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Das Blog von Till Westermayer – seit 2002

2009 4 Aug

Ein bißchen »online« sein

Abgelegt unter: Digitales Leben | Tags: , , | 0 Aufrufe seit 25.02.2010.

WLANIn einem Tweet hatte ich geschrieben, dass ich »über das Wochenende ein bißchen offline« war. Prompt wurde behauptet, online/offline ginge nur gar und ganz, das sei binär codiert. In jedem gegebenen Moment mag das zutriffen, aber ist »online sein« bzw. »offline sein« nicht auch ein, hmm, Lebensgefühl? Oder, nochmal anders ausgedrückt, letztlich eine Frage der Präsenz – irgendwo zwischen fest und klar umrissen oder eine zeitlang nur in geisterhaften Fetzen?

Das Hintergrundfenster zur Welt ist auch offen, wenn ich im Vordergrund was anderes tue und auch der Fokus meiner Aufmerksamkeit woanders liegt. Bin ich dann online?

Vielleicht irritiert es mich deswegen auch, wenn in Umfragen gefragt wird, wie viele Stunden ich am Tag online bin. Wie lange mein Computer angeschaltet ist? Wie lange die Internet-Verbindung aktiv ist? Wieviele Sekunden insgesamt Paketdaten darüber ausgetauscht wurden? Wieviel Zeit ich »im Browserfenster« verbracht habe?

Und andersherum: wenn ich das Wochenende über den Rechner aus habe, morgens einmal kurz in die Mailbox schaue – bin ich dann online? Das war es, was ich mit ironischer Untertreibung als »ein bißchen offline sein« beschrieben hatte.

Wenn jemand jeden Tag den Rechner (oder das iPhone oder …) laufen hat, in Sekundenbruchteilen eine Paketdatenverbindung aufbauen kann – ist sie dann »immer online«? Wenn jemand nur einmal am Tag für zwei Stunden »ins Netz geht« – was ist mit dem? Ein bißchen online, ein bißchen offline?

Binär codiert? Nein, ein Kontinuum, das letztlich nicht nur technische Verfügbarkeit ausdrückt, sondern eben auch die quasiräumliche Präsenz im sozialen Netzwerk. Und die ist nicht da oder nicht da, sondern kann variieren und gemessen werden. Auch wenn die »Stunden am Tag im Netz« kein guter Maßstab sind.

Warum blogge ich das? Latentes Unbehagen über binäre Kodierungen.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Dienstag, 4. August 2009 und wurde abgelegt unter "Digitales Leben". Du kannst die Kommentare verfolgen mit dem Kommentarfeed. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

2 Kommentare

  1. 1HenningNo Gravatar am Dienstag, 4. August 2009 um 13:47 – Permalink

    Sehe ich ähnlich wie du. Wenn ich z.B. übers Wochenende kaum oder gar nicht am Rechner bin, bin ich oft ja trotzdem vom Handy aus hin und wieder in Twitter.

    Egal, ob nur schreibend, nur lesend oder beides – so »richtig online« ist das für mich nicht.

    Man könnte da übrigens auch den Status im Instant-Messenger heranziehen: »Ich geh offline« meint ja nicht immer, dass die Internet-Verbindung gekappt wird oder der Rechner ausgemacht wird, sondern oft einfach nur, dass man den IM schließt – und somit nicht weiter fürs Chatten zur Verfügung steht.

    Das unterstreicht deine These, dass online/offline mehr ist als ein technischer Zustand. Es ist eben auch(!) ein sozialer Zustand. Zumindest mal auf IM bezogen, aber eigentlich auch sonst. Da ist es nur am extremsten.

    Und wenn ich da drin bin, aber »away«. Dann bin ich ja auch ein bisschen offline bzw. nur halb online.

  2. 2MarcoNo Gravatar am Freitag, 7. August 2009 um 19:02 – Permalink

    Sehe ich ähnlich, obwohl ich Informatiker bin. ;) Ein bisschen offline ist ok. Egal, ob man gerade schläft oder echten Urlaubt macht: die virtuellen Profile und Projekte machen es nicht und sind permanent online. ;)
    LG
    Marco

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