Schlagwort-Archive: arbeitszeit

Zwei Väter aufs Podest gestellt – und der Rest?

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Playhouse for R.

Die Großbäckerei »Mestemacher« vergibt seit elf Jahren einen Preis »Spitzenvater des Jahres« um gelebte partnerschaftliche Familienmodelle zu würdigen. Klingt erst einmal gut, ärgert mich aber. Und zwar aufgrund einer einfachen Rechenaufgabe:

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Kurz: Ho, ho, heute-show!

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Die Reichweite der heute-show ist beeindruckend – ungefähr ein Dutzend Menschen haben mich im Lauf des Tages schon darauf angesprochen, dass ich dort einen Gastauftritt hatte. Genauer gesagt: Dass die heute-show ab 31:15 in der Sendung vom 27.11.2015 ein paar Sätze aus meiner Rede zur Zeitpolitik rausgepickt hat. Ich hatte (Kinder, Klimademo, …) bis gerade eben noch keine Zeit, mir das anzuschauen, hatte aber eine Vermutung – »Es leuchtet jetzt hier das rote Licht, ich komme zum Schluss – meine Zeit ist zu Ende«. Bingo!

Dazu noch »wir brauchen alle mehr Zeit« (stimmt ja auch), und fertig ist der Scherz über den grünen Parteitag. Was zeigt, dass auch Politik ein bisschen mehr Zeit als die 15 Sekunden heute-show-Schnippsel braucht. Ich empfehle den längeren Beitrag der Gastrednerin Jutta Allmendinger (WZB) und die Reden von Gesine Agena und Bettina Jarasch.

Und wer wissen will, wie ich die drei Minuten Redezeit gefüllt habe, bevor die Redezeitampel am Pult aufleuchtete und die heute-show zugeschlagen hat, findet meinen Beitrag bei phoenix ab 23:33 – oder hier die gesamte Debatte:

* Und wem das nicht reicht: Hier ist der Beschluss zur Zeitpolitik.

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Kurz: Flexible Arbeit und der Achtstundentag

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Vielleicht verzerrt mein persönlicher Erfahrungshintergrund (Akademiker, bisher an der Uni und in der Politik tätig) hier meine Wahrnehmung, aber ich finde die Forderung der Arbeitgeber, vom Achtstundentag abzurücken, zumindest in Teilen nachvollziehbar.

Die Forderung taucht ja im Kontext der Digitalisierungsdebatte auf, aber eigentlich ist Digitalisierung hier nur ein Bestandteil eines größeren und schon seit einigen Jahrzehnten laufenden Trends, der unter der Überschrift »Flexibilisierung der Arbeit« steht. (Und auch die Debatte um den »Arbeitskraftunternehmer« passt hier hervorragend …). Letztlich geht es um eine Veränderung dessen, was als »Arbeitskraft« auf dem Arbeitsmarkt gehandelt wird: Weg vom Zurverfügungstellen physischer und psychischer Arbeitskraft für definierte Zeiträume – da machen gesetzliche Regulierungen der Arbeitszeit viel Sinn – hin zur weitgehend eigenverantwortlichen Erbringung bestimmter Ergebnisse mit weiten Spielräumen hinsichtlich Arbeitszeit, Arbeitsort und verwendeter Methoden und Kompetenzen. Formal zumindest weiterhin angestellt, aber mit einem Charakter von Arbeit, der einige Gemeinsamkeiten mit Alleinselbstständigen aufweist.

Digitale Werkzeuge erleichtern diese Entkopplung – und tragen dazu bei, dass die Nachfrage nach der zweiten Art von Arbeitskraft steigt, und dass bestehende Berufsbilder transformiert werden. Dieser Prozess ist durchaus ambivalent – steigende Autonomie und steigende Freiräume auf der einen Seite, unfreiwillige Verantwortungsübernahme und die Gefahr der räumlichen und zeitlichen Entgrenzung von Arbeit auf der anderen Seite. Auch hier bleibt politische Regulation notwendig – an die Stelle des starren Achtstundentages treten für diese Berufe und Branchen jetzt Monats- und Jahresarbeitszeitkonten, Kernzeitdefinitionen und Regeln zur Begrenzung der Erreichbarkeit, um gern in Kauf genommene Selbstausbeutung zu verhindern.

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Zum Abend des Tags der Arbeit

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Desktop work break

Jutta Allmendinger, Wissenschaftszentrum Berlin, spricht sich u.a. in der Brigitte dafür aus, die reguläre Vollzeitarbeitszeit auf 32 Stunden zu verkürzen. Ähnlich ein Aufruf diverser Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus dem Februar 2013 für die 30-Stunden-Woche.

Finde ich gut. Auch wenn eine Verkürzung auf 32 oder 30 Stunden gar keine ganz so revolutionäre Maßnahme ist – dem einen oder der anderen wird noch die Parole »35-Stunden-Woche« der IG Metall aus den 1980er Jahren in Erinnerung sein, die dann in dieser Branche auch umgesetzt wurde. So groß sind die Differenzen nicht, auch wenn die reale Entwicklung in den letzten Jahren in eine andere Richtung gegangen ist.

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