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Kurz: Faktencheck

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Trump lügt – deutlich mehr als andere US-Politiker*innen. Auch der hiesige rechte Rand – egal ob CSU oder AfD – fällt gerne mal durch den Faktencheck. Teils mit grobem Unsinn, teils mit an den Haaren herbeigezogenen Behauptungen, teils mit fein ziselierten Verdrehungen der Tatsache. Wir erinnern uns: de Maiziere erfindet Prozentzahlen ohne Grundlage. Und auch manche Plenardebatte würde einen Faktencheck nicht bestehen.

Nur: das scheint nicht weiter zu interessieren. Story schlägt Wahrheit, und je lauter das zum eigenen Weltbild passende Gebrüll, desto weniger interessieren die Fakten. Da kann sich z.B. das Netz noch so mühen – die »Das stimmt gar nicht? Dann überlege ich es mir nochmal anders.«-Fälle sind und bleiben selten. Der Wirkungsgrad des mühevollen, ehrenhaften, aufklärerischen Faktencheckens scheint mir doch gering zu bleiben.

Und nun? Verzweiflung? Zumindest das blöde Gefühl, dass es nötig ist, mit der eigenen Politik nicht nur bei den Tatsachen zu bleiben, authentisch und wahrhaftig, sondern zugleich auch noch die bessere Geschichte erzählen zu müssen, um anzukommen. Und ohne der Verlockung zu erliegen, soziale Konstruktion der Wirklichkeit mit einer Lizenz zum freien Erfinden der Dinge zu verwechseln.

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Kurz: Endspiel im Kampf um die Zukunft der Erde

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Wie über Klimawandel reden? Das Science-Fiction-Magazin io9 stellt eine Artikelserie zum #COP21 in Paris unter die Überschrift »Future Earth« und spricht von der Woche, in der die Zukunft der Erde entschieden wird.

Ich bin hin- und hergerissen, ob ich dieses »Framing« gut finde oder nicht. Die (bedrohte) Erde als Symbol des planetaren Umweltschutzgedankes  so neu nicht – von den Apollo-Bildern über Buckminister Fullers Spaceship Earth und den »Earthday« bis zur aktuellen grünen Kampagne »Es gibt keinen Planet B« (Planeten, Leute!). Und abgesehen von der Nickeligkeit, dass es dem Planeten Erde reichlich egal ist, wie die Klimaverhältnisse sich gestalten, Erde hier also synonym für »Mensch und Umwelt« steht, eine global gedachte Menschheit und der Status quo der terrestrischen Ökosysteme, ist die Aussage ja durchaus richtig: Es geht jetzt darum, die politischen Entscheidungen zu treffen, die ausschlaggebend dafür sind, wie bewohnbar dieser Planet in 30, 60, 90 Jahren sein wird. Es geht um unsere konkrete Zukunft als Erdbewohner*innen.

Aber trotzdem: Kampf um die Zukunft der Erde klingt nach schlechter Science Fiction. Und schlimmer noch: das Problem des menschgemachten Klimawandels mit all seinen Konsequenzen wird durch den Bezugspunkt Erde so groß, dass es fast unlösbar erscheint – betrifft uns alle, aber ich als Einzelperson, Haushalt, Stadt, Bundesland, Staat, Kontinent kann eh nichts tun, solange nicht … Wie also über Klimawandel reden, ohne zu beschönigen, und ohne durch Alarmismus Untätigkeit zu produzieren?

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Kurz: Auf den Rahmen kommt es an

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In den aktuellen Deutschlandtrend wurde ein kleines statistisches Experiment eingebaut. Die Frage nach der Zufriedenheit mit der Bundesregierung wurde in drei Varianten gestellt (ich vermute, zufällig entweder so, so oder so). Und zwar wurde einmal nach der Zufriedenheit mit der Bundesregierung, dann nach der Zufriedenheit mit der Regierung Merkel und schließlich nach der Zufriedenheit mit der CDU/CSU-FDP-Bundesregierung gefragt. Je nachdem sind 52, 56 oder nur 38 Prozent der Befragten mit der Regierung zufrieden. Ein schönes Beispiel für den Framing-Effekt: Je nachdem, wie die Frage gerahmt ist – allgemein, auf die Person Merkel oder auf die Parteien CDU, CSU und FDP zugeschnitten – werden andere Erwartungen damit verbunden, und reagieren Befragte anders.

Für den Wahlkampf lässt dieses interessante Experiment der ARD demnach nur einen Schluss zu: Machen wir die Wählerinnen und Wähler aktiv darauf aufmerksam, dass eine Wahl von CDU, CSU und FDP (und der entsprechenden KandidatInnen) tatsächlich dazu führt, dass CDU, CSU und FDP gewählt werden!

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