Schlagwort-Archive: arbeitswissenschaft

Kurz: Bildungszeiten

Veröffentlicht unter Politik und Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , ,  

Ein Problem, dass der Bildungspolitik (und eingeschränkt auch der Hochschulpolitik) inhärent ist, ist die stark verzögerte Aktion – Wirkung, bei gleichzeitig unmittelbarer Alltagsbetroffenheit für viele Menschen. Inhaltliche Reformen des Lehramtstudiums wirken genauso wie quantitative Veränderungen bei der Zahl der Lehramtsstudienplätze erst fünf, sechs oder sieben Jahre nach den politischen wirksam. Ein Studium dauert eben.

Ähnlich sieht es aus, wenn zum Beispiel im Grundschulunterricht etwas geändert wird – egal was, egal in welche Richtung. Es gibt einen relativ langen Vorlauf – Änderung der Bildungspläne, Fortbildungen, neue Materialien – und möglicherweise werden Folgen erst beim Übergang in die weiterführende Schule oder gar erst im weiteren Schulverlauf sichtbar. Auch hier reden wir also von zeitlichen Verzögerungen zwischen Aktion und Wirkung von Jahren bis Jahrzehnten.

Politik findet in Legislaturperioden statt (vier oder fünf Jahre), tagesaktuell werden noch viel kürzere Zeithorizonte eingefordert – jetzt ist das Studienergebnis X da, jetzt muss sofort reagiert werden. Faktisch führt das zu einer permanenten Übersteuerung in der Schulpolitik, durch didaktische Modewellen und Angst vor aufgebrachten Eltern noch verstärkt. Kontraintuitiv wäre hier also zum einen langsameres und gelassenes – dafür breit auch über politische Lager hinweg konsentiertes – Handeln sinnvoll, zum anderen – sagt mir der Blick auf die Arbeitswissenschaft – eine Stärkung lokaler Kompetenzen, Entscheidungsspielräume, Ressourcen und »Puffer«, um Verwerfungen kurzfristig in den Schulen auffangen zu können, ohne am großen Rad der Bildungspolitik zu drehen.

Be the first to like.


Heute schon eine Effizienzreserve gehoben?

Veröffentlicht unter Politik und Gesellschaft, Soziologisch gesehen | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , ,  

Dancer IV

Die Arbeit in der Politik bringt ihre eigenen Betriebsblindheiten mit sich. Manche davon verstecken sich hinter technokratisch anmutenden Phrasen. Das »Heben von Effizienzreserven« ist ein solches Sprachbild. Es steht in einem engen Zusammenhang mit der »Schuldenbremse« und den von den einzelnen Ressorts erwarteten »Konsolidierungsbeiträgen«.

Faktisch heißt »Heben von Effizienzreserven«: Es ist nicht genügend Geld vorhanden, um die rechtlich und politisch gewünschten Aufgaben zu erledigen, also sollen tendenziell weniger Beschäftigte (in der gleichen Zeit wie vorher) die gleiche Arbeit leisten. Sie sollen es nur »effizienter« tun. Bis zu einem gewissen Grad ist das sicherlich möglich, hier Arbeitsabläufe »zu optimieren«. Gerade Verwaltungsvorgängen hängt ja der Ruf nach, kein Vorbild für effiziente Organisation zu sein. Ob dieser schlechte Ruf stimmt, sei dahingestellt.

Weiterlesen

Be the first to like.


Zum Abend des Tags der Arbeit

Veröffentlicht unter Grundeinkommen, Politik und Gesellschaft, Soziologisch gesehen | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , ,  

Desktop work break

Jutta Allmendinger, Wissenschaftszentrum Berlin, spricht sich u.a. in der Brigitte dafür aus, die reguläre Vollzeitarbeitszeit auf 32 Stunden zu verkürzen. Ähnlich ein Aufruf diverser Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus dem Februar 2013 für die 30-Stunden-Woche.

Finde ich gut. Auch wenn eine Verkürzung auf 32 oder 30 Stunden gar keine ganz so revolutionäre Maßnahme ist – dem einen oder der anderen wird noch die Parole »35-Stunden-Woche« der IG Metall aus den 1980er Jahren in Erinnerung sein, die dann in dieser Branche auch umgesetzt wurde. So groß sind die Differenzen nicht, auch wenn die reale Entwicklung in den letzten Jahren in eine andere Richtung gegangen ist.

Weiterlesen

2 Personen gefällt dieser Eintrag.