Archiv der Kategorie: Zukunftsvisionen

Vogelperspektive auf Übermorgen

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Z_Punkt, eine Zukunftsforschungsfirma, hat jetzt ein nettes PDF mit den 20 »Megatrends« zusammengestellt. Megatrends meint damit die groben Richtungen des globalen sozialen Wandels. Genauer gesagt:

Megatrends sind langfristige und übergreifende Transformationsprozesse.Wir sehen sie als wirkungsmächtige Einflussgrößen, die die Märkte der Zukunft prägen.

Teilweise geht es dabei um technische Entwicklungen, teilweise um den sozialen Wandel. Zusammen ergibt das Bild, das Z_Punkt hier – natürlich vor allem aus der Perspektive: darauf müssen Unternehmen reagieren – eine ziemlich klare Vorstellung darüber, was in vielleicht zwanzig Jahren der Kontext von Alltagsleben und Politik sein wird.

Die Trends reichen vom demografischen Wandel, einer neuen Stufe der Indivdualisierung und dem wachsenden Gesundheitsmarkt über steigende Beteiligung von Frauen oder die Wissensökonomie bis hin zu Klimawandel, Urbanisierung, dem Aufstieg Indien und Chinas und einer wachsenden globalen Bedrohung. Vieles davon ist inzwischen (soziologisches oder feullietonistisches) Allgemeingut, anderes wird auch anderswo diskutiert – das Schöne an der Zusammenstellung von Z_Punkt ist der Eindruck, einen Überblick über wichtige Entwicklungen zu gewinnen, von denen anderswo eben oft nur ein Teil gesehen und ein großer Teil ausgeblendet bleibt. Also die Vogelperspektive auf Übermorgen.

Warum blogge ich das? Weil ich krank im Bett liege, gerade kein unterhaltsames Buch da ist, und mein Laptop so schön klein ist.

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Grundeinkommen und ökologische Lebensstile

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In meinem Beitrag Für ein existenzsicherendes Grundeinkommen habe ich es ja schon kurz erwähnt: ein Grundeinkommen macht auch aus der Perspektive eines Zusammendenkens von ökologischer und sozialer Frage Sinn. Reinhard Loske plädiert seit einiger Zeit dafür. Heute hat er einen Kommentar (»Den Konsumismus überlisten«) in der taz, der sich hauptsächlich damit beschäftigt, dass es für eine radikal-realistische Klimapolitik nicht ausreicht, Glühbirnen zu verbieten und Hybridautos zu fordern. So schreibt er:

Die Politik muss höllisch aufpassen, dass sie die Klimadebatte nicht zerredet und so klein hackt, dass die Bevölkerung letztlich den Eindruck gewinnt, man könne an der Misere sowieso nichts mehr ändern und konzentriere sich am besten darauf, das eigene Scherflein ins Trockene zu bringen oder die letzte Party zu feiern. Was jetzt gebraucht wird, sind große Würfe, die dann auch verbindlich beschlossen und schrittweise umgesetzt werden: die kohlenstofffreie Energiewirtschaft, klimafreundliche Verkehrsmittel und Gebäude sowie Infrastrukturen, die für jeden ein richtiges Leben im richtigen ermöglichen.

Alle Windräder, Holzpelletheizungen und Hybridautos werden uns aber nicht retten, wenn wir uns länger um die Lebensstilfrage herumdrücken. Da gibt es eine natürliche Scheu, die verständlich ist, gerade bei Politikern, die den Vorwurf der Verzichtspredigt scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Aber der Konsumismus, also das Anhäufen von Gütern als Substitut für Sinn, ist heute der größte Feind des Klimaschutzes. Deshalb ist es eine Kulturaufgabe erster Ordnung, die Rückkehr zum menschlichen Maß zu befördern.

Das nur als Kontext für die hier interessante Frage, wie Grundeinkommen und Klimapolitik zusammenpassen. Als Zwischenschritt dazu argumentiert Loske dazu, nicht klassisch-kapitalismuskritisch und verzichtsbetont an die Frage ökologischer Lebensstile heranzugehen, sondern »den Konsumismus zu überlisten«, d.h.:

[…] Maßhalten mit Lebensfreude, Verzicht mit Genuss, weniger mit mehr, Askese mit Selbstentdeckung zu verbinden, um Mut zu machen und zur Nachahmung anzuregen. Bei der Pluralität unserer Gesellschaft wird das nicht zum Einheitslebensstil führen, sondern zu einer Vielfalt von Lebensstilen, die aber allesamt klimaverträglicher sein würden.

Hier kommt nun das Grundeinkommen ins Spiel, das Loske als Chance sieht, soziale und ökologische Frage zu verbinden und denen, die es wollen, die Möglichkeit zu geben, neue ökologische Lebensstile zu entdecken:

Freilich gilt es eine wichtige Einschränkung zu machen: Wenn Verzicht für die Reichen lediglich hieße, ihren Off-Roader in der Fastenzeit am Sonntag stehen zu lassen, während er für die Armen die Kürzung der Hartz-IV-Leistungen von 345 Euro pro Monat auf 300 Euro bedeutete, wäre ein solcher Ansatz ohne Aussicht auf breite gesellschaftliche Zustimmung. Die Chance, maßvollen Lebensstilen zum Durchbruch zu verhelfen, steigt mit der gesellschaftlichen Gerechtigkeit, national wie international. Das Grundeinkommen für jede und jeden könnte die Brücke sein, um übermäßigen Wachstumsdruck von der Gesellschaft zu nehmen. Es ist an der Zeit, die ökologische und die soziale Frage endlich zusammenzudenken.

Ich finde das eine ziemlich spannende Perspektive, selbst wenn ich noch nicht davon überzeugt bin, dass ein derartiger Lebensstilwandel auf breiter Front passieren wird. Aber selbst für die von Loske als unzureichend dargestellten Maßnahmen sind Avantgarde-Haushalte sinnvoll, die zeigen, wie ein ökologisch nachhaltiger, emissionsreduzierter und trotzdem genußvoller Lebensstil aussehen kann, und von denen der »raffinierte Kapitalismus« lernen kann. Um diese möglicherweise anfangs recht kleine Gruppe zu unterstützen, ist ein Grundeinkommen eine gute Idee (jedenfalls besser als die Idee eines Zuschusses für geprüftes ökologisch korrektes Verhalten …).

Anders gesagt: das Grundeinkommen würde einen postmateriellen Lebensstil ermöglichen, und so zu einer verbesserte gesellschaftlichen Ökobilanz beitragen. Der Schritt dazwischen ist der, dass jemand mit Grundeinkommen weniger Zeit für Arbeit und mehr Zeit für »Sein« haben kann, und die dann idealerweise nicht dafür nutzt, Konsumgüter zu kaufen (und sich zu verschulden), sondern für Kontemplation, Eigenarbeit, ehrenamtliche Arbeit, Familie, Kunst, … andere Formen der Selbstfindung, also jedenfalls alles Dinge, die deutlich weniger materialintensiv sind. Im Prinzip finde ich das eine sehr gute Idee (und habe deswegen auch auf Loskes Beitrag hingewiesen) – allerdings nehme ich an, dass es nur eine relativ kleine Gruppe von Menschen gibt, die ein Grundeinkommen so nutzen würden. Dazu gehört ja beispielsweise, sich nicht über die Erwerbsarbeit zu definieren, etwas mit sich anfangen zu können, ohne externe Unterhaltung geboten zu bekommen usw.

Allerdings bin ich da bei aller Sympathie ein bißchen skeptisch, weil es eine doch recht klare gesellschaftliche Strukturierung in »Milieus« gibt (z.B. SINUS-Milieus), die jeweils für bestimmte Werthaltungen, für einen bestimmten Lebensstil stehen. Und positive Resonanzen mit einem durch ein Grundeinkommen ermöglichten Lebensstil des »positiven Verzichts« sehe ich nur bei den Milieus »B12 Postmaterialisten« und »C2 Experimentalisten«, zusammen sind das maximal 20% der Gesellschaft. Andererseits sind die tatsächlichen Umweltfolgen und die Lebensstile verschiedener Milieus auch noch einmal zwei voneinander getrennt zu betrachtende Dinge.

((Z.T. kopiert aus der grünen Grundeinkommensdebatte))

Warum blogge ich das? Erstens finde ich die Idee interessant, »ökologische und soziale Frage zusammenzudenken«, was auch immer dabei letztlich genau rauskommen wird. Und zweitens beschäftige ich mit in meiner Diss. mit nachhaltigen Lebensstilen und finde diese Debatte auch deswegen spannend.

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Wo bleibt die integrierte Zukunftsvision?

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Eigentlich dachte ich mir, ich verweise jetzt einfach mal auf die inzwischen ziemlich gut ins Laufen gekommene Grundeinkommensdebatte und fordere dazu auf, da mitzudiskutieren. Dann ist mir aber Hennings aktueller Beitrag in seinem privaten Blog unter die Augen (und die Finger) gekommen. Er berichtet nämlich darüber, dass der SPIEGEL darüber berichtet, dass in den aktuellen Umfragen Grüne zum ersten Mal seit der letzten Wahl wieder mit 12 Prozent geführt werden. Der SPIEGEL (und Henning) sehen darin ein Echo auf die derzeit diskursträchtige Klimadebatte. Ich bin mir da nicht so sicher und glaube eher, dass es sich bei 12 Prozent noch um die ganz normale Schwankungsbreite handelt – die letzte Wahl ist einige Zeit her, die Regierung macht einiges falsch und ist intern zerstritten, die Grünen machen ruhige, aber ansonsten durchaus sinnvolle Oppositionspolitik. Da können die Umfragewerte schon mal steigen. Von Klimawandelssympathieeffekten – so sehr wir sie verdienen würden – würde ich erst reden, wenn dieser steigende Trend in den Umfragen anhängt. Mir sind Grüne bei den aktuellen Klimadebatten und Tipps (bis hin zur BILD) allerdings viel zu wenig präsent. Insbesondere glaube ich, dass jetzt ein sehr guter Zeitpunkt dafür wäre, statt viele Einzelmaßnahmen (von der Energiewende bis zur Debatte um Hybridfahrzeuge) endlich mal eine positive Vision einer coolen, klimaneutralen und nachhaltigen Gesellschaft zu präsentieren. Von der Tonlage her könnte das in etwa den Optimismus von WorldChanging treffen. Grüne sind – gerade auch unter dem Vorzeichen eines radikalen Realismus in Umweltfragen – eigentlich prädestiniert für diesen großen Wurf, das Ziel, das deutlich macht, warum sich der Kampf gegen den Klimawandel lohnt, auch wenn er nicht mehr komplett aufzuhalten sein wird. Aber vermutlich ist das weder tagespolitiktauglich noch tagesschautauglich – schade; dann eben andere.

Warum blogge ich das? Weil ich die Diskussion um die Ausrichtung grüner Klimapolitik wichtig finde und diese Position mal loswerden wollte.

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