Archiv der Kategorie: Zukunftsvisionen

Ganz kurz: Zukunftskongress (Update)

Am Donnerstag und Freitag fand – zum 550. Jahrestag der Universitätsgründung der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – ein »Zukunftskongress« statt, auch »Humboldt-Labor« genannt. Neben einigem Brimborium bestand der Kongress vor allem aus 12 thematischen Workshops, an denen sich die insgesamt etwa 300 TeilnehmerInnen beteiligen konnten. Zumindest der Workshop, an dem ich teilnahm (»Governance«), war eine positive Überraschung: sehr partizipativ ausgelegt, mit TeilnehmerInnen von der Studierenden bis zum designierten Rektor. Auch wenn letztlich inhaltlich nicht viel bei rauskam, wurde auf einer über den konkreten inhaltlichen Fragen liegenden Ebene klar, dass ein großes Bedürfnis danach da ist, über die traditionellen Gruppengrenzen hinweg Diskussionsforen und Netzwerke zu finden, und dass es auch einer großen Uni gut tut, wenn Vertrauen aufgebaut wird, um sowas zu ermöglichen. Inspirierend (wenn auch nicht immer meiner Wahrnehmung entsprechend) auch die grafischen Mitschriebe, die es zu jedem Workshop gibt. Die sind inzwischen auf der Website des Kongress zu finden und lohnen das flash-basierte Durchblättern (jedenfalls dann, wenn es sich bei dem oder der LeserIn nicht um Wissenschaftsminister Frankenberg handelt, der die letzten Sympathien durch eine absolut nicht zum Kongressklima passende, bornierte und arrogante Haltung in der Schlussrunde verspielt hat – sehr positiv und an den richtigen Punkten kritisch dagegen der amtierende Rektor Jäger und sein Nachfolger Vosskuhle).

Ein bißchen was zum Kongress gibt es auch bei Fudder (und in der BZ).

Warum blogge ich das? Obwohl ich eigentlich gerade keine Zeit habe, weil nicht nur Grüne solche Kongresse veranstalten können und weil mir das gruppenübergreifende Miteinander des Kongresses bisher an der Uni Freiburg oft gefehlt hat.

Update: Hier die offizielle Pressemitteilung der Universität zum Kongress.

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Wechsel nicht möglich (Update 6)

Ich habe die Flickr-Diskussion zum Anlass genommen, ein paar Gedanken über die Brüchigkeit sozialer Netzwerke und die Konsequenzen der Verwendung von sozialen Netzwerken als Grundlage von Web-2.0-Anwendungen zu machen. Wer das nachlesen möchte, kann es bei Telepolis tun. Mein Fazit: eine (möglicherweise dezentrale), nicht-kommerzielle Lösung, die KonsumentInnen aus den Zwängen befreit, möglicherweise lebenslang bei einem Anbieter zu bleiben, und auch nur dort Kontakte knüpfen zu können, ist dringend notwendig. In der Diskussion im Telepolis-Artikelforum gibt es einige, die meinen, eMail wäre schon längst so eine Metastruktur (andere sehen eh überhaupt kein Problem, weil echte Kontakte gibt es im Netz ja nicht …). Die Web-2.0-Anwendungen werden aber genutzt, weil sie deutlich komfortabler als eMail sind. Was ich meine, wäre ein Tool, dass auch für so »ausgefallene« Dinge wie das gegenseitige Kommentieren von Bildern genutzt werden kann, und eben deutlich komfortabler als eMail ist. Ein paar andere Diskussionsbeiträge (z.B. hier, hier oder hier – oder auch hier im Flickr-Forum) finde ich dagegen richtig spannend. Ich bin sicherlich nicht der erste, der sich über dieses Thema Gedanken macht – aber vielleicht trägt mein Artikel mit dazu bei, dass auch virtuelle Sozialbeziehungen irgendwann nicht mehr vorwiegend ein kommerziell genutztes Gut sind.

Warum blogge ich das? Werbung für den Artikel, das auch, aber vor allem, um nochmal die Punkte festzuhalten, die mir an der Diskussion wichtig sind.

Update: Wie ich eben sehe, gibt es in Against Censorship inzwischen einen Thread zu dem Artikel. Außerdem gab’s in den Telepolis-Kommentaren den Hinweis auf diesen taz-Artikel, der vielleicht eine Lösung für das angesprochene Problem bietet (aus der taz von Montag, die ich Montag wohl nur sehr flüchtig gelesen habe …).

Update 2: Olivia Adler macht sich anlässlich des Artikels einige Gedanken zum Thema »Web 2.0 macht abhängig« im Internet Professional Weblog.

Update 3: Ich sehe gerade, dass eine ganze Reihe weiterer Blogs den Artikel aufgegriffen haben. Intensiver befassen sich damit u.a. Sprechblase (»Kann man die Komponenten Webanwendung und die Community mit dem Sozialen Netzwerk überhaupt voneinander trennen?«), Fehlanzeige (»Ein feiner Artikel – der erste, der sich nicht damit zufrieden gibt, die Tatsachen wiederzukäuen, sondern kritisch analysiert, warum das Ganze solche Ausmaße angenommen hat.« – geschmeicheltfühl) und das agenturblog (»Aus betriebswirtschaftlicher Sicht getrieben vermeiden es alle großen Services diese Daten freizugeben – Ideen und technische Ansätz dafür gibt es aber zuhauf …«). Nur mal so als mögliche Debattenfortsetzung – in diesem Beitrag habe ich nicht vor, bis Update 45 hochzuzählen.

Update 4: Auch beim Schockwellenreiter fand sich ein Eintrag zum Artikel – und der Hinweis auf zuvor schon geäußerte ähnliche Gedanken, die ich aber noch nicht kannte. Gespannt bin ich jedenfalls, was aus der Ankündigung Jörg Kantels wird, ein Tool zu basteln, dass ich Richtung einer Vernetzung privaten Foto-Webspaces geht.

Update 5: Und Spreeblick. Wie ich konnte ich Spreeblick übersehen … Da heißt es: »So richtig spannend wird die soziale Netzabhängigkeit aber sowieso erst, wenn unsere Kinder nur noch online spielen und der Clan auf sie zählt. Jederzeit.« Und ein Kommentator verweist auf das Friend-of-a-Friend-Projekt.

Update 6: Und noch ein Hinweis aus der Spreeblick-Diskussion, nämlich auf Atomique – ein Projekt, um Photogruppen und Diskussionen dazu ohne zentralen Server zu organisieren.

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Unternehmensberatung + SPD-Minister = ?

Was kommt heraus, wenn eine Unternehmensberatung für einen SPD-Minister eine Studie erstellt? In diesem Fall eine ziemliche Überraschung: laut der Unternehmensberatung Roland Berger, beauftragt von SPD-Umweltminister Gabriel, heißt es zur zukünftigen Branchenstruktur in Deutschland:

»Die Öko-Branche entwickelt sich zur Leitbranche in Deutschland. Ein Job-Motor ist sie schon heute«, fasst Henzelmann die Ergebnisse der Studie zusammen.

Und wenn der Spiegel nicht völlig übertreibt, dann prognostiziert Roland Berger sogar, dass die Öko-Branche (zu der dann allerdings auch Unternehmen wie Shell oder Siemens gehören werden; wer mal versucht, bei einer Mainstream-Bank Geld »ökologisch korrekt« anzulegen, erlebt da durchaus das eine oder andere Wunder) Maschinenbau und Automobilbau in den nächsten zwölf Jahren überholen hinter sich lassen wird.

2007 – das Jahr, in dem alles, was die Grünen immer schon gewusst, gefordert und unterstützt haben, in den Mainstreamdiskurs eindringt? Jedenfalls ein nettes Argument dafür, warum es zukunftsweisenderes gibt als die Rücksicht auf die lokalen Automobilkonzerne.

Warum blogge ich das? Weil mich der Bericht doch etwas überrascht hat – bin jetzt zu faul, zu schauen, ob es die Originalstudie irgendwo gibt …

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Vogelperspektive auf Übermorgen

Z_Punkt, eine Zukunftsforschungsfirma, hat jetzt ein nettes PDF mit den 20 »Megatrends« zusammengestellt. Megatrends meint damit die groben Richtungen des globalen sozialen Wandels. Genauer gesagt:

Megatrends sind langfristige und übergreifende Transformationsprozesse.Wir sehen sie als wirkungsmächtige Einflussgrößen, die die Märkte der Zukunft prägen.

Teilweise geht es dabei um technische Entwicklungen, teilweise um den sozialen Wandel. Zusammen ergibt das Bild, das Z_Punkt hier – natürlich vor allem aus der Perspektive: darauf müssen Unternehmen reagieren – eine ziemlich klare Vorstellung darüber, was in vielleicht zwanzig Jahren der Kontext von Alltagsleben und Politik sein wird.

Die Trends reichen vom demografischen Wandel, einer neuen Stufe der Indivdualisierung und dem wachsenden Gesundheitsmarkt über steigende Beteiligung von Frauen oder die Wissensökonomie bis hin zu Klimawandel, Urbanisierung, dem Aufstieg Indien und Chinas und einer wachsenden globalen Bedrohung. Vieles davon ist inzwischen (soziologisches oder feullietonistisches) Allgemeingut, anderes wird auch anderswo diskutiert – das Schöne an der Zusammenstellung von Z_Punkt ist der Eindruck, einen Überblick über wichtige Entwicklungen zu gewinnen, von denen anderswo eben oft nur ein Teil gesehen und ein großer Teil ausgeblendet bleibt. Also die Vogelperspektive auf Übermorgen.

Warum blogge ich das? Weil ich krank im Bett liege, gerade kein unterhaltsames Buch da ist, und mein Laptop so schön klein ist.

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Grundeinkommen und ökologische Lebensstile

In meinem Beitrag Für ein existenzsicherendes Grundeinkommen habe ich es ja schon kurz erwähnt: ein Grundeinkommen macht auch aus der Perspektive eines Zusammendenkens von ökologischer und sozialer Frage Sinn. Reinhard Loske plädiert seit einiger Zeit dafür. Heute hat er einen Kommentar (»Den Konsumismus überlisten«) in der taz, der sich hauptsächlich damit beschäftigt, dass es für eine radikal-realistische Klimapolitik nicht ausreicht, Glühbirnen zu verbieten und Hybridautos zu fordern. So schreibt er:

Die Politik muss höllisch aufpassen, dass sie die Klimadebatte nicht zerredet und so klein hackt, dass die Bevölkerung letztlich den Eindruck gewinnt, man könne an der Misere sowieso nichts mehr ändern und konzentriere sich am besten darauf, das eigene Scherflein ins Trockene zu bringen oder die letzte Party zu feiern. Was jetzt gebraucht wird, sind große Würfe, die dann auch verbindlich beschlossen und schrittweise umgesetzt werden: die kohlenstofffreie Energiewirtschaft, klimafreundliche Verkehrsmittel und Gebäude sowie Infrastrukturen, die für jeden ein richtiges Leben im richtigen ermöglichen.

Alle Windräder, Holzpelletheizungen und Hybridautos werden uns aber nicht retten, wenn wir uns länger um die Lebensstilfrage herumdrücken. Da gibt es eine natürliche Scheu, die verständlich ist, gerade bei Politikern, die den Vorwurf der Verzichtspredigt scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Aber der Konsumismus, also das Anhäufen von Gütern als Substitut für Sinn, ist heute der größte Feind des Klimaschutzes. Deshalb ist es eine Kulturaufgabe erster Ordnung, die Rückkehr zum menschlichen Maß zu befördern.

Das nur als Kontext für die hier interessante Frage, wie Grundeinkommen und Klimapolitik zusammenpassen. Als Zwischenschritt dazu argumentiert Loske dazu, nicht klassisch-kapitalismuskritisch und verzichtsbetont an die Frage ökologischer Lebensstile heranzugehen, sondern »den Konsumismus zu überlisten«, d.h.:

[…] Maßhalten mit Lebensfreude, Verzicht mit Genuss, weniger mit mehr, Askese mit Selbstentdeckung zu verbinden, um Mut zu machen und zur Nachahmung anzuregen. Bei der Pluralität unserer Gesellschaft wird das nicht zum Einheitslebensstil führen, sondern zu einer Vielfalt von Lebensstilen, die aber allesamt klimaverträglicher sein würden.

Hier kommt nun das Grundeinkommen ins Spiel, das Loske als Chance sieht, soziale und ökologische Frage zu verbinden und denen, die es wollen, die Möglichkeit zu geben, neue ökologische Lebensstile zu entdecken:

Freilich gilt es eine wichtige Einschränkung zu machen: Wenn Verzicht für die Reichen lediglich hieße, ihren Off-Roader in der Fastenzeit am Sonntag stehen zu lassen, während er für die Armen die Kürzung der Hartz-IV-Leistungen von 345 Euro pro Monat auf 300 Euro bedeutete, wäre ein solcher Ansatz ohne Aussicht auf breite gesellschaftliche Zustimmung. Die Chance, maßvollen Lebensstilen zum Durchbruch zu verhelfen, steigt mit der gesellschaftlichen Gerechtigkeit, national wie international. Das Grundeinkommen für jede und jeden könnte die Brücke sein, um übermäßigen Wachstumsdruck von der Gesellschaft zu nehmen. Es ist an der Zeit, die ökologische und die soziale Frage endlich zusammenzudenken.

Ich finde das eine ziemlich spannende Perspektive, selbst wenn ich noch nicht davon überzeugt bin, dass ein derartiger Lebensstilwandel auf breiter Front passieren wird. Aber selbst für die von Loske als unzureichend dargestellten Maßnahmen sind Avantgarde-Haushalte sinnvoll, die zeigen, wie ein ökologisch nachhaltiger, emissionsreduzierter und trotzdem genußvoller Lebensstil aussehen kann, und von denen der »raffinierte Kapitalismus« lernen kann. Um diese möglicherweise anfangs recht kleine Gruppe zu unterstützen, ist ein Grundeinkommen eine gute Idee (jedenfalls besser als die Idee eines Zuschusses für geprüftes ökologisch korrektes Verhalten …).

Anders gesagt: das Grundeinkommen würde einen postmateriellen Lebensstil ermöglichen, und so zu einer verbesserte gesellschaftlichen Ökobilanz beitragen. Der Schritt dazwischen ist der, dass jemand mit Grundeinkommen weniger Zeit für Arbeit und mehr Zeit für »Sein« haben kann, und die dann idealerweise nicht dafür nutzt, Konsumgüter zu kaufen (und sich zu verschulden), sondern für Kontemplation, Eigenarbeit, ehrenamtliche Arbeit, Familie, Kunst, … andere Formen der Selbstfindung, also jedenfalls alles Dinge, die deutlich weniger materialintensiv sind. Im Prinzip finde ich das eine sehr gute Idee (und habe deswegen auch auf Loskes Beitrag hingewiesen) – allerdings nehme ich an, dass es nur eine relativ kleine Gruppe von Menschen gibt, die ein Grundeinkommen so nutzen würden. Dazu gehört ja beispielsweise, sich nicht über die Erwerbsarbeit zu definieren, etwas mit sich anfangen zu können, ohne externe Unterhaltung geboten zu bekommen usw.

Allerdings bin ich da bei aller Sympathie ein bißchen skeptisch, weil es eine doch recht klare gesellschaftliche Strukturierung in »Milieus« gibt (z.B. SINUS-Milieus), die jeweils für bestimmte Werthaltungen, für einen bestimmten Lebensstil stehen. Und positive Resonanzen mit einem durch ein Grundeinkommen ermöglichten Lebensstil des »positiven Verzichts« sehe ich nur bei den Milieus »B12 Postmaterialisten« und »C2 Experimentalisten«, zusammen sind das maximal 20% der Gesellschaft. Andererseits sind die tatsächlichen Umweltfolgen und die Lebensstile verschiedener Milieus auch noch einmal zwei voneinander getrennt zu betrachtende Dinge.

((Z.T. kopiert aus der grünen Grundeinkommensdebatte))

Warum blogge ich das? Erstens finde ich die Idee interessant, »ökologische und soziale Frage zusammenzudenken«, was auch immer dabei letztlich genau rauskommen wird. Und zweitens beschäftige ich mit in meiner Diss. mit nachhaltigen Lebensstilen und finde diese Debatte auch deswegen spannend.

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