Archiv der Kategorie: Visualisierungen

Kurz: Rotkäppchen im Stil unserer Zeit

Veröffentlicht unter Digitales Leben, Distinktion & Ästhetik, Kuriositätenkabinett, Visualisierungen | Verschlagwortet mit , , , , , ,  


Slagsmålsklubben – Sponsored by destiny from Tomas Nilsson on Vimeo.

»Faux infographics« ist einer der großen zeitgenössischen visuellen Stile. Oder so. Obige Musikvideo-Verfilmung des Grimm’schen Märchens »Rotkäppchen« besticht durch ebenso zeitgenössische Musik (»Slagsmålsklubben«, Tomas Nilsson) und eine ganze Reihe amüsanter Abwege, die erst beim zweiten Hinsehen bemerkt werden. Deswegen – ich tue das ja nicht so gerne – mal wieder ein eingebettetes Infografik-Video. Via Boing Boing Gadgets.

Einer Person gefällt dieser Eintrag.


Heirat und Geschlechterrollen (Update 3)

Veröffentlicht unter Politik und Gesellschaft, Soziologisch gesehen, Visualisierungen | Verschlagwortet mit , , , , , , , , ,  

Der Spiegel hat wohl ein Sonderheft zum Thema Familie herausgebracht. Online findet sich da inzwischen ein (wie meist) recht lesenswerter Aufsatz von Reinhard Mohr über den Wandel des Familienbegriffs seit ’68 samt Ausblick auf die mühsame Freiheit der Patchwork-Familie. Außerdem haben die eine ganze Reihe von statistischen Informationen zum Themenfeld Familie, Kinder, Heirat zusammengestellt (dass die »nichtehelichen Kinder« in der Anmoderation des Artikels zu »unehelichen Kindern« mutieren, und dass beides eigentlich blöde Begriffe sind, sei mal dahingestellt). Unter den Grafiken ist mir eine besonders aufgefallen:

spiegel-grafik.png

Familie und Beruf (Quelle: Spiegel online)

Und zwar nicht wegen des Tippfehlers im Diagramm, sondern weil die – steigende, aber noch immer relativ kleine – Gruppe nichtehelicher Lebensgemeinschaften zumindest diesem Diagramm nach Berufstätigkeiten egalitärer verteilt. Es wäre interessant, dem nachzugehen. Auf den ersten Blick wirkt es jedenfalls so, als würde das Diagramm die These stützen, dass das Ehegattensplitting ungleiche Erwerbsbeteiligungen von Männern und Frauen verstärkt. Allzuviel sollte allerdings in das Schaubild auch nicht reininterpretiert werden – es kann durchaus sein, dass es neben institutionellen Faktoren wie dem Ehegattensplitting auch soziale und kulturelle Faktoren gibt, die sowohl die Entscheidung zu einer Heirat als auch die Entscheidung zu nicht-egalitären Arbeitsverteilungen beeinflussen (sprich: wer sich gegen eine Heirat entscheidet, ist möglicherweise ›eh‹ weniger stark an traditionellen Geschlechterrollen orientiert und würde auch bei einer Heirat zu einer egalitäreren Verteilung von Tätigkeiten neigen; oder: wer aus finanziellen Gründen nicht heiratet, ist möglicherweise ›eh‹ materiell drauf angewiesen, das beide in Vollzeit arbeiten usw.).

Allerdings ist das Spiegel-Diagramm, so wie hier abgebildet, letztlich nicht nur wegen diesen Unsicherheiten über Kausalitäten relativ nutzlos: abgebildet sind nämlich nur diejenigen Paare, bei denen beide überhaupt berufstätig sind. Was fehlt – und eigentlich spannend wäre – ist die Frage, wie sich das klassische deutsche Modell der Arbeitsverteilung sowohl innerhalb der beiden Gruppen auswirkt als auch hier wiederum der Vergleich zwischen den Gruppen. Dazu müsste es eigentlich auch Mikrozensus-Daten geben (im Datenreport 2006 war beim kurzen Durchblättern allerdings nichts dazu zu finden).

Warum blogge ich das? Zum einen, weil mich das Thema politisch und beruflich interessiert, zum anderen, weil die nähere Beschäftigung mit dem Schaubild zeigt, dass es weit weniger hergibt, als möglich wäre … relativ typisch für Infografiken in Massenmedien.

Update: Zufällig bin ich bei der Suche nach ganz anderen Dingen auf eine aktuelle Sonderauswertung des Mikrozensus zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestoßen – da (Schaubild 11 ist identisch mit oben, Schaubild 10 ergänzt das …) stehen die oben fehlende Dinge drinne (und bestätigen die genannte Tendenz).

Update 2: Hier nochmal der Hinweis auf die derzeit durch Medien und Blogs geisternde Studie von Davis, Greenstein und Marks zur Hausarbeitsverteilung zwischen verheirateten und unverheirateten Paaren: Pressemitteilung, Preprint, Diskussion: BoingBoing, Diskussion: Zeitrafferin (mein letzter, etwas lang geratener Kommentar), SpOn.

Update 3: (20.10.2007) Via Reddit bin ich auf zwei Meldungen gestoßen, die das Thema dieses Blog-Eintrags ganz gut ergänzen. Das eine ist ein Vergleich der rechtlichen Bedingungen, unter denen hetero- bzw. homosexuelle Paare in den USA und in Kanada zusammenleben. Nicht-verheiratete heterosexuelle Paare in Kanada werden nach einem Jahr als automatisch als »common law relationship« anerkannt; in den USA gibt es einige Staaten, in denen diese Form des Zusammenlebens illegal ist. Insgesamt gibt es in dem Artikel ein paar gute Fragen zum Thema, wie staatliche Regulationen und partnerschaftliche Beziehungen zusammenhängen.

Das zweite ist nochmal ein ganz anderer Blickwinkel auf das Thema: Feminists have more fun – und zwar betrifft dies sowohl feministisch eingestellte Frauen wie auch Männer, die mit solchen zusammenleben (und umgekehrt) …

Be the first to like.


Das Leben als Infografik

Veröffentlicht unter Digitales Leben, Kuriositätenkabinett, Visualisierungen | Verschlagwortet mit ,  

Oder hier klicken, um’s bei YouTube anzuschauen. Das Stück heißt übrigens »Remind Me« und kommt von der norwegischen Band Röyksopp, von der ich zugegebenermaßen noch nichts gehört hatte, bis ich via Reddit auf das Video hier gestoßen bin.

Warum blogge ich das? 1. wegen der Infografiken (und dem innovativen Einsatz dieser hier), 2. wegen a. Siegfried Kracauer und b. Nicholas Baker.

Be the first to like.


Netzwerk sucht Knoten

Veröffentlicht unter Digitales Leben, Visualisierungen | Verschlagwortet mit , , , , ,  

Letztlich war es Jan Schmidts Bericht über Visualisierungsmöglichkeiten für Netzwerke, der mich dazu gebracht hat, auch noch einen Account bei Facebook anzulegen. So ganz toll finde ich es noch nicht (sehr bunt, noch sehr amerikanisch: oder weiss jemand hier sein »Grad. School«-Jahr?), aber das kann ja noch werden.

Interessant auf jeden Fall die Möglichkeit einer API, die Drittanbieter-Anwendungen auf den Facebook-Daten laufen lassen kann.

Damit die Visualisierung des Kontaktnetzwerks auch einen Sinn macht, hier der Aufruf an alle LeserInnen des Blogs, die einen Facebook-Account haben oder haben wollen, und mich kennen, mich doch auch als »friend« hinzuzunehmen. Ganz so viele (wie etwa bei Xing/OpenBC), die ich kenne, scheinen allerdings noch gar nicht bei Facebook mitzumachen.

Übrigens: Wie schon bei Flickr (»Wechsel nicht möglich«) zeigt sich auch hier, dass eigentlich ein Metastandard für Web2.0-Netzwerke fehlt. Ich würde zumindest gerne mein »Xing-Netzwerk« (oder auch mein »Flickr-Netzwerk«) mit der Facebook-Benutzerdatenbank abgleichen können. Noch lieber wäre mir eine Architektur, die soziale Netzwerke und Applikationen komplett trennt.

Warum blogge ich das? Um andere darauf aufmerksam zu machen, dass ich jetzt auch bei Facebook zu finden bin – Lust, alle möglichen Kontakte dort von Hand (bzw. per eMail-Adress-Abgleich) zu suchen, habe ich nämlich nicht.

Be the first to like.


Landkarte des Internets

Veröffentlicht unter Digitales Leben, Visualisierungen | Verschlagwortet mit , , ,  


Quelle: Randall Munroes xkcd.org, CC-BY-NC-2.5 – für eine größere Version anklicken

Der heutige xkcd-Comic ist eine Landkarte des Internets. Also die Raummetapher mal wörtlich genommen. Das Ergebnis finde ich vor allem deswegen spannend, weil die Grenzziehungen, die Randall Munroe verwendet, ja auch etwas über die Identität der Gruppen innerhalb der Grenzen aussagt (und über die Fremdzuschreibungen). Seine Karte hat eine Orientierung – oben die Massen, unten die »Intellectuals«, links die Dinge mit Real-life-Bezug, rechts Spiele, Fiktives und Subkulturen (bzw. der »Focus on the Web«). Die Anordnung innerhalb der groben Orientierung sagt etwas aus über Nachbarschaftsbeziehungen (sowohl funktionaler als auch kultureller Art), die Größe soll in etwa wiedergeben, wie attraktiv von den Nutzerzahlen ein Angebot ist.

Interessant finde ich aber nicht nur generell den Versuch, die verschiedenen »web-2.0″-Communities grafisch darzustellen, sondern auch die persönliche Einordnung: die Dienste, die ich nutze, liegen z.B. alle unterhalb der Kartenmitte (OpenBC/XING ist nicht eingezeichnet, das wäre möglicherweise links oben) und tendenziell eher in der Mitte (FlickR, div. Blogs, del.ico.us, Wikipedia, nicht unbedingt Last.fm, aber ähnliche Angebote, und auch das hier untergetauchte Usenet).

Außerdem hätte ich jetzt gerne ein Online-Rollenspiel, das diese Karte als Grundlage nimmt.

Warum ich das blogge? Weil mich interessiert, wo andere sich wiederfinden. Und ob die Karte den »mental maps« der InternetnutzerInnen entspricht.

Be the first to like.


Seite 1/3    1 2 3