Kurz: Fluss der Dinge

Es ist eine Nachricht, dass Twitter die chronologische Timeline wieder anbietet. Anders als bei Facebook war sie nie ganz weg, denn wer in den Tiefen der Einstellungen angegeben hat, nicht die »wichtigsten« Nachrichten zuerst sehen zu wollen, hat eine mehr oder weniger chronologisch geordnete Timeline angezeigt bekommen. Abgesehen von Hinweisen, was eine oder einer vielleicht verpasst haben könnte, oder was andere gesehen haben, oder … ich habe hier recht konsequent auf »weniger davon anzeigen« gedrückt und zuletzt dann einen fast ausschließlich chronologischen Nachrichtenstrom erhalten.

Das scheint mir neben den Unzulänglichkeiten der Auswahlalgorithmen auch der Hauptgrund für die Beliebtheit der Chronologie zu sein: Tweets sind hier ein endloser Strom von Nachrichten, der einen Moment im globalen kommunikativen Bewusstsein dokumentiert und dann wieder vergeht. Die Dinge sind im Fluss, und wichtig ist nicht, was gestern passiert ist, sondern das, worüber Menschen genau in diesem Moment reden. Ein bisschen lässt sich dieser Strom zurückverfolgen, aber was vergangen ist, entschwindet – wie in einem Gespräch, nicht wie in einer E-Mail-Debatte. Nur was wiederholt wird, überspringt diesen Anschein von Vergänglichkeit. Und darin liegt für mich der Reiz der Chronologie.

P.S.: Und natürlich signalisiert eine chronologisch geordnete Timeline – paradoxerweise – zugleich Kontrolle, insofern zumindest theoretisch die Möglichkeit besteht, so lange zurückzublättern, bis eine oder einer alles gelesen hat.

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