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Leseprotokoll April 2017

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New York L (High Line)

Ich habe ja angefangen, regelmäßig aufzuschreiben, was ich so gelesen habe. Das hat auch was mit dem Kindle zu tun, den es seit ein paar Monaten in meinem Leben gibt – und der den Stapel der gelesenen Bücher unsichtbar gemacht hat. Dass ich jetzt massiv E-Books lese, hätte ich erstens früher nicht gedacht und scheint zweitens ziemlich hinter dem Trend zu liegen. Zumindest für Großbritannien berichtet der Guardian darüber, wie E-Books ihren Glanz und ihre Verführungskraft verloren haben. Ein bisschen was ist da schon dran: Bücher als physikalische Objekte haben einen Charme, den der Kindle nicht ersetzen kann. Aber praktisch ist er trotzdem – nicht nur für das Lesen unterwegs, sondern auch deswegen, weil er dazu verleitet, Fortsetzungen zu kaufen. Oder sich mal im Werk eines Autors oder einer Autorin umzusehen und die eigene Bibliothek zu ergänzen.

Damit zu meinen im April gelesenen Büchern – acht Stück, davon zwei auf Papier, der Rest digital.

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Im März gelesen

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Trotz umfangreicher Reisetätigkeit bin ich im März gar nicht in dem Ausmaß zum Lesen gekommen, wie ich das eigentlich wollte (was aber auch damit zu tun hat, dass ich an zwei längeren Büchern gelesen habe, aber noch nicht fertig damit bin, weswegen sie hier nicht auftauchen). Jedenfalls gab es zweimal Neil Gaiman, einmal V.E. Schwab, und einmal Karlheinz und Angela Steinmüller.

Von Gaiman habe ich zum einen den Comic Marvel 1602 gelesen. Superheldencomics sind eigentlich nicht meines, in dem Fall fand ich es aber interessant, mir anzuschauen, wie Gaiman diverse Superhelden in ein alternativweltliches England des 17. Jahrhunderts zurückversetzt, inkl. einer eher im Stil der Zeit gehaltenen Grafik. Das zweite Gaiman-Buch, das ich im März gelesen habe, ist Der lächende Odd und die Reise nach Asgard – genauer gesagt, habe ich das vorgelesen (R. hat es zum Geburtstag bekommen). Ein schmales Taschenbuch, das das Thema der Nordic Mythology vorwegnimmt: hier geht es um den Wikingerjungen Odd, der eines Tages wegläuft und im Wald einem Fuchs, einem Bär und einem einäugigen Raben begegnet. Schön geschriebene Nacherzählung einer Geschichte rund um Loki, Thor und Odin.

Karlheinz und Angela Steinmüllers Klassiker Pulaster (1986) antiquarisch zu kaufen (und zu lesen), war das Ergebnis einer Twitter-Reaktionen auf mein letztes Leseprotokoll. Tipps dieser Art nehme ich gerne entgegen. Ein typischer Science-Fiction-Roman, interessant durch das ans römische Reich erinnernde galaktische Imperium, das mit den verschiedenen Geschwindigkeiten von Kommunikation und Raumschiffen zu kämpfen hat, so dass Menschen aus unterschiedlichen Zeiten sich begegnen; naturverbundenen einheimischen; einem realsozialistisch wirkenden Planetenverwaltungsschlendrian. Ich fand es durchaus lesenswert, auch wenn der eine oder andere Handlungsfaden am Schluss nicht aufgelöst wurde, verschwunden im raumzeitlichen Kegel möglicher Kommunikationen, wahrscheinlich.

Bleibt noch Victoria »V.E.« Schwabs A Conjuring of Light – das ist der gerade erst erschienene, sehr umfangreich gewordene Abschluss ihrer Weiß/Schwarz/Rot/Graues-London-Trilogie (Shades of Magic) um Lila Bard. Magie hat Verwüstung über das Königreich Maresh und das rote London gebracht, und nur gemeinsam gelingt es den drei einander teils zugewandten, teils herzlich abgeneigten Antari, dem etwas entgegenzusetzen. Aber das ist nur die Oberfläche der Geschichte. Etwas andere Form von Fantasy – es empfiehlt sich allerdings, beim ersten Band anzufangen.

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Im Herbst 2015 gelesen – Teil II

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Einige wenige der Bücher, die unten besprochen werden – viel liegt auf der Kindle-App, anderes steht schon im Regal …

Heute setze ich dann meinen von einigen Wochen geposteten Überblick darüber fort, was ich seit dem Sommer 2015 gelesen habe.

* * *

Nachdem ich mit Among others die Autorin Jo Walton für mich entdeckt hatte, las ich mich weiter durch ihr Werk. Tooth and claw (2003), ein Jane-Austen-Familiendrama, nur mit Drachen, war nicht so ganz meines.

Begeistert hat mich My real children (2014) – die fiktive Doppelbiographie einer in den 1920er Jahren geborenen Engländerin, Patricia Cowan – zwei sich überlagernde Rückblenden über zwei erfüllte Leben, die in den 1940er Jahren an einem Bifurkationspunkt auseinanderlaufen und sich ganz unterschiedlich entwickeln. Wenn My real children in ein Genre gepackt werden müsste, wäre es der historische Was-wäre-wenn-Roman, allerdings hier aus der Perspektive von unten. Ob Kennedy ermordet wird oder nicht, findet nur im Hintergrund statt. Im Vordergrund zeichnet Walton den Weg Patricia Cowans zur gefeierten Reiseführer-Autorin, die in einem zunehmend geeinten Europa mit ihrer Partnerin und ihren Kindern zwischen Florenz und Großbritannien lebt, – und den Weg von Patricia Cowan, die nach einer unglücklichen Ehe zur lokalen Aktivistin für Frieden, Frauenrechte und den Erhalt des historischen Stadtkerns wird. Oder anders gesagt: ein Buch über die Ungleichzeitigkeiten des 20. Jahrhunderts aus biographischer Perspektive. (Leider gibt es keine deutsche Übersetzung – ich könnte mir vorstellen, dass das Buch auch außerhalb des Genres Anklang finden könnte …)

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Im Herbst 2015 gelesen – Teil I

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Ich sehe gerade, dass das letzte Mal, dass ich intensiver über meinen Literaturkonsum berichtet habe, auch schon wieder ein halbes Jahr her ist. Die Zeit verging rasant, so kam es mir jedenfalls vor.

Jetzt vollständig zu rekonstruieren, was ich seitdem alles gerne gelesen habe, wäre dann doch etwas aufwändig. Ich möchte aber auf einige lesenswerte Bücher hinweisen, ohne allzuviel zu verraten. Und weil es dich ein paar mehr geworden sind, hier erst einmal Teil I. Weiterlesen

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Lesenswert: Terry Pratchetts letztes Buch

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imageIm März diesen Jahres ist Terry Pratchett gestorben. Vor wenigen Tagen ist nun sein letzter Scheibenwelt-Roman erschienen. Dieser gehört zur Tiffany-Aching-Serie und trägt den Titel The Shepherd’s Crown – wörtlich die Hirtenkrone, aber zugleich auch ein Name für ein Seeigel-Fossil, das in der englischen Kalklandschaft gefunden werden kann. Fiktionalisiert sind wir dann im »Chalk«, am Meer, bei grünen Hügeln mit Schafherden, die in Urzeiten Grund eines Ozeans waren.

Es ist nicht ganz einfach, ein posthum erschienenes Werk zu rezensieren. Im Nachwort schreibt Rob Wilkins, dass Manuskript zum Zeitpunkt von Pratchetts Tod vollständig war, dass Pratchett aber üblicherweise seine Manuskripte immer und immer wieder überarbeitet hat. Im Vergleich dazu ist The Shepherd’s Crown eine gewisse Rauheit anzumerken – Ecken und Kanten, die weggeschliffen worden wären, wenn Pratchett noch dazu gekommen wäre, aber auch eine Struktur, die noch nicht ganz so verästelt ist wie in seinen anderen Romanen. (Insbesondere die Geschichte um das Baby Tiffany [nicht die Tiffany, sondern eine andere Tiffany] bleibt am Schluss in der Luft hängen, und auch die mysteriöse Katze You bleibt ein Rätsel [Spoiler!]). Dennoch ist das Buch auf jeden Fall zu empfehlen, und zwar in dreierlei Hinsicht.

Erstens ist es der krönende Abschluss der heroischen wie pragmatischen Coming-of-Age-Geschichte der jungen Hexe Tiffany Aching, um die sich einige frühere Romane – angeblich für die Zielgruppe Young Adults – drehten. In The Shepherd’s Crown tritt Tiffany Aching in große Fußstapfen. Sie ist noch jung, aber muss nun »An Argument of Witches« anführen, um großen Schaden (eine Invasion der Feen) zu verhindern. Trotz aller Selbstzweifel versucht sie, die ihr zugewiesene Rolle auszufüllen – um festzustellen, dass es nicht in erster Linie darum geht, vorhandenen Fußstapfen zu folgen, sondern dass sie jetzt diejenige ist, die den Weg weisen muss. (Und nebenbei noch all das tun muss, was eine Hexe tun muss, die gleichzeitig Hebamme, Heilerin und Sterbebegleiterin ist …)

Zweitens ist dem Roman anzumerken, dass Pratchett ihn im Wissen darum geschrieben hat, wie wenig Zeit ihm noch bleibt. Deswegen ist er immer wieder auch eine Auseinandersetzung mit Leben und Tod, mit Älterwerden und dem Ende. Im Klappentext heißt es dazu, dass es um »endings and beginnings« geht, und das ist genau richtig. Denn wie bei allen Discworld-Romanen gibt es neben der eigentlichen Geschichte Themen, die den Roman durchziehen. Sterblichkeit ist eines davon.

Ein anderes Thema – womit wir bei drittens wären – ist die Scheibenwelt im Zeitalter des Zuges (hier bezieht sich Pratchett auf das direkt vorhergehende Buch, in dem die Eisenbahn erfunden wird). Mit Telegrafie und Zeitungen, mit der Eisenbahn und dem städtischen Zusammenleben ganz unterschiedlicher Wesen, mit dem Ende der absoluten Monarchie hat die Moderne Einzug in die Scheibenwelt gehalten. Damit stellt Pratchett auch die Frage nach Geschlechterrollen – Können Jungen Hexen werden? Können Feegle-Töchter Kämpferinnen werden? Was ist mit dem drittgeborenen Mädchen? – und nach dem gesellschaftlichen Fortschritt zwischen den Polen sozialer Kontrolle und Hilfsbereitschaft einerseits und Anonymität und Freiheit andererseits.

Kurzum: Allein wegen des würdigen Andenkens an Terry Pratchett muss dieses Buch gelesen werden – und humorvoll und hintergründig ist es noch dazu.

Terry Pratchett (2015): The Shepherd’s Crown. London: Doubleday.

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