Kurz: Nofollow ausgeschaltet

Ein Tweet von „ann­na­list“ hat mich noch­mal* dazu gebracht, über die­se Sache mit NoFol­low nach­zu­den­ken, und es dann doch auszuschalten. 

Wor­um geht es: Word­Press setzt auto­ma­tisch jeden Link im Kom­men­tar­be­reich (Home­page der Kom­men­ta­to­rIn, aber auch alles, was sonst an Links ange­ge­ben wird) auf „NoFol­low“. Das bedeu­tet, dass Such­ma­schi­nen die­se Links nicht berück­sich­ti­gen, um ihre Ran­kings zu berech­nen. Anders gesagt: die Links, die ich selbst im Arti­kel set­ze, sind mehr wert als KommentatorInnen-Links. 

Das gan­ze erschien mir irgend­wie vage sinn­voll (vs. Kon­troll­ver­lust oder so), aber rich­tig dafür argu­men­tie­ren könn­te ich auch nicht. Des­we­gen habe ich jetzt ein Plug­in akti­viert, dass – wenn denn alles funk­tio­niert – die NoFol­low-Anga­ben weg­lässt und damit alle Kom­men­ta­to­rIn­nen-Links für Such­ma­schi­nen und deren arka­nes Rechen­werk freigibt.

Hen­ning hat­te vor ein­ein­halb Jah­ren schon mal auf das Pro­blem „nofol­low“ hin­ge­wie­sen, des­we­gen „noch­mal“.

Wahl-Watching

Media

Die ers­ten Ergeb­nis­se aus den US-Mid­term-Elec­tions lau­fen gera­de ein. Wenn ich nicht mor­gen früh zu unmensch­li­chen Uhr­zei­ten zwei Kin­der in Kin­der­ta­ges­stät­tenWald­kin­der­gär­ten brin­gen (und dafür zu einer noch unmensch­li­che­ren Uhr­zeit auf­ste­hen) müss­te, wür­de ich ja glatt den wei­te­ren Abend damit ver­brin­gen, stun­den­lang vor dem Rech­ner zu sit­zen und mir anzu­schau­en, wie nach und nach ein­zel­ne US-Wahl­krei­se ein­lau­fen. Ist ja auch span­nend: Ver­liert Oba­ma die Mehr­heit im Reprä­sen­tan­ten­haus? Wie vie­le Tea-Par­ty-Extre­mis­tIn­nen wer­den nach­her in Amt und Wür­den sein? Kommt es zur Revol­te? Was wird in Kali­for­ni­en mit der Prop. 19 passieren?

Das sind so die The­men an der Ober­flä­che, die Wahl-Wat­ching inter­es­sant machen. Dazu kommt das laten­te Bedürf­nis, zu wis­sen, was los ist, also das Gefühl para­so­zia­ler Polit­in­ter­ak­ti­on durch den Blick auf Aus­zäh­lungs­er­geb­nis­se. Und als drit­te und am Schluss fast span­nends­te Ebe­ne: die gan­zen Ver­fah­rens­fra­gen (Wer darf kan­di­die­ren? Wie vie­le Par­tei­en gibt es? Wie ver­zerrt sind die Ergeb­nis­se? Was machen die Wahl­com­pu­ter? Wie wur­de gegerrymandert?). 

Kurz: Wahl-Wat­ching ist ein Hob­by, das zwar letzt­lich irgend­wo zwi­schen Web­site-Bas­teln und Modell­ei­sen­bahn-Bau­en ange­sie­delt ist, aber im Schein der poli­ti­schen Ernst­haf­tig­keit glänzt. (Und das betrifft ja nicht nur die Groß­ereig­nis­se wie USA 2010 oder vor weni­gen Wochen die Bra­si­li­en-Wahl – wahn­sin­nig vie­le Par­tei­en, selt­sa­me Bünd­nis­se und auch noch Wahl­pflicht, son­dern, wenn Zeit und Inter­net mit­spie­len, auch die kan­to­na­len Wah­len in Basel-Stadt oder das Abschnei­den der Grü­nen in sämt­li­chen EU-Staa­ten – oder die jähr­li­chen u‑as­ta-Wah­len …).

Ich gehe jeden­falls fest davon aus, dass ich nicht der ein­zi­ge bin, den der Reiz der gewag­ten Pro­gno­se und der hoch­zün­geln­den Sta­tis­tik man­che (lei­der ja oft­mals) nächt­li­che Stun­de vor dem Bild­schirm fest­hält, bis end­lich, end­lich klar ist, dass es mal wie­der kei­ne Mehr­heit gibt. Auch wenn es in der Qua­li­tät der Wahl­be­richt­erstat­tungs­tools mas­si­ve Unter­schie­de gibt – dass es mög­lich ist, auch exo­ti­sche Wahle(n) ein­fach von zu Hau­se aus zu ver­fol­gen (und mög­li­cher­wei­se sogar noch dar­über zu twit­tern) – dafür lie­be ich das Internet.

War­um blog­ge ich das? Weil die­se Begeis­te­rung für mich nicht direkt betref­fen­de Wahl­ver­läu­fe z.B. bei A. durch­aus auf Unver­ständ­nis stößt. Auch wenn ich ger­ne zuge­be, dass es natür­lich noch span­nen­der ist, wenn es um „eige­ne“ Wah­len geht, wenn das Wahl-Wat­ching dann im Online-Off­line-Medi­en­mix zwi­schen Land­rats­amt, Fest­saal und Mobil­te­le­fon statt­fin­det. Damit herz­li­che – und durch­aus neid­vol­le – Grü­ße an alle Poli­tik-Nerds, die mor­gen früh nicht früh auf­ste­hen müssen!

Kurz: Bio mit Gesicht

The making of apple pie: the survivors

Seit eini­ger Zeit ist mir auf eini­gen der Bio­pro­duk­te, die ich so kau­fe, der Hin­weis auf das Por­tal „Bio mit Gesicht“ auf­ge­fal­len (Natur­land steckt u.a. dahin­ter). Kurz gesagt geht es dabei dar­um, dass auf jedem Pro­dukt eine Num­mer auf­ge­druckt ist, die auf der Web­site bio-mit-gesicht.de ein­ge­ge­ben wird. Heu­te habe ich es mal mit den Kar­tof­fel­puf­fern aus­pro­biert, die wir zum Mit­tag­essen geges­sen haben (ja, ein Halb­fer­tig-Bio-Con­ve­ni­ence-Pro­dukt). Und was soll ich sagen: es funk­tio­niert. Die Num­mer 1007323 führt nicht nur zu der Fir­ma, die die Kar­tof­fel­puf­fer pro­du­ziert hat (mit Grup­pen­fo­to), son­dern geht die hal­be Wert­schöp­fungs­ket­te lang – por­trä­tiert wird die Tief­kühl­bä­cke­rei, der Kar­tof­fel­bau­er, der Hof, der die Zwie­beln ange­baut hat, der, der das Getrei­de ange­bautgelie­fert hat, und die Müh­le, die das Getrei­de gemah­len hat.

Fin­de ich erst­mal ziem­lich beein­dru­ckend, so im Sin­ne einer Bewusst­ma­chung der Arbeits­leis­tung und der vie­len kol­lek­ti­ven Akteu­re, die an z.B. der Pro­duk­ti­on von Bio-Kar­tof­fel­puf­fern betei­ligt sind. Und auch die mehr oder weni­ger regio­na­len Pro­duk­ti­ons­zu­sam­men­hän­ge wer­den so sicht­bar. Ich neh­me an, dass der Auf­wand dafür gar nicht so groß ist, weil ver­mut­lich die ent­spre­chen­den Abschnit­te der Wert­schöp­fungs­ket­ten eh für durch­ge­hen­de Zer­ti­fi­zie­run­gen erfasst wer­den müs­sen – so wird das gan­ze dann halt noch mit einem Hof­por­trait und einem Foto ver­bun­den und online abruf­bar gemacht. Ob’s aller­dings mehr als ein net­tes Bio-Gim­mick ist, dar­über bin ich mir noch unschlüs­sig. Soll hei­ßen: hat die Mög­lich­keit, sich anzu­schau­en, wer da alles an mei­nem Essen mit­macht, einen Ein­fluss dar­auf, was ich kaufe?

Last but not least: Span­nend wäre es, wenn es sowas auch für hoch­in­te­grier­te Pro­duk­te wie z.B. Mobil­te­le­fo­ne gäbe …