalten, das eben auch im wirklichen Leben vor allem nervt. Mich jedenfalls.

Passend zum österreichischen O-Ton und zum Titel (der ist unstrittig gelungen) könnte der Film vielleicht noch knapper zusammengefasst werden: Er macht einen narrisch.

Soll heißen: Es ist qualvoll, ihn anzuschauen. An einigen Stellen war ich kurz davor, rauszugehen. Jedenfalls hoffte ich zumindest, dass diese Stellen bald vorbei sind, was sie meistens nicht waren.

Das alles muss nicht heißen, dass Hundstage schlecht ist. Nur sehr anstrengend eben, zu dokumentarisch, um Kunst zu sein, und zu schlimm, um nur dokumentarisch zu sein. Nah dran, und damit – und nicht so sehr durch die sichtbareren Tabubrüche – im echten Wortsinn schockierend. Jedenfalls keine Unterhaltung, auch wenn einige der unterhaltsameren Stellen in ihrer Lachen-im-Hals-Steckenbleiben-Komik an Deix erinnerten. Letztlich also ein etwas unschlüssiges: Was ist dieser Film dann?

Der Corriere della Sera hat wohl recht: Den Film vergisst niemand so leicht. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich ihn nicht lieber doch manchmal vergessen würde. Verdrängung? Therapie? Wenn der Alltag wirklich so ist, dann ist er jedenfalls schlimmer, als ich mir das bisher meistens vorgestellt habe.

> Website


Wednesday, July 17, 2002

Neulichs im Kino: Lilo & Stitch

Die Botschaft, dass Familien zusammenhalten müssen und für einander einstehen sollen, kann leicht als typisch Disney abgetan werden, auch in ihrer imaginär-hawaiianischen Verpackung, sponsored by the tourist authority of Hawai‹i.

Die Familie in diesem Fall besteht allerdings aus einem kleinen Mädchen, das von der Welt nicht verstanden wird, ihrer noch gar nicht so großen Schwester, die sich um sie kümmern muss, deren Freund und einem kleinen außerirdischen Monster. Nicht ganz so typisch, oder? Eine galaktische Präsidentin reiht sich nahtlos in die Ankunft im heute ein. Und wenn dann – ohne zuviel vorwegzunehmen – der Mafiatyp vom Jugendamt und zwei Aliens zu Wahlonkels (oder -tanten, das ist bei dieser strichförmigen Lebensform nicht so klar) werden, dann ist da zwar die süße Happy-End-Botschaft, dass es was bringt, zusammenzuhalten – von der WASP-Moralität Disneys ist aber wenig übrig geblieben. Insofern ist Lilo & Stitch ganz schön zeitgemäss.

Natürlich ist es auch möglich, die ganze Story als einen Zähmungs- und Domestizierungsprozess von Kindern und Monster(chen) zu lesen: aus Lilos Fotos dicker Menschen am Strand werden alle Stationen eines typisch amerikanischen Familienlebens, aus Stitchs Wunsch, Großstädte niederzureißen, wird Spaß im Haushalt. Aber trotzdem bleibt selbst in den letzten Minuten des Films der Eindruck, dass hier widerspenstige Potenziale übrig sind, und außerdem macht es einfach viel mehr Spaß, den Film als einen zu lesen, der davon erzählt, dass weder Monster noch kleine Mädchen immer brav sein müssen, dass die Welt der Arbeit eine der Zwänge ist und so weiter. Meine Empfehlung: Angucken!

> Website zum Film, Flash


Saturday, July 06, 2002

Was passiert hier eigentlich?

Nicht’s großartiges, nur ein Hinweis darauf, dass Marcus Hammerschmitt im weBLOGging die aktuelle Variante der Internet-Utopie ausgemacht hat. Und dazu was in Telepolis geschrieben hat.

> Jeder ist Chefredakteur

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Altes aus Xanga, Teil I

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Monday, April 22, 2002

Wahltag …

Wahltag, und zwar ein ganz seltsamer. Die ersten Ergebnisse kriege ich in den Radionachrichten im Zug mit – und bin ziemlich entsetzt. Der Osten wird schwarz, jedenfalls deutet ein Ergebnis, bei dem FDP, SPD und PDS jeweils etwa gleichstark abschneiden und nur die CDU deutlich besser liegt, darauf hin. Schill kommt knapp nicht rein (na, glücklicherweise), und auch wenn ich’s nicht verstehe, wundert es mich nicht, dass Bündnis 90/Die Grünen deutlich unter 5% bleiben. Soweit meine Gedanken zu Radionachricht eins. Dann kommt Radionachricht zwei: In Frankreich landet Le Pen auf Platz zwei bei der Präsidentenwahl – und lässt den Franzosen und Französinnen damit die Wahl zwischen einem Rechtskonservativen und einem Rechtsradikalen. Na prima. Irgendwie scheint mir hier ein Problem des Zwei-Gang-Wahlsystems zu liegen, vielleicht sähe das Ergebnis ganz anders aus, wenn’s ein Präferenzwahlsystem gäbe …

Leider fand der hessische Rundfunk im ICE kurz nach Frankfurt es nicht für notwendig, über baden-württembergische Oberbürgermeisterwahlergebnisse zu berichten (und die erstmal schockende Nachricht »Neue Bürgermeisterin in …« entpuppte sich dann doch als irgendwo auf dem hessischen Land und nicht als Freiburger CDU-Kandidatin). Insofern blieb mir hier erstmal nur die Ungeduld: schließlich hatte heute ja auch Freiburg gewählt.

Kurz nach 23 Uhr bin ich dann endlich in Freiburg – und muss weiter ungeduldig bleiben, denn weder bei der Badischen Zeitung noch am Rathaus hängen Ergebnisse aus. Zuhause dann der erste Hinweis auf meinem Anrufbeantworter: Ein sensationalles Ergebnis, meint meine Mutter. Näheres hat sie dem Anrufbeantworter nicht verraten. Also ins Internet – und weder www.freiburg.de noch www.badische-zeitung.de wollen sich laden lassen, über irgendwelche bundesweiten Nachrichtenticker finde ich erstmal auch nichts, und www.gruene-freiburg.de ist noch auf dem Stand vier Tage vor der Wahl. Die informierende Rettung naht in Form einer eMail auf einer der Mailinglisten der Grünen Jugend – Dieter Salomon von den Grünen hat es nicht nur unter die ersten zwei geschafft – ich hatte ja mit sowas wie 35% für die CDU-Frau und knapp 30% für ihn gerechnet – sondern belegt mit 36% den Spitzenplatz vor Heute-Bluhm von der CDU. Zepter (SPD) ist meiner Meinung nach zurecht auf Platz drei gelandet, mit nur wenigen Prozentpunkten Vorsprung von Michael Moos – eigentlich halte ich ja nichts von Vorurteilen über blasse Bürokraten, aber hier stimmt’s einfach, und insofern geschieht’s ihm recht. Dass Michael Moos von der Linken Liste deutlich über zehn Prozent landet (und Salomon trotzdem vorne liegt!) finde ich ebenfalls gut. Alles in allem in Freiburg also ein wirklich positives Ergebnis, das jetzt nur noch einen guten zweiten Wahlgang braucht …

Dafür sieht’s außerhalb der kleinen grünen Hochburg im Süden leider doch ganz anders aus. Schade.

Politik – SPIEGEL ONLINE


Sunday, April 07, 2002

Kleinräumigkeit und glückliche Zufälle

Ein Vorteil davon, in einer Stadt wie Freiburg zu wohnen, deren 200.000 EinwohnerInnen – zumindest die studentischen oder sonstwie universitären – sich in einem relativ kleinen Teil der Innenstadt bewegen, besteht darin, dass sich glückliche Zufälle häufen.

Anderswo wären oft umständliche Telekommunikationsvorgänge notwendig, um zum Beispiel Termine abzustimmen, sich über etwas auf dem Laufenden zu halten, oder um einfach nur jemand zu treffen. Natürlich ist es auch in Freiburg nicht so, dass ständig jeder jeden trifft, oder jede. Aber die Wahrscheinlichkeit dafür, bei einem Gang durch die Innenstadt, in der Mensa, vor der Universitätsbibliothek oder in den Kollegiengebäuden ganz zufällig und ungeplant auf eine Person zu stoßen, die einem etwas mitzuteilen hat, oder der etwas mitzuteilen ist, liegt wohl deutlich höher als in größeren räumlichen Gebieten. Allein in den letzten Tagen ist es mir ungefähr zweimal täglich passiert, dass ich jemand zufällig getroffen habe, und dass so andersweitige Kommunikationsvorgänge ersetzt wurden.

Allerdings fehlt mir die eigene Erfahrung, um beurteilen zu können, wie weit dies mit der spezifischen räumlichen Größe und Situation in Freiburg zu tun hat. Trifft mensch sich in Berlin zufällig? Und wie sieht’s beim anderen extrem aus, dem kleinräumigen Dorf, wo solche glücklichen Zufälle noch viel alltäglicher sein müssten – oder aber vielleicht seltener vorkommen, weil es weniger Anlässe gibt, sich quer durch den öffentlichen Raum zu bewegen? Vielleicht ist das ganze aber auch nur dadurch zu erklären, dass soziale Netzwerke und die räumliche Situation zusammenfallen, dass die selben Leute, mit denen Kommunikation notwendig ist, sich relativ oft an den selben Orten aufhalten. Dann könnte diese Art glücklicher Zufälle auch in Großstädten recht häufig sein, wenn nur die Orte stimmen. Dafür spricht, das bestimmte zufällige Begegnungen mit situativen Veränderungen wegfallen oder neu hinzukommen: Nicht mehr HiWi im Institut für Soziologie zu sein, heißt auch, nicht mehr in den dortigen Flurfunk eingebunden zu sein, Neuigkeiten, Entwicklungen und Ereignisse nur noch selten und ausgewählt zu Gesicht zu bekommen, jedenfalls seltener anwesend und damit potenziell ansprechbar zu sein.

Wo derartige Begegnungen mit Bekannten nicht vorkommen, dass ist der virtuelle Raum. Treffen sind hier viel häufiger absichtlich, oder machen allein von der Begrifflichkeit her keinen Sinn. In einem durch eMail-Kommunikation konstituierten virtuellem Raum beispielsweise scheint es mir kaum möglich zu sein, von einem Treffen zu sprechen – und erst recht nicht von einem zufälligen Treffen.

Eine letzte Beobachtung: Wer sich auf zufällige Begegnungen verlassen kann, wird laxer, wenn es darum geht, Termine abzusprechen. Den oder die andere wird man ja vermutlich doch in der nächsten Zeit treffen. Wenn zu dieser Form der Zeitorganisation jedoch die Notwendigkeit der Organisation eigener Zeiten in einem virtuellen sozialen Netzwerk ohne gemeinsame räumliche Basis hinzutritt, dann ergibt sich ein Problem: Hier sind zwei unterschiedliche und nicht immer kompatible Herangehensweisen an Zeitorganisation zusammenzubringen – ein Widerspruch, der sich vielleicht letzlich nur dadurch auflösen lässt, dass der virtuelle Raum in den realen Raum mit hinausgetragen wird, über Organizer, über in Funknetze eingebundene Laptops, über die Kopplung der Verbindlichkeit der wahrscheinlichen Anwesenheit im realen Raum des daran gebundenen sozialen Netzwerks mit der Verbindlichkeit der elektronischen Erreichbarkeit des an diese gebundenen sozialen Netzwerks. Insofern stellt sich weniger die Frage danach, ob eMail und Handy die Möglichkeit zufälliger Begegnugen gefährden, sondern die Frage danach, wie diese erhalten bleiben und mit nichtlokalen sozialen Räumen integriert werden können. Oder?


Friday, April 05, 2002

Und nun?

So, einen einigermaßen ordentlich aussehenden Anbieter von WeBLOGs habe ich gefunden, registriert bin ich dort inzwischen auch, d.h. ich kann jetzt auch tatsächlich anfangen, mal was zu schreiben. Und dabei im Kopf zu behalten, dass das hier kein Tagebuch ist, sondern eher eine Kolumne. Ich werde also jetzt nichts darüber schreiben, dass meine Schwester heute Geburtstag hatte, was ich ihr geschenkt habe und dass das Wetter hier sonnig ist. Ich werde auch nichts darüber schreiben, dass ich heute meinen Arbeitsvertrag als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Forschungsprojekt hier an der Uni Freiburg unterschrieben habe (und sehr gespannt bin, wie das Projekt laufen wird). Und ich werde erst recht nichts dazu schreiben, dass meine Freundin gerade an einer Hausarbeit sitzt, was extrem zeitaufwändig und nervaufreibend ist, wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann (und was dazu führt, dass ich jetzt hier vor meinem Computer sitze und auf komische Ideen komme, wie die, mal auszuprobieren, ob ein WeBlog nicht was nettes wäre). Dazu wollte ich nichts schreiben, habe es jetzt aber doch getan. Egal.

Wo ich schon mal dabei bin, nichts zu schreiben, schreibe ich einfach auch nichts dazu, dass die Weltsituation noch immer ähnlich seltsam und gefährlich aussieht wie in den letzten Tagen. Während Deutschland sich Sorgen darüber macht, ob ein zusammenbrechendes Medienoligopol den Lieblingssport Fußball mit zum Einsturz bringt, als ob es nichts wichtigeres gäbe (und als ob es nicht wichtigere Gründe gäbe, warum Medienoligopole nicht so toll sind), klingen die Nachrichten aus Israel und Palästina von Tag zu Tag deprimierender. Krieg gegen Terror funktioniert auch hier nicht. Oder nur zu gut.

So, fast fertig mit meinem ersten öffentlichen Eintrag. Was habe ich dabei gelernt? Wenn es nicht nur ranting werden soll, macht es Sinn, sich ein Thema zu setzen, und auch tatsächlich was dazu zu schreiben. Und auch wenn es rhetorisch ein feiner Trick ist, etwas zu sagen, indem gesagt wird, dass es nicht gesagt wird, so wird damit trotzdem was gesagt – eine Gratwanderung zwischen öffentlich und privat … Ich bin gespannt, was und wann ich das nächste Mal was schreibe – dann vielleicht tatsächlich auf ein Thema bezogen, und nicht einfach mal so blau vom Himmel her geredet.

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