Archiv der Kategorie: Freiburg

Elite-Glanz

Vor ein paar Wochen hatte ich mich über die vielfältigen Baumaßnahmen anlässlich des Freiburger Uni-Jubiläums ausgelassen. Aber es gibt auch andere Gründe, die Uni heraus zu putzen (nein, kein Schreibfehler …). Der Spiegel berichtet heute von Schönheitskuren in Konstanz (u.a. kommt der GHG-Vertreter Till Seiler zu Wort) und an den beiden Berliner Unis – Gemeinsamkeit: alle wollen Eliteuni werden. Will Freiburg auch – Konstantin Görlich hat schon vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass plötzlich auf dem Weg zur Elite neue Teppiche und Klimaanlagen aufgetaucht sind. Ich bin ja mal gespannt, wie beeindruckend diese Schönfärberei im Vorfeld für die GutachterInnen ist; aber da wohl alle Finalistinnen da mitmachen, kann im Nachhinein wohl kaum eine Aussage darüber getroffen werden. Warum mich das ganze an Nigeria-Spam erinnert, weiß ich auch nicht so genau (bei denen geht es darum, vorweg einen kleinen Teil einer großen Menge Geld zu zahlen, die hoffentlich vielleicht irgendwann in die andere Richtung fließen soll).

Warum blogge ich das? Dem Elite-Uni-Wettbewerb schaue ich als Sozialwissenschaftler eher skeptisch zu – und manche Blüten sind einfach einen Hinweis wert.

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Straßenmusikzauber

Neulichs musste ich mal um fast schon Mitternacht bei sommerlichen Temperaturen auf meine Straßenbahn warten. Die Zeit ging aber extrem schnell vorbei, weil eine Straßenmusikgruppe tolle Musik machte (mit großem Publikum, Zugaben und allem, was eigentlich auf ein Livekonzert oder so gehört).

Heute sehe ich bei Fudder einen Artikel (mit Kurzvideo) mit der Überschrift »Zauberhafte Straßenmusik am Bertoldsbrunnen« – und ja, das sind sie. Genau das braucht Freiburg!

Warum blogge ich das? Aus purer Begeisterung.

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G8-Gipfel: langweilige und spannende Aktionen

Wirklich klasse fand ich heute die Nachrichten (Indymedia, Spiegel online, NDR) darüber, dass es den DemonstrantInnen in Heiligendamm gelungen ist, mit Hilfe einer bei den Castor-Transporten (X1000-mal-quer) schon mehrfach angewandten Strategie organisierter Desorganisation – daran erinnerten mich jedenfalls die Berichte darüber – Heiligendamm zu blockieren. Dass der Ort bis auf wenige Kontrollpunkte abgeriegelt wurde – der berühmt-berüchtigte Sicherheitszaun – hat sich hier als großes Manko erwiesen. David-gegen-Goliath-Judo wäre vielleicht eine treffende Bezeichung dafür. Und dass die überrumpelte Polizei dann zu Wasserwerfern und Schlagstöcken gegen friedliche SitzblockiererInnen gegriffen hat, passt in das Bild einer überholten Strategie, die mit Deeskalation wenig, mit Unerfahrenheit mit Großdemos viel zu tun hat.

G8-Kundgebung Freiburg VI
Rumstehen und zuhören: Freiburg (Mehr Fotos)

Soweit die spannenden Aktionen. Sehr viel langweiliger war dagegen die Kundgebung in Freiburg heute. Gut natürlich, dass überhaupt jemand was macht. Aber was, war dann doch eher abschreckend. Auf dem Rathausplatz waren etwa 40 bis 50 Leute, je nachdem, wer von denen, die eher vorsichtig auf Abstand blieben, dazugezählt wird. Linkspartei, DKP, DGB und ein paar wenige ungebundene Linke (und zwei, drei Grüne) standen etwa eine Stunde auf dem Rathausplatz rum. Anfangs gab’s Che-Verherrlichungsmusik und Arbeiterkampfliedermacherlieder (»weg mit Hartz IV, wir wollen Arbeit«). Nicht mein Ding. Danach dann eine Reihe von Redebeiträgen. Pluspunkt: nicht alle RednerInnen kamen aus den Reihen der Linkspartei/WASG. Alle waren jedoch kaum zu verstehen (zu kleine Anlage) und standen irgendwo in der Menge. Insgesamt also ein eher beschauliches Ereignis, von dem vermutlich auch kaum jemand Notiz genommen hat. Auch für Soli-Kundgebungen sind phantasievollere Formen denkbar. Nächstesmal hätte ich gerne ein Protestfrühstück auf einer belebten Straße oder dergleichen mehr …

Warum blogge ich das? Beobachtung der Anti-G8-Proteste und Memo to self: beim nächsten Mal rechtzeitig anfangen, selbst aktiv zu werden.

Update: Mein X1000-Mal-Quer-Wiedererkennen scheint zu stimmen, jedenfalls laut einem gerade aufgetauchten zusammenfassenden SpOn-Artikel. Und auch die Website »Block G8″ klingt sehr nach der X1000-Mal-Quer-Strategie – macht nostalgisch.

Update 2: Sehr schön das heutige taz-Titelbild:

taz-Titel 7.06.2007
Titel der taz vom 7.06.2007

Und hier der dazugehörige Bericht der taz sowie der Titelseitenkommentar.

Update 3: Interessant ist der Blick auf das ganze aus Sicht der internationalen Presse – die scheint sich mehr oder weniger komplett auf die Polizeiberichterstattung zu verlassen (oder kennt von zu Hause aus deutlich heftigere Proteste). Aber manchmal muss gar nicht so weit weg geschaut werden – laut netzpolitik.org griff selbst der örtliche NDR für eine Reportage auf direkt von der Polizei kommendes dpa-Material zurück, statt selbst zu recherchieren – inklusive nicht vorhandener Molotow-Cocktails.

Update 4: Ein paar Eindrücke aus Heiligendamm bei Hanno Böck.

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Die Weisheit hat sich ein Haus gebaut

University en site
Renovierungsarbeiten am Haupteingang des KG I

Das 550-jährige Jubiläum der Albert-Ludwigs-Universität nahm das Universitätsbauamt zum Anlass, die baulichen Aktivitäten der letzten 50 Jahre in dem 185 Seiten umfassenden, reich bebilderten Band zu dokumentieren.

Eine Fülle von Projekten konnte in dieser Zeit realisiert werden. Das Spektrum reicht von der Gesamtplanung der über die ganzen Stadt verteilten Universitätsgebäude, den Bau von Kliniken, Laboren und Instituten bis zu Sonderbauten wie Mensen, Hörsälen und Gewächshäusern sowie der Gestaltung von Außenanlagen und Kunst am Bau. Ein Großteil dieser Maßnahmen wurde in der Amtszeit von Rektor Wolfgang Jäger initiiert und realisiert.

Das schreibt das Universitätsbauamt in einer Pressemitteilung. Architektur – Gestaltung des Raumes, Infrastruktur gewordene Technik – finde ich prinzipiell interessant und ich werde mir diesen Bildband sicher mal anschauen. Der Grund, warum ich das hier blogge, ist allerdings ein anderer: der letzte Satz könnte als Motto über der Amtszeit des im März 2008 dann doch mal abtretetenden Wolfgangs des I. stehen. Und erklärt auch, warum er, Wolfgang der I., als Universitätsmotto immer wieder zitiert: »Die Weisheit hat sich ein Haus gebaut«.

Aber es sind nicht nur die neugebauten Institute und Gebäude, die hier angesprochen sind, sondern auch die Renovierungsarbeiten am KG I, am KG II und am Peterhof, die mit aller Macht der Institution Uni Altehrwürdigkeit zurückgeben wollen – ochensblutfarbene Wände, originalgetreu gestaltete Glastüren, aufwendig renovierte Aulen und ein für normale Veranstaltungen nur noch begrenzt verwendbares Audimax. Sieht schön aus, nimmt aber zugleich der universitären Ästhetik jeden Versuch von Massenhaftigkeit, Gewöhnlichkeit und Breitenwirkung. Also dann doch lieber: Elite im Elfenbeinturm, elegant gestaltet. Siehe auch Jonatans Kolumne im u-asta-info #766, S. 2.

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Zuviel Polizei am 1. Mai

Traditionellerweise findet am 1. Mai im Quartier »Im Grün« in Freiburg ein links-alternatives Straßenfest statt. So auch dieses Jahr – gute Stimmung, nette Leute, Musik von Punk bis Salsa. Es gibt leckeres Essen, Kinderbelustigung und Unterhaltung für Erwachsene. Eine schöne Sache also.

May 1st, II
Volxküche beim Straßenfest

Dieses Jahr war eine Sache jedoch anders: das Fest stand unter Polizeibeobachtung:

May 1st, I
Im Hintergrund zu sehen: der Videoaufzeichnungswagen der Polizei

Warum? Die diesjährige Love or Hate-Parade der autonomen Szene war für den 1. Mai, Startpunkt Belfortstraße angekündigt, also hier. Diese Demo sollte um 19.00 Uhr beginnen – die mobile Überwachungsstation war allerdings auch schon da, als wir um 17.30 Uhr zum Fest kamen (genauso wie die ungewöhnlich große Zahl an Polizeiautos entlang der Zufahrtsstraßen). Wie die Demo verlaufen ist, weiss ich nicht, weil wir gegen 19.00 Uhr gehen mussten (unsere Tochter wurde sehr quengelig). Die massive Polizeipräsenz, der wir beim Verlassen des Geländes begegnet sind, lässt mich allerdings vermuten, dass – im Sinne der neuen Freiburger Linie – nicht auf Deeskalation, sondern auf Repression gesetzt wurde. Aus meiner Sicht das beste Mittel, um aus einer irgendwo zwischen Demo und witziger Parade angesiedelten Sache einen Krawallherd zu machen … Was auf den Fotos nicht zu sehen ist, ist die Polizeihundertschaft, die uns (wir hatten unsere Fahrräder bei der UB geparkt) dort joggend entgegenkam. Für mich viel zu viel Polizei auf Freiburgs Straßen und jedenfalls nichts, was zu meinem Sicherheitsempfinden beiträgt.

May 1st -- too much police
Jede Menge Polizeiautos auf dem Rotteckring – die Demo wird nicht weit kommen

Wie gesagt: ich weiss nicht, wie es ausgegangen ist, und konnte nicht vor Ort bleiben. Im Jahr zuvor gab es völlig unnötige Kessel und ähnliches … Diesmal hat der Freiburger AKJ ein Team aus Jurastudierenden als DemobeobachterInnen hingeschickt. Ich hoffe, dass es was gebracht hat und das es nicht zu Ausschreitungen gekommen ist; ich bin aber sicherlich nicht der einzige, der beim Anblick derart massierter Polizeipräsenz wütend wird. Dass es auch anders geht, hat die Vergangenheit in Freiburg gezeigt – die Vorgänger im Polizeipräsidium haben nicht eskaliert, sondern sind bei einer derartigen Demo erstmal mit einer kleinen Gruppe dazugekommen und haben das Gespräch gesucht. Das hat dann – trotz fehlender Anmeldung und buntem Aktivismus – in den meisten Fällen zu Demos geführt, die zwar mal laut waren, aber ansonsten friedlich blieben. Mir ist immer noch nicht klar, wieso das jetzt anders sein muss und was hinter der an vielfältigen Zwischenfällen beobachtbaren neuen Polizeitaktik steckt.

Warum blogge ich das? Um ein Stück Öffentlichkeit zu schaffen und meinem Unmut über dieses Vorgehen Luft zu machen.

Update: Ein paar Worte zum Demoverlauf und eine große Menge Bilder von der Demo gibt es bei Fudder.

Update 2: Ein etwas ausführlicher Bericht ist jetzt auch da (ebenfalls Fudder).

Update 3: Nochmal fudder – diesmal mit der Bewertung der DemobeobachterInnen vom akj.

Update 4: Inzwischen habe ich auch einen Bericht aus linksautonomer Sicht bei Indymedia gefunden.

Update 5: Nochmal ausführlicher und mit Pressezitaten Indymedia.

Update 6: GrünesFreiburg diskutiert – u.a. im Zusammenhang mit der Love and Hate Parade – die Verdienste Dieter Salomons.

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